Warnungen vor Killerspielen verhallen ungehört

090701antike_killerspiele“In unserer ganzen Nation hat sich eine ungesunde Aufregung über das Erlernen und Ausüben der Killerspiele verbreitet, und zahllose Vereinigungen zu diesem Zweck wurden in Stadt und Land gegründet. Warum wir das bedauern? Die Frage sei gestattet. Unsere Antwort: Killerspiele sind eine blosse Unterhaltungsform von niederer Qualität, die von höheren geistigen Anstrengungen und jedweder körperlichen Betätigung abhalten.

Killerspiele haben sich bei manchen Menschen einen hervorragenden Ruf als geistige Schulung gemacht, aber gerade Menschen mit einem eher sitzenden Lebensstil sollten diese freudlosen Spiele meiden. Sie benötigen sportliche Aktivitäten an der frischen Luft und nicht diese Form mentalen Gladiatorentums”.

So. Dieses Zitat stammt aus der wissenschaftlichen Zeitschrift Scientific American, Ausgabe Juli 1859. Ach? Vor 150 Jahren? Richtig, nur habe ich zur Verdeutlichung überall dort “Killerspiele” eingesetzt, wo im Originaltext “Schach” steht. Schach, das Spiel der Könige, galt nämlich vor 150 Jahren als böser Jugendverderber. Ein Witz, oder? Nur wird diese Erkenntnis unsere zeitgenössischen Jugendschützer nicht davon abhalten, ihre eigenen Vorurteile in Gesetzestext zu giessen. Das müssen schon wir machen. Abhalten.

( via techdirt)

6 Kommentare

  1. Selten so gelacht und wieder mal ein Zeugnis dafür, dass unser ganzes Dasein eine ständige Wiederholung ist, nur mit jeweils anderer Besetzung.

  2. Nun. Ich sehe das positive: In spätestens 150 Jahren wird die Debatte über Killerspiele endgültig vorbei sein. ;)

  3. Extrem gute Idee – das mit dem Ersetzen. Killerspiele hin- oder her … ein bischen frische Luft kann ja bekanntlich nicht schaden. Da muß ich dem 150 Jahre Knacker schon recht geben.

  4. Disziplinlosigkei, “schlechte” Bücher, Masturbation, vorehelicher Beischlaf, Schach, Jazz, Swing, Rock&Roll, Punk,Comichefte ,Marihuana, Tragbare Radios, Bravo-Zeitschriften, Beatles, Kaugummi, Walkman,Videofilme(insbesondere Horror und gore) SM-Spiele, HipHop, Pornographie, “Killer”spiele (=lies Pc- und Viedeospiele im allgemeinen)

    Zwar nicht ganz chronologisch, aber jedes genannte wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte (oder wird es noch / wieder) als jugendverderbender Faktor bezeichnet.

    Seltsam das wir immernoch der Illusion anhängen wir lebten in einem freien, tolleranten Staate.

    Klar, wenn alles halbwegs gut verläuft, dann sind in ein paar Jahren diejenigen an den Schalthebeln, die heute selbst gezockt haben – Alle weden lachen über diese kuriose Episode so wie wir heute über die Probleme der Comic nach dem 2.WW, welche zur Einführung der Comics Code Authority führte:
    [Im Vorfeld wurden Comics wie z.B. "Geschichten aus der Gruft" hart attackiert:
    Die Sprache war von "Seduction of the Innocent" (Verführung der Unschuldigen) und die Comicverleger wurdn diffarmiert als. „Verbündete des Teufels“.
    Von sachlicher Diskussion keine Spur.]
    Doch “zurück in die Zukunft” wir lachen dann also über diese alte, längst abgehakte Thema und das ist gut so!

    Weniger gut wird hingegen dann die “neueste” Kampagne gegen die “neueste” “Bedrohung” aus der Jugendkultur ablaufen…

    Wie nennt man das, wenn Menschen sich einbilden sie wäre frei und würden sich ständig weiteretwickeln während das, was sie tatsächlich tun nur stets die alten Fehler in neuen Kleiden sind…

    Doc.G

  5. [...] This post was Twitted by maiklwi [...]

  6. [...] Gipfel der Heuchelei und Killerschach [...]


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