Eine Gruppe Hamburger Verlage setzte sich im Juni für mehr Schutz für ihre Umsätze durch staatliche Organe ein, in der “Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums”. Wie schon bei ähnlichen Veranstaltungen in der Vergangenheit hörten wir wieder die Pseudo-Forderung: “Im Internet darf es keine rechtsfreien Zonen geben”. Gibt es ja auch nicht. Und weiter: “Keine Demokratie gedeiht ohne unabhängigen Journalismus. Kein Wissen entsteht ohne faire Beteiligung an seinem wirtschaftlichen Ertrag”. Das mit dem wirtschaftlichen Ertrag führt uns nämlich zum eigentlichen Problem: Ein Wachstum der Zeitungsverlage ist nicht mehr gegeben, deswegen fordern manche davon eine Ausweitung ihrer Rechte auf Kosten aller anderen Marktteilnehmer, seien das die Verbraucher, oder die Urheber selbst.
Derzeit dient den Verlagsherren allerdings das Internet und seine erfolgreichen Unternehmen wie Google als Feindbild. Nicht private “Raubkopierer” werden hier der Zerstörung eines Wirtschaftszweigs angeklagt, sondern Suchmaschinen, die mit dem Finden von Zeitungsartikeln und dazu geschalteten Anzeigen Geld verdienen. Davon wollen die Verlage auf dem Umweg über gesetzliche Regelungen beteiligt werden. Entsprechend haben 166 oder mehr Verlage die Erklärung unterzeichnet und drängen die EU, in ihrem Sinn zu handeln.
Noch bunter wird es allerdings in der “Hamburger Erklärung zum Schutz der Produzentenrechte in der digitalen Welt” (PDF). Hier fordern “Filmproduzenten”, also Film-Finanzierungsunternehmen, ein eigenes Urheberrecht, das Produzentenurheberrecht. Sie liefern die Erklärung gleich mit: “Die Produzenten müssen – ebenso wie die Urheber – in der Lage sein, eine angemessene Vergütung für ihre Gesamtleistung als Produzenten zu erhalten”. Das heisst: Mehr Geld für die gleiche Arbeit. Fordern kann man’s ja mal. Und als Grund der Forderungen bekommen wir die Schein-Begründung vorgesetzt: “Piraterie ist Diebstahl geistigen Eigentums.”
Also nochmal: Die Papier-Verlage fordern einen Teil der Suchmaschinen-Umsätze, während die Zelluloid-Finanzierer einen Teil der Künstlertantiemen haben wollen. Alles mit dem Verweis auf “Piraterie und Diebstahl im rechtsfreien Raum des Internet”. Also auf etwas frei Erfundenes, denn der Zusammenhang zwischen Mehreinahmen der Suchmaschinen und geringeren der Zeitungen ist genauso fiktiv wie der von P2P und fallenden Umsätzen der strebenden Musikindustrie, die als allgemeines Schreckensszenario herhalten muss, obwohl ihr Geschäftsmodell ein anders ist als bei Film, Games, Zeitung oder Buch.
Das deutsche, und ebenso das kontinental-europäische Urheberrecht schützte bisher den Urheber, und sicherte die Rechte der Bürger. Anders im anglo-amerikanischen Copyright, wo die Rechte der Verlage und Rechteverwerter festgeschrieben sind. Ein unveräusserliches Recht an der eigenen Schöpfung gibt es dort nicht. Die oben beschriebenen Forderungen zielen auf eine Zerstörung des Urheberrechts ab.
(pic heissluftballon, wikipedia, pd)
7 Kommentare
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. . . .vor allem die ganzen EURO-film-”produzenten” (diese gottverdammten parasitären motherfucker) sollten mal gefälligst ganz schnell die verschnodderte schnauze halten – finanzieren sich die absolute majorität ihrer “produkte” doch zu erheblichen teilen aus den verschiedensten kultur(film)förderungstöpfen – also mit dem geld (vor allem anderen) der steuer- und gebühren(zB. rundfunk-gebühren)- zahler – und nicht aus den kinokassen- und verkaufserlösen, an den sonstigen rechteverwertungen oder gar werbung!!!
da reißen gerade die richtigen das maul auf!!! (hauptsächlich) an steuerzahlers titten hängen (den arsch vergolden und sich ein schönes leben finanzieren lassen) aber rumschwallen von wegen “raubkopien” usw.!
in EU ist es sowieso kaum möglich einen hier produzierten film zu “raubmordkopieren” – denn dieser gehört meist von anbeginn an zu mind. 50% (idR. aber meist weit mehr) der allgemeinheit schon alleine durch die immensen, aus steuermitteln hergeleiteten, fördersummen die (fast) jedem film-(und/oder auch bühnen)-projekt zugeschossen werden! finanziert durch die jeweiligen töpfe durch bund, länder und der EU.
darauf kommen dann die mittel aus den mit aus rundfunk-gebühren gefüllten töpfen.
darauf dann die mittel (minimale %te) aus den verschiedensten erlösen.
und schlussendlich – wenn überhaupt mal – aus den wenigen mitteln welche der jeweilige produzent aus privaten händen einsammelt (die anschließend aber natürlich mehrfach vergoldet werden wollen/sollen).
[ und nur mal zur inf: auch viele (idR. fast alle) der anspruchvollen filmprojekte (also nicht die dummduseligen wischi-waschi-sendungen und billigserien für doofe) im sog. privatfernsehen werden so, oder so ähnlich finanziert - UND nicht etwa durch werbung und dergleichen. nur damit das mal klar ist! ]
mann, ich krieg mich echt bald nimmer ein!
Ich finde es wirklich interessant, die Suchmaschinen haben ein recht erfolgreiches Geschäftsmodell, das den Verlagen überhaupt nicht passt.
Ich weiss nur leider nicht, wo da das “Urheberrecht” berührt wird.
Vielmehr sind Suchmaschinen das wichtige, zentrale Elementt des Internet, ohne die Dinger läuft einfach nichts, da das Netz einfach zu gross und unübersichltlich ist. Finde ich persönlicb auch ganz ok so.
Eine Suchmaschine ist so gesehen die Werbeplattform für eine Internetseite, auch die Internetseiten von Verlagen und deren Produkten und Erzeugnissen. Und dazu noch UMSONST!
Für einen Werbeplatz in einer Zeitung, einem Magazin, Fernsehen oder Radio muss man Geld hinlegen, je besser, umso teurer.
Würde man die Argumente der Verlage also auf die Position der Suchmaschinen übertragen, dann müssten vielmehr die Verlage für die erstklassigen Werbepositionen bezahlen (was sie wahrscheinlich teilweise sowieso schon tun, für bessere Trefferpositionen, aber nicht zugeben werden). Wenn man sich die Webseiten einschlägiger Zeitungen ansieht, dann merkt man, wo der Hase wirklich langläuft: Die Seiten sind voll von versteckten und offensichtlichen Tags und anderen Hilfsmitteln, die bei der Optimierung von Suchergebnissen helfen, so schlimm können Suchmaschinen also nicht sein. Oder die grössten Maulhelden der Verlage haben absolut keine Ahnung, was deren Marketingabteilungen verzapfen (was dann wiederum möglicherweise die Umsatzprobleme erklären könnte ;-) ).
Jedenfalls hat diese Aktionen den scharfen Beigeschmack von unglaublicher Gier und Neid. Letztenendes stehen sich aber nur zwei Geschäftsmodelle gegenüber und ich denke, ich weiss, welches dabei eine höhere Chance für die Zukunft hat.
Schliesse mich meinem Vorredner an. Wenn die Verlage nicht wollen, dass sich die Suchmaschinen mit ihren Inhalten eine goldene Nase verdienen — nunja, jeder bedeutende Spider haelt sich an das, was die robot.txt ihm sagt. Dann sollen die Verlage halt die Suchmaschinen aussperren.
… und dann jammern und gegen die Betreiber klagen, weil niemand mehr ihre kostbaren Seiten besucht.
[...] Verlag unterzeichnet eine Erklärung von Verlagen, die von der Regierung mehr Schutz geistigen Eigentums fordern und macht sich damit [...]
tja, das suchen einer großen industrie nach irgendetwas das das untergehende Schiff noch retten könnte (oder zumindest die oberen Leute, alle anderen sind denen vermutlich eh egal).
Natürlich lesen immer weniger Menschen die Zeitung weil sie A: immer vom letztem Tag sind, B: umständlich sind (Format) und C: durch moderne Informationssysteme gnadenlos überholt sind.
Wozu soll ich mir eine stinkende Zeitung nach Hause liefern lassen wwenn ich sie erst abends lesen kann? Quasi dann wenn ich die nachsrichten von gestern und heute ohnehin schon erhalten hab?
Und das jemand anderes etwas besser macht und beliebter ist heisst ja nicht das dieser jenige den verlust des andere tragen muss.
Wozu auch?
Porsche baut schnellere Autos als Opel. Muss POorsche jetzt an Opel was zahlen weil sie schneller sind?
[...] reagiert auf die Hamburger Erklärung In der “Hamburger Erklärung” (siehe 11k2) fordern Verlage aus ganz Europa einen Teil der Suchmaschinenerlöse und die Kontrolle über alle [...]
Google sollte diese Spacken aus dem Index werfen.