Keine Frage: Die Musikindustrie, wie wir sie kennen, ist auf dem Weg ins Aus. Die vier grossen Konzerne der Branche schreiben Jahr für Jahr zweistellige Verluste, auch die Indies jammern, es ginge bergab. Ist also in wenigen Jahren mit Musik kein Geld mehr zu verdienen? Müssen Musiker schlecht bezahlte Nebenjobs annehmen, um am Wochenende ein wenig musizieren zu können? Die Leute vom Musik-Blog Hypebot fragen immer wieder Labels, Musiker, Brancheninsider, welche Geschäftsmodelle denn überhaupt noch realistisch sind. Am letzten Dienstag veröffentlichten sie ein Interview mit den Betreibern des Indie-Labels Asthmatic Kitty: Wie geht das heute mit dem Geldverdienen mit Musik?
Die Antwort mag verwirrend und schockierend klingen, wurde aber von mir und anderen bereits so formuliert: Musik hören ist eine Sache, Musik kaufen eine andere, die beiden sind nur lose verbunden.
Nochmal: Die Fans hören Musik, diese bekommen sie egal wo her, auch aus P2P-Plattformen, von Freunden oder als kostenlosen Download von der Label-Webseite. Das ist die eine Sache. Die andere ist, dass sie Tonträger kaufen, weil sie diese besitzen wollen. Die Originale. Um sie ins Regal zu stellen, zu der ganzen anderen anderen Kultur. Um sie ihren Freunden zu zeigen. Um die Künstler zu unterstützen.
Die Asthmatic Kitty Leute rücken noch ein paar Tipps für Labelbetreiber und Musikverkäufer raus, die grundsätzlich auch für Blogger, Buchautoren oder Filmemacher gelten: Was ihr da tut, richtet sich an ein Publikum. Das aus Menschen besteht. Also ist das ein zweiseitiger Kommunikationsvorgang. Das mit dem schnellen Erfolg aus dem Nichts könnt ihr vergessen, Erfolg dauert Jahre, und seine Grundlage ist harte Arbeit.
Gut zu wissen, nicht wahr? Jetzt müssen wir nur noch erreichen, dass diese Erkenntnis Teil unserer gesamt-gesellschaftlichen Realität wird. Kopieren, Downloaden, Sharen, alles kulturelle Grundrechte. Diese verbieten zu wollen, folgt der Idee der künstlichen Verknappung: Wenn man ein Wirtschaftsgut nur noch für teures Geld von wenigen Anbietern bekommen kann, werden diese schnell reich.
Nur: Mit Kultur funktioniert das nicht. Weil Kultur rezipiert wird, wo sie eben stattfindet, und Geld nur da im Spiel ist, wo zur Kultur ein Mehrwert addiert wird. Etwa in Form einer Musik-CD in einem griffigen Cover, mit Fotos der Band, mit einem Link zu Website, zum Band-Blog, zum Fan-Account, mit dem man auf dem nächsten Konzert einen Rabatt auf das Tshirt bekommt. Diese Fan-Basis aufzubauen, die Leute anzusprechen, ihnen neue Infos zu geben, ihnen neue Angebote zu machen, ihre Anregungen aufzunehmen, das wäre eigentlich die Aufgabe der neuen Musikfirmen.
Und solche Unternehmen werden die aktuelle Technologiekrise überstehen. Nicht aber die Leviathane der Vinyl-Epoche, die ihre Aufmerksamkeit lieber auf P2P-Hexenprozesse, Koks und Nutten konzentrieren. Die gehen unter. Und die Musik spielt dazu.
(interview: hypebot) (pic norman bruderhofer cc)
1 Kommentar(e)
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> Musik hören ist eine Sache, Musik kaufen eine andere, die beiden sind nur lose verbunden.
Das muss man nochmal wiederholen. Sehr wichtig. :)
Mir ist damit auch erst klar geworden, dass es Kultur gibt die ich höre/sehe/…. Und welche, die ich archiviere. Sozusagen für die Nachwelt.
Die archivierte Kultur fasse ich meist kaum an. Und sie muss vollständig, und in kompromissloser Qualität sein. Getaggt, schön in einem semantischen Dateisystem geordnet. Mit hochauflösendem Cover, Künstlerinfos, und so weiter, und so fort.
Umso seltener, umso wertvoller. Ich hab sogar White-Label-Musik, die nur sieben mal auf der ganzen Welt existiert. Einer hat sie im Radio genau ein mal gespielt. Ich hab mitgeschnitten. Sowas ist pures Gold wert. :D