ACTA: Auf Kosten von Konsumenten und Künstlern

090204fbi_warningDas Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) wird weiter unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt, derzeit in Rabat, Marokko. Die Gespräche begannen im Oktober 07, im Mai letzten Jahres kamen dann Dokumente via Wikileaks an die Öffentlichkeit. In kurzen Worten, die USA, die EU, Japan und einige andere Industrieländern wollen ein internationales Vertragswerk schaffen, um “geistiges Eigentum” besser zu schützen. Beraten werden die Politiker dabei von Vertretern der Unterhaltungsindustrien. Presse, NGOs und überhaupt sonst alle müssen draussen bleiben.

Jetzt wurde noch ein wenig mehr über diese internationalen Machenschaften bekannt:

Die USA und Japan (oder ihre Industrien) bestehen darauf, Copyrightverletzungen auch ohne kommerzielle Absicht immer mit Gefängnis plus hohen Geldstrafen zu belegen.
Die Entschädigung für “entgangene Gewinne” soll gesetzlich festgeschrieben werden. Plus Gerichtskosten.
Copyrightverletzende Gegenstände sollen bis zu einem Jahr vom Zoll eingezogen werden dürfen. Ohne Haftung, wenn der angeblich Raubkopien enthaltende iPod zu Bruch oder verloren geht.

In der Summe haben wir hier die alten, einseitigen Forderungen der Entertainment-Konzerne. Völlige Kontrolle über das “geistige Eigentum” anderer darf aber nicht in private Hände gehen– schliesslich gehören Kompositionen, Texte, Bilder in erster Linie den Urhebern und in zweiter der Gesellschaft. Da sich durch die Weiterentwicklung der Technik die alten Vertriebsmodelle auflösen, versuchen die bisher beteiligten Firmen, sich und ihr Distributionsmonopol (Oligopol…) per Gesetz abzusichern. Das ist nicht im Sinne aller anderen Beteiligten. Torrentfreak weist in diesem Zusammenhang auf eine Umfrage der Marktforschungsagentur Ovum hin, der zufolge ein Drittel aller Breitband- (DSL)-Internetnutzer “illegal” heruntergeladene Filme ansehen. Ein Drittel aller DSL-Nutzer für 10 Jahre ins Gefängnis?

Was wir hier erleben, ist im Grunde aber ein ganz normaler politischer Vorgang: Einzelne Gruppen versuchen, sich per Lobbyarbeit unfaire Vorteile zu verschaffen, und andere politische Kräfte müssen dem entgegenwirken. Wie? Öffentlichkeit und damit verbundener politischer Druck.

Wir konnten zusehen, wie die lächerliche Rauchverbotsdiskussion eine süddeutsche Hardliner-Landesregierung zu Fall brachte, die weit wichtigere Frage eines “Kulturverbots” aus kommerziellen Interessen heraus sollte noch mehr bewirken können. Meine Forderungen: Kein Ausverkauf unserer Kultur an einzelne Firmen, Ende der ACTA-Verhandlungen. (via techdirt, michaelgeist, kei, torrentfreak)

8 Kommentare

  1. >Meine Forderungen: Kein Ausverkauf unserer Kultur an einzelne Firmen, Ende der ACTA-Verhandlungen.
    100% Ack.

    Die Zeit der großen Musikkonzerne ist vorrüber. Die klammern sich mit aller Kraft an ein überholtes Geschäftsmodell statt mit aller Macht die neuen Möglichkeiten zu nutzen.

    Ich bin es z. B. leid, immer und immer wieder CDs aus USA zu importieren, weil diese in Europa schlicht gar nicht angeboten werden. Da sind andere Bezugsquellen attraktiver. Einen Onlineshop der _qualitativ_hochwertige_ Musik (sowohl technisch – verlustfrei komprimiert – als auch musikalisch) aller Labels weltweit gleichzeitig und zu einem sinnvollen Preis vertreibt würde ich sofort nutzen. 10 bis 12 Euro pro Album würde ich schon bezahlen. Allerdings nicht 18 Euro für ein Album auf dem mir nur 1 oder 2 Lieder gefallen.

  2. da kann man doch echt nur den kopf schütteln. kann mal irgendwer den kopf-greisen in den konzernen mitteilen das ihr markt verloren ist und sie sich gefälligst ihre brötchen wieder verdienen müssen, in dem sie sich was neues ausdenken?
    aber ich bin ja mal gespannt wie die das machen wollen, wenn sie wirklich alle “piraten” einsperren wollen. da müssen wohl einige gefängnisse mehr gebaut werden. gut, das schafft wieder arbeitsplätze, aber die leute die im knast sitzen konsumieren nicht in dem ausmaß wie sie es draussen tun würden. also wieder mal nur ein schnitt ins eigene fleisch. sehr clever jungs, daumen hoch!

  3. besonders dreist finde ich bei diesen “verhandlungen” auch das weder öffentlichkeit noch irgendein unabhängiges Organ zugegen sein darf. Ganz besonders bei dem Europäischem Ableger dieser Verhandlungen. Sowas hat nichts mehr mit Demokratie zu tun sondern mit blankem Kapitalismus.

  4. [...] und weltweit, wo Regierungen zusammen mit Unterhaltungskonzernen hinter verschlossenen Türen am ACTA-Abkommen [...]

  5. [...] weiter unter Ausschluss der Öffentlichkeit am ACTA-Abkommen gefeilt wird (siehe 11k2), das alle teilnehmenden Nationen zu extremer Urheberrechtsverschärfung verpflichtet, bereitet die [...]

  6. [...] einiger weniger Konzerne. Die Verhandlungen begannen 2007, zwei Jahre später war folgendes bekannt: Die USA und Japan (oder ihre Industrien) bestehen darauf, Copyrightverletzungen auch ohne [...]

  7. [...] einiger weniger Konzerne. Die Verhandlungen begannen 2007, zwei Jahre später war folgendes bekannt: Die USA und Japan (oder ihre Industrien) bestehen darauf, Copyrightverletzungen auch ohne [...]

  8. [...] einiger weniger Konzerne. Die Verhandlungen begannen 2007, zwei Jahre später war folgendes bekannt: Die USA und Japan (oder ihre Industrien) bestehen darauf, Copyrightverletzungen auch ohne [...]


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