Studie: Krieg gegen P2P ist schlecht fürs Geschäft

pirate_girlWill Page, von der britischen Verwertungs-Gesellschaft PRS For Music (die sich um die Tantiemen der aufführenden Künstler kümmert, nicht um die der Komponisten) und Eric Garland, CEO der Marktforschung-Aagentur Big Champagne (die seit Jahren auf P2P spezialisiert ist) haben gemeinsam die Studie “The long tail of P2P” veröffentlicht.

Darin untersuchen sie zum Einen die “Long Tail” Wirtschafts-Theorie, also das Verhältnis von vielen, selten verkauften Produkten zu wenigen, oft verkauften, und zum Andern das Verhältnis von legalen/lizensierten Verkäufen und P2P-Downloads. Die beiden kommen zu Ergebnissen, die manche überraschen dürften (mich nicht):

Von den im Music Biz zur Zeit etwa 13 Millionen angebotenen legalen Song-Downloads wurden 10 Millionen bisher noch kein einziges Mal heruntergeladen, und damit gekauft. Anders gesagt: Im legalen Musik-Downloadmarkt machen 5 % der Titel 90 % des Umsatzes aus. Ähnlich, aber nicht gleich im P2P: hier stellen 5 % der Titel nur 80 % des Traffics, der Long Tail ist also doppelt so wichtig (10 zu 20 %).

Deshalb, da sind sich die beiden Fachleute einig, muss eine Art von Pauschalvergütung geschaffen werden, um den Künstlern der so-oder-so nicht verkauften Titel wenigstens ein Butterbrot zukommen zu lassen. In jedem Fall entscheidet der Konsument, was er haben will.

Geht es nach Page und Garland, dann müssten wir eine Art Pauschalabgabe auf Internet einführen. Dieses Modell wird aber von den grossen Konzernen erbittert bekämpft. Den Marktführern geht es mehr um die Kontrolle der Vertriebswege, als um eine Bezahlung der Künstler. P2P, so resümieren Page und Garland, hat heute den Stellenwert von Radio, egal, wie der offizielle oder legale Status aussieht, die juristischen Aktivitäten der letzten Jahre haben nichts daran verändert. Sie empfehlen uns, die kulturelle Kraft des Filesharing zu nutzen, statt sie zu bekämpfen.

( the long tail of p2p, pdf via theregister)

8 Kommentare

  1. [...] Studie: Krieg gegen P2P ist schlecht für’s Geschäft [...]

  2. > […] um den Künstlern der so-oder-so nicht verkauften Titel wenigstens ein Butterbrot zukommen zu lassen.

    Warum? Weil sie Musik machen, die erwiesenermaßen keiner hören will? Is aber nicht gerade fair…

    • Diesen ganzen Kommerz-Chart-Müll kauft doch sowieso nur die Plattenfirma selber… und 14 Jährige Teenager die “dazugehören” wollen.

      “Richtige Musik” wird nicht aus kommerziellen Gründen veröffentlicht, sondern um eine Botschaft zu vermitteln, ein künstlerischer Ausdruck.

      Alles andere hat die Bezeichnung Musik nicht verdient.

  3. Aehm versteht mich nicht falsch aber wieso sollen Kuenstler bezahlt werden deren Musik keiner will? Ist das Musikgewerbe jetzt die neue Moeglichkeit an Geld zu kommen fuer Arbeit die Schrott ist? Wenn die Kuenstler Musik machen und keiner sie hoert dann wird es Zeit das der Kuenstler einsieht das er fehl am Platz ist oder seine Musik umstellt (was er wohl nicht machen wird als Vollblutmusiker, da er 1000% hinter seinem Geschmack steht).
    Also erklaere mir nochmal bitte einer dieses System der Pauschalabgabe damit auch die ungeliebteb Musikschaffenden Geld erhalten. Ich kapiers gerade nicht.

  4. Ich möchte eine Wette aufstellen: Also wenn die Pauschalabgabe kommt, wird der Musikmarkt komplett zusammenbrechen. Denn da es irrelevant wird, wer die meiste Musik unter die Leute bringt, sondern nur noch mit Konzerten und dergleichen Geld zu machen ist (was ja an sich nicht schlimm ist), wird Musik ausserhalb dieser Konzerte nur noch als Werbung verteilt. Mit massig Spam und Müll drin. Und dann bricht auch P2P ein gutes Stück ein, weil es viel schwerer wird, sein Musikstück zu bekommen.

    Jetzt wirst du sagen: „Aber nein! Denn die Pauschalabgabe kann ja danach verteilt werden, wessen Musik am meisten runtergeladen wird.“
    Dazu sage ich: Was glaubst du denn, wer das verwalten wird? Mit ziemlicher Sicherheit die GEMA.
    Und wie das da läuft, und ob das fair ist, das weisst du selber wahrscheinlich noch besser als ich…

    Da ich dich für ziemlich kompetent in der Sache halte, würde mich mal interessieren, wie so ein Business-Modell von dir, das bis zum Ende durchgespielt wäre, aussehen würde.
    Vielleicht können wir die Frage „Pauschalabgabe: Ja oder nein?“ vielleicht endlich mal für uns beide zu den Akten legen. ^^

  5. Die Studie auf deine Essenz einzudampfen halte ich doch für sehr, sehr kurz gegriffen. Hier meine Bemerkungen:

    http://lieinthesound.wordpress.com/2009/05/16/wollt-ihr-das-totale-filesharing-teil-5/

    SomeVapourTrails

  6. [...] offenbar ist es so, wie man es z.B. auch bei Musik-Downloads kennt: Nur ein Bruchteil der angebotenen Programme verkauft sich wirklich in nennenswertem Umfang, das [...]

  7. Ist mir alles vollkommen egal. Die Musik die ich mag, gibt es schon seit Jahrzehnten… mir völlig Schnuppe, was mit heutigen Musikern passiert.


Kommentarfeed TrackBack-Indentifikations-URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 658 other followers