Auf Techdirt (überhaupt eine sehr sympathische Site) findet sich eine sehr schöne Beschreibung effizienter Musik-Vermarktung. Wir sind uns ja alle darüber einig, dass Musiker Geld bekommen sollen. Aber sie müssen sich eben selber darum kümmern.
Plattenlabels… das war mal, damit verdient kein Künstler mehr echtes Geld.
Im konkreten Fall erzählt Ian Rogers von einem Konzert der Band Halestorm (normaler Rock, nicht so mein Ding). Zum Set-Beginn legt die Sängerin erst einmal ein paar Tunes hin, bis alle im Haus überzeugt sind, dass sie’s drauf hat. Dann rockt die Band ein paar Riunden mit, bis die Frontfrau erklärt, es käme bald ein neues Album raus, und man könne nachher Pre-Release Scheiben für nen Fünfer (in der schwachen US-Währung) Backstage am Merch erwerben, wo dann auch die Band aushinge.
Nach dem Set stürmt die Menge backstage, wo der Bandmanagar mit beiden Händen die Scheiben verkauft. Und gratis Aufkleber mit der MySpace-Adresse rausgibt. Die Band quatscht inzwischen mit den Fans und leiert den Merch noch etwas an.
Zusammenfassung: Halestorm braucht weder ein Label noch Airplay oder MTV. Weil sie alles richtig machen. Sie geben ihren Fans sogar einen Grund ihnen Geld zu geben. Obwohl man ja bekanntlich alles umsonst im Internet haben kann.
Wofür also bezahlen? Dafür, dass man eine Scheibe, irgendwas, von der Band bekommt, die einem gefällt. Deren Konzert man im nächsten Jahr wieder besuchen möchte. Mit der man sich emotional verbunden fühlt. Hey: Nur darum geht es bei Musik. Nichts Neues? Nein, aber eine verloren geglaubte Weisheit.
4 Kommentare
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Ganz ehrlich: is wirklich nix Neues. Machen wir schon seit nun knapp 4 Jahren so (welche Band eigentlich nicht?!). Allerdings ham wir wahrscheinlich nicht die zwei besonders überzeugenden “Argumente”, wie die Fronttusse von Halestorm ;)
“verloren geglaubt” ist es aber nur in den Bereichen der Popularmusik, im Underground dagegen ist es die einzige Möglichkeit, Fans zu gewinnen und zu halten. Plattenfirmen und Vetriebe werden so eine “individuelle Fanbetreuung” nie leisten können.
Ja, ckone, aber wozu brauchen wir dann noch Plattenfirmen?
Plattenfirman gibt’s, weil Musiker einfach zu faul (ich darf das, ich bin selbst einer) oder zu sehr Musiker sind, um sich um den ganzen Geschäftskram zu kümmern. Das ist der gleiche Grund, warum es, auch Versicherungsagenturen gibt: man will sich nicht mit dem ganzen Molloch selbst auseinander setzten müssen, sondern überlässt das jemand anderem – der sich dann dafür nen Teil des Kuchens abzweigt. Bei Versicherungen etwas weniger, bei Plattenfirmen etwas mehr.
Vgl. Beitrag Trent Reznor ( http://11k2.wordpress.com/2009/04/08/trent-reznor-musiker-verlasst-eure-labels/ ) – Plattenfirmen sollten von den Musikern als Dienstleister betrachtet werden, die gegen eine Gewinnbeteiligung an den CD-Verkäufen Netzwerke zur Verfügung stellen (Vertrieb, Booker, Tourorganisation) und die sich Musiker jeweils “anmieten” können.
Derzeit sehen das die Plattenfirmen und Künstler aber andersherum: der Musiker/Künstler liefert gegen eine Gewinnbeteiligung die Musik und die Kunstfigur an die Plattenfirma.
Es gibt aber auch Plattenfirmen, die das anders machen (nämlich wenig abzweigen und dem Künstler dafür ne gute Dienstleistung geben), und damit Erfolg haben. “win – win” halt.
Generell: Wenn man die Betrachtungsweise mal umdreht, tun sich vollkommen neue Möglichkeiten auf.
Das sollte man übrigens auch bei Beschäftigungen in einer Zeitarbeitsfirma machen: wenn man’s mal von der Warte aus sieht, dass man sich mit dem Betrag, der vom Lohn abgezweigt wird, ein Netzwerk kauft, das man so nicht hätte (Firmankontakte), und Flexibilität “mietet” (die Zeitarbeitsfirma verpflichtet sich ja im Kleingedruckten, bei Nichtgefallen eines Jobs ihrem Angestellten neue Jobs anzubieten), wechselt ganz schnell die Position des Tonangebeenden.