War on Internet: Leistungsschutzrecht und bezahlte Inhalte

Die neue schwarzgelbe Bundesregierung plant eifrig an einem Leistungsschutzrecht für Verlage. Der veröffentlichte Inhalt soll demnach in einer Weise geschützt werden, die über das Recht des eigentlichen Urhebers (der ja nie mit dem Verleger identisch ist) weit hinausgeht.

Wozu das? Damit die Verlage Geld von Google verlangen können, wenn die Suchmaschine in ihren Trefferlisten Überschriften von online-zweit-verwerteten Zeitungsartikeln zeigt. Diese staatliche Profitgarantie sollen aber nur eingetragene volkseigene Betriebe Pressehäuser geniessen. Dönerverkäufer, Seiltänzer oder Bl

ogger bleiben aussen vor. Die unmittelbare Konsequenz kann ich mir gut vorstellen: Mit Inkrafttreten des neuen deutschen Pressekommunismus sind die fraglichen Publikationen nicht mehr via Suchmaschine zu finden. Schliesslich lässt sich Google nicht von einem kleinen, faulen Land wie Deutschland auf der Nase herumtanzen, und auch die anderen Suchanbieter nicht. Statt dessen werden Google, Microsoft und Yahoo auf die oben erwähnten Semiprofessionellen verweisen, und deutsche Grossverlage in die Röhre gucken.

Als nächstes wollen die Pressereptilien dann sicher ein Gesetz, dass ihnen Google-Suchtreffer garantiert. Und das gegen Bezahlung.

Als übernächstes wollen sie dann die Suchtrefferreihenfolge bestimmen, und ihren Anteil an den Google-Einnahmen.

Und dann wollen sie Kaiser sein, dann Papst, und dann Gott. Fischlein, Fischlein in der See, wir wissen ja, dass der Hunger von Unternehmen mit ihrer Grösse zunimmt. Winziges Problem: Google ist, im Verhältnis zu den wohlgenährten Rotationsdruck-Königskarpfen aus der deutschen Verlagsseenplatte, eher sowas wie ein Killerwal von der Grösse Helgolands. Einer, der in allem sieben Weltmeeren gleichzeitig schwimmt.

Das klingt jetzt vielleicht gewagt, aber wenn es um Netzneutralität und gerechte, sozusagen demokratische, Internet-Geschäftsmodelle geht, vertraue ich Google mehr als der deutschen Bundesregierung. Und mehr als Burda und Bild sowieso.

( mehr zum thema: carta und print würgt) (pic m-louis cc)

9 Kommentare

  1. Stimmt, hört sich gewagt an, aber momentan stimm ich dir in der Hinsicht zu! ;)

  2. Sehr schöner Vergleich, da gibts doch glatt ein Paar Daumen hoch. Aber als Verlag und Regierung muss man ja nicht auf Stimmen aus Kreisen hören, die sich gerade mit diesem Metier gut auskennen, sondern nur den Verlagen nach der Pfeife tanzen. Sollen sie sich in den Tod tanzen.

  3. . . . und mehr als diesen kommentar vorbehaltlos unterschreiben kann man auch nicht!

    irgendwo in DE, 25.10.2009, @knallbonbon
    – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
    Unterschrift

  4. “Damit die Verlage Geld von Google verlangen können, wenn die Suchmaschine in ihren Trefferlisten Überschriften von online-zweit-verwerteten Zeitungsartikeln zeigt.”

    was für trottel
    wird also ein übelste click-run für die newseiten geben die immer nur auf ergebnisseite 2 zu finden waren

    *facepalm*

  5. Was brauchen wir Lobbyisten solange wir Politiker, wie diese haben!

  6. Ein paar Gedanken::
    Weiß nicht, wieviel “Hits” dieser Blog pro Tag hat. Andere “Privat-Blogs” haben zwischen 100 & 100000 oder sogar mehr Besucher PRO TAG! Wenn ich Texte veröffentliche, bekommen diese auch in unbekannteren Foren mehr als 1000 Leute zu Gesicht.
    Aber ist in dieser Gesellschaft nur das was Wert, was sich auch verkauft ? ! ? Jeder Journalist würde sich über 1000 Leser seiner Artikel/Bücher freuen. Wer schützt meine Leistung und all die Leistungen anderer – egal ob Künstler, Musiker oder “Privat-Blogger”? Diese werden natürlich vom CDU/FDP-Gesetzesvorhaben ausgeschlossen – ganz bewußt. Ein Schelm, der ….. (alte Spruch zieht nicht mehr).
    Nicht nur dieses Land braucht dringend Reformen – aber in die richtige (eine gerechte) Richtung.

  7. Social comments and analytics for this post…

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  8. Diese leute verstehen eh nicht was google ist, Das sehe ich am meinem vater auch schon ab einem gewissen alter versteht man google einfach nicht mehr und auch nicht seine größe und macht.

    Sobald sie mal merken wie groß und mächtig google ist werden die verläge udn so schnell von ihrem vorhaben absehen!

  9. . . . und 365 tagen nach TAG X des inkraftsetzens des informations-hoheits-gesetzes zum alleinigen nutzen und zum exklusivem schutz der altgedienten verlage gab es . . .

    . . . keine verlage mehr . . .

    . . . denn keiner konnte sie mehr finden . . .

    . . . auf GOOGLE . . .

    . . . jaaaaaaaaa wo laaaaaaaaaaufen sie denn . . . . . . . . . . .???

    ;-)


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