Severn Gezeitenkraftwerk: Genial oder wahnsinnig?

090720severn_dammAn wenigen Stellen der Erde ist der Tidenhub (Für Landratten: Wasserspiegeldifferenz zwischen Ebbe und Flut) so gross wie an der Mündung des Flusses Severn bei Cardiff. Kein Wunder, dass schon lange an Plänen herumradiert wird, um die gigantische Strömungs-Energie in der Severn-Mündung für die Gewinnung von Elektrizität zu nutzen.

Befürworter des Projekts sprechen von bis zu 8,5 Gigawatt – und das entspräche einer ganzen Reihe von Atomkraftwerken. Um die Kraft des ein- und ausströmenden Wassers zu zähmen, müsste ein Staudamm gebaut werden (im Pic durch den roten Balken markiert, von Cardiff am Nordufer zu Weston-super-Mare am Südufer) (Klick vergrössert).

Richtig, wie an der Mündung des Rance beim französischen St. Malo. Und würde sich wie dort (Wie überall an Staudämmen) auch riesige Probleme mit einem dann völlig zerstörten Ökosystem des Marschlands einhandeln. Weswegen weite Teile der Öko-Gemeinde auch strikt gegen den Severn-Damm sind. Und richtig, bei sorgfältiger Planung könnte ein Teil des Mündungstrichters seinen ursprünglichen Charakter erhalten und Wattflächen aufweisen, die für die vielfältige Pflanzen- und Tierwelt zum Überleben ausreichen könnten. Aber das kostet extra, mehr als die bisher geplanten 15 Milliarden Pfund.

Kritiker des Projekts raten zu Meeresströmungskraftwerken, also im Wasser freistehenden, langsam drehenden Turbinen, die (ähnlich wie Windturbinen) vom hin- und herströmenden Wasser angetrieben werden. Diese Technik ist aber noch nicht serienreif und hat ihre eigenen Probleme, sie bietet ausserdem bei weitem nicht die Effizienz eines Staudamms.

Ein echtes Dilemma, das ausserdem noch, wie wir inzwischen aus einschlägigen britischen SciFi-Serien Fernsehdokumentationen wissen, durch den Zeitriss verschärft wird, der mitten durch Cardiff verläuft und immer neue Aliens ausspuckt (im Bild durch den Buchstaben “A”markiert). Also: Ich würde ja die Finger lassen, von diesem Staudamm am Severn. Aus beiden Gründen.

( via guardian, independent)

10 Kommentare

  1. Ich dachte immer gerade Gezeitenkraftwerke wären nicht so rabiat zur Umwelt wie künstlich gestautes, da ja nicht gestaut wird sondern der natürliche Durchfluss genutzt wird. Hmmm, habe ich wohl falsch gedacht und muss mich wohl genauer informieren.

  2. Problem wird wohl eher die Wartung des Systems sein. Neben der Frage von der Vereinbarkeit Turbine Meerestiere sind auch die eine oder andere Alge im Meer zu finden die die Turbinen verstopfen koennten.

  3. ich bin immer noch für die solarkraftwerke in der afrikanischen wüste.

    http://www.greenpeace.de/tip/themen/energie/nachrichten/artikel/400_milliarden_euro_fuer_wuestenstrom_kraftwerke/ansicht/bild/2/

  4. Jo, alles ganz schrecklich mal wieder. Aber mal im Ernst: Selbst wenn ich die kalte Kernfusion auf dem Küchentisch verwirklichen könnte, wäre doch sofort irgendein Spinner da, der darin das Ende der Welt sieht.

    Klar würden mit so einem Kraftwerk ein paar Wachtelkönige verschwinden. So what? Solange wir statt dessen Kohlekraftwerke in die Welt setzen müssen. Da schaut die Öko-bilanz doch um einiges schlechter aus.

    Solarstrom aus der afrikanischen Wüste. Gerne, her damit. Mit der einzigen Einschränkung, dass wir da gleich wieder die alten Kolonien aufbauen müssten.

    • das problem ist nicht, dass “ein paar wachtelkönige verschwinden”.

      was bei solch großen projekten nicht kalkuliert werden kann sind die ökologischen folgen für die gesamte region. die gesamte tier- und pflanzenwelt hat sich auf die dortigen lebensbedingungen eingestellt. wenn diese nun geändert werden (was sich bei einem solch großen eingriff nicht vermeiden lässt), werden sich nicht nur die fischer dort wundern …

      • Die Wachtelkönige natürlich nicht wörtlich nehmen, bitte. War nur eine Anspielung auf Horst Schrot.

        Es ist mir schon klar, dass so ein Projekt einiges an Umwälzungen zur Folge hat. Und dabei sind bestimmt die wenigsten Positiv. Bei den momentan bestehenden Alternativen kenn man zwar den Pferdefuß. Aber ist er dadurch automatisch kleiner?

      • atom und kohle lassen wir jetzt mal komplett außen vor. die sind als alternative nicht akzeptabel.

        daher, wenn es die wahl gibt:
        entweder eine ganze region (küstenbereich) komplett zu verändern, oder ein paar hekter mit solaranlagen vollzustellen, dann bin ich für die solartechnik.

        bemerkenswert finde ich, dass die 400 milliarden euro von der industrie kommen. ich weiß zwar nicht wie groß der teil der subventionen ist, aber lieber subventionen für saubere energie als für europäische agrarkonzerne … aber das ist ein anderes thema.

  5. Gezeitenkraftwerke können durchaus mit dem betroffenen Ökosystem vereinbar sein. Die Frage ist nur, wie hoch soll für den Betreiber die Stromausbeute sein. Hohe Ausbeute -> starke “Veränderung” des Ökosystems, geringe Ausbeute (relativ zur an der Stelle technisch maximal möglichen) -> geringere Beeinflussung des Ökosystems. Dass das Ökosystem beeinflusst und verändert werden wird, liegt aber in der Natur der Sache.

  6. Wüstenstrom. Ob im dann neuen Schatten Afrikas wohl eine Veränderung von Flora und Fauna eintritt. Da kondensiert es doch ordentlich drunter, unter so einem Solargerät in den Wüsten Afrikas. Ob der Boden dann fester wird? Dann wären die Wüstengezeiten zumindest nicht mehr so ärgerlich, weil die Anlagen nicht dauernd großflächig versanden.

    Nein, Spass bei Seite aber weiter zum Thema. Viele Regionen die auch heute keine besiedelten Gebiete betreffen, wären nicht geeignet. Andere sind geeignet. Aber bereits angeeignet, Eigentum also. Eigentum von Leuten, die entweder etwas abhaben wollen, oder nichts hergeben. Auch keine optimalen Bedingungen. Dann gibt es noch ein Haufen Gebiete dessen Repräsentanten sich ebenfalls nicht einig werden wollen.

    Und weil wir gerade von Leuten sprechen, dann gibt es ja auch noch “die”, und “sie” haben kein Interesse an Solarwüsten in Afrika, außer in ihrer Hand. In neuen Maßstäben, in neue Maßstäbe zu investieren, solange noch Unmengen Geld auf dem umittelbaren Weg verdient werden kann, ist genau genommen ja auch nicht unmittelbar wirtschaftlich. Sonst würde die Musikindustrie ihre Kunden ja auch nicht länger verklagen, sondern ihnen Taschengeld geben.

    Es fehlt also die einflussreiche und zwielichtige Organisation, die auch ein unmittelbares Interesse hat. Ganz klar, wenn ‘Google Africa’ mehr Internets hätte, dann sehe die Wüste schon anders aus. Aber so müssen wir uns also noch eine Weile gedulden, bis wir endlich getrocknete afrikanische Erdbeere als Fingerfood in 100 Variationen in jedem Supermarkt der Erde finden.

  7. Also ihr habt alle keine ahnung
    ihr seit so richtige spasten nur weil ihr wieder mal ned wollt dass die bissle meer ned umkrämpeln habt ihr was gegen die gezeitenkraftwerke ich find des richtig assi von euch. damit könnte man ganz schön viel strom erzeugen ! so viel wie ein paar atomkraftwerke, dann hätten wir diese mal los =D


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 962 Followern an