Schmiert euch eure Krise in die Haare

081125kriseDie Bundeskanzlerin warnt vor einem harten 2009 (und frisiert schon mal die Arbeitslosenstatistik fürs Wahljahr mit einem neuen Gesetz), der IFO-Index (Geschäftsklima) fällt auf ein 15-Jahrestief, “Wirtschaftsweise” sprechen von der grössten Krise seit dem zweiten Weltkrieg und fordern massive Steuersenkungen, die aber vor allem denen zugute kämen, die bereits massiv Steuern bezahlen.

Im Gegensatz dazu ermittelte das Marktforschungsinstitut GfK in Nürnberg einen Konsumklimaindex, der im Dezember von bisher 1,9 auf 2,2 Punkte steige. What? Die Deutschen wollen mehr kaufen, heisst das? Ja, aber die Krise? Naja, die Benzinpresi fielen drastisch, auch Erdgas wird billiger, und im ablaufenden Jahr konnten sich Gewerkschaften (gegen die warnenden Stimmen der oben erwähnten Wirtschaftsweisen) durchsetzen und endlich ein paar Lohnsteigerungen durchsetzen (trotzdem liegt hier Deutschland im EU-Vergleich nur im Mittelfeld). Dazu GfK-Autor Ralf Bürkl: “Die Verbraucher gehen davon aus, dass sie persönlich von dem Konjunkturtief nicht so stark betroffen sein werden”. Schon für das verstrichene dritte Quartal berichtete das Statistische Bundesamt eine um 0,3 Prozent gestiegene Nachfrage nach Konsumgütern.

Also: Welche Krise? Ist es wirklich nur die Krise der Top-Manager, die in Zukunft keine Millionengehälter für schlampige und kurzsichtige Arbeit erwarten können? Ist es nur leeres Gerede, um etwaige arbeiterfreundliche Lohnabschlüsse abzuschmettern? Ich denke, die “grösste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit” ist genauso Heissluftpropaganda wie der überblähte Finanzmarkt zuvor (von dem sich auch die Autoindustrie durch kostenlose Kredite und waghalsige Leasing-Finanzierungen mitreissen liess). Ich glaube nicht, dass wir alle auf der Strasse (oder wahlweise in der Gosse) landen. Ich glaube, wir haben gerade eine zyklische “Marktbereinigung” vor uns, die letztlich nur Firmen am Leben lässt, die auch echte, wettbewerbsfähige Produkte anbieten können. So wie die Dot-Com-Bubble und der nachfolgende Crash 2000/2001.

Dagegen lebt in Deutschland jeder vierte Rentner und jedes sechste Kind unter der Armutsgrenze. Das ist die eigentliche Krise, und hier helfen auch weder Steuersenkungen noch Milliardenbürgschaften, sondern nur eine Umorientierung der Politik zugunsten der Bürger. Nur: Wer soll diese Regierung wählen? Aktuell ergibt die “Sonntagsfrage“, dass die Bundesbürger eine schwarz-gelbe Mehrheit bevorzugen. Na Mahlzeit.

5 Kommentare

  1. es gibt nur eine steuer die (wirkungsvoll für das gro aller haushalte) mind. gesenkt – am betsen gleich halbiert oder noch besser gleich ganz abgeschafft werden sollte da sie alle, ob millionär oder harz-empfänger, gleichermaßen trifft. allerdings diejenigen mit den kleinen einkommen aber um so härter trifft da sie halt eben nur über kleine bis sehr kleine einkommen verfügen welche unisono vollständig in den konsum einfließen:

    die sog. MEHRWERTSTEUER!!!!

    eine steuer die welche eigentlich nie hätte erfunden und eingeführt werden dürfen. an ihrer statt sollte eine LUXUSSTEUER treten die hochpreisige luxusartikel stark belastet aber notwendige güter des täglichen lebens vollständig ausnimmt.

    zB.

    der spritsparende mittelklassewagen (bzw. das typisch “normale” familienfahrzeug), der für den täglichen weg in die arbeit notwendig ist, sollte ausgenommen werden – die “angeber-karosse” welche 20 liter und mehr auf 100 km verbraucht sollte mind. doppelt, wenn nicht dreimal so hoch besteuert werden. usw.

  2. Mit Abschaffung der Mehrwertsteuer würden aber ~%20 der Steuereinnahmen wegfallen, falls ich richtig nachgeschaut habe..
    Und die bekommt man von paar reichen Futzis sicher nicht wieder rein, selbst wenn man sie das 5-fache für ihre Angeberkarosse zahlen lässt.

  3. [...] And one more thing: Schmiert Euch die Krise in die Haare – bei 112k [...]

  4. Das der Konsumklimaindex im Dezember (Weihnachten?? DER Einzelhandel-Umsatzgenerierungs-Monat schlechthin) steigt ist völlig normal und ist daher kein gutes Argument für einen “Krisenhype”. Falls es eine fette Krise ist, gibts keinen Urknall sondern es wird lang und hässlich. Davon mal abgesehen ist die Menschheit nicht dafür bekannt von Heute auf Morgen ihr gesamtes Verhalten zu ändern, nur weil evt. eine Krise droht.

  5. Der ARD Artikel über Arbeitskosten, bzw. der Begriff/die Idee an sich, ist Augenwischerei!
    Der Arbeitgeber kann den Stundenlohn frei bestimmen, (genügend verängstlichte desorienterte Menschen, sind bereit bei Straflagerbedingungen zum Peitschenhieblohn den Wahnsinn weiter zu finanzieren) und 400€ Jobbs (gibt es überhaupt noch andere?) erfasst die Statistik bestimmt nicht. In der Realität sind wir weiter unten, viel weiter … und leider sehen die Zukunftsaussichten “momentan” nicht jut aus!
    Meine Beobachtungen & Einschätzungen gehen eher in die Andere Richtung: Billiglohnarbeit in Deutschland = Made in CHINA 2.0

    Bitte NICHT!


Kommentarfeed TrackBack-Indentifikations-URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 658 other followers