Rockband startet Torrentracker, Regierung überfordert

090322ninDie eher düstere Gitarrencombo Nine Inch Nails hat schon in der Vergangenheit durch (erfolgreiche) Experimente mit kostenlosem Download ihrer neuesten Songs via P2P aufsehen erregt. Auch für den aktuellen Toursampler “NIN/JA” (Haha, für das Wortspiel) stehen MP3s auf der Bandhomepage bereit zum Herunterladen durch die Fans.

Diese sollen aber nicht nur die leicht qualitätsreduzierten MP3-Versionen bekommen können, sondern auch verlustlose, unkomprimierte Musikdateien. Zu diesem Zweck stellte die Band schon vor einer Weile einen eigenen BitTorrent-Tracker auf, so dass sich die Vorteile von kostenloser Musik, verlustloser Qualität und schnellem P2P-Download verbinden.

Bevor mir jetzt verständnislose Fragen kommen, warum die das denn machen würden und ihre Musik verschenken, wovon die dann leben wollen, etc blabla… ich erklärs mal:

Fortschrittliche Bands wie Nine Inch Nails haben erkannt, dass die digitale Kopie von Musik kein Geld wert ist. Keinen einzelnen Cent. Verkaufen kann man nur Dinge, die eine Bedeutung haben. So wie Konzertkarten, T-Shirts, Tonträger. Was, Tonträger? Wozu sollen Fans denn Tonträger kaufen, wenn sie die Musik umsonst runterladen dürfen? Weil sie die Platte (CD) haben wollen, weil es ihnen etwas bedeutet. Das, und genau das ist die Zukunft des Music Biz. Nur wird diese Zukunft ohne die bisher grossen Player stattfinden, aus den bekannten Gründen.

Ganz anders läuft es derzeit in Frankreich, wo das überwiegend konservative Parlament ein “3-Strikes”-Gesetz beschlossen hat. Wer dreimal von der Musikindustrie des illegalen Downloads beschuldigt wird (ohne gerichtliche Nachprüfung), fliegt für ein Jahr aus dem Internet. Das wussten wir schon , aber nun hat ein Reporter des französischen TV-Senders Canal Plus für die TV-Serie “Hebdo Cinéma” Parlamentsabgeordnete befragt: “Was ist gefährlicher, BitTorrent oder P2P?”

090322bartolone1Die allermeisten hatten keine Ahnung, was der Journalist von ihnen wollte, verwiesen auf ihren fehlenden technischen Hintergrund oder verlangten eine Wiederholung der Frage auf französisch. Der einzige mit Plan von der Sache war der Sozialist (und P2P-Befürworter) Claude Bartolone (hier im Bild), der sowohl einen technischen als auch gesellschaftlichen Standpunkt zu dieser Frage nennen konnte.

Wir sehen: Das Problem ist Unkenntnis. Gesetzgeber verlassen sich hier auf Hörensagen. In Deutschland ist es genauso. Ich glaube, der einzige Weg, diese unhaltbare Situation zu verändern, ist Öffentlichkeit. So wie hier, im 11k2. (torrentfreak, torrentfreak)

4 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben! Ein hoch auf NIN!

  2. Leider nicht mein Musikgeschmack. Und ich glaub auch nicht, das so die Zukunft aussehen wird.

  3. @kohloe
    nin ziehen diese art der vermarktung jetzt seit 5 jahren durch und sind mega erfolgreich
    alleine das letzte album war als lp ( geschätzte auflage 100000) innerhalb von 10 tagen ausverkauft .
    trend reznor hat mal gesagt das nin noch nie so viel geld verdient hat wie jetzt
    ob die zukunft so aussieht oder nicht weiß niemand aber es ist auf jeden fall eine
    möglichkeit

  4. schön schön.
    Hoffentlich spricht sich das in den Musikkreisen immer mehr herum…

    Zu Fronkroisch: Irgendwann wird damit angefangen damit unliebsame konkurrenten vom internet zu trennen. Das “System” ist ja quasi eine Einladung dazu….


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