Frühstücken mit Google

Nach einem kurzen Spaziergang durch meine verschneite, aber sonnige (man kann zwar alles haben im Leben, aber eben nicht zur selben Zeit) Heimatstadt, eher um ein paar Strassencafe-Fotos von einem Subnotebook zu machen (Test demnächst auf 11tech und techfieber) und mein nur langsam aufwachendes Gehirn von der Nachtprogrammierung zu befreien, ist es Zeit (12:48) für ein Frühstück.

Ach ja, es hat manchmal doch Vorteile in einer selbstgewählten Provinzstadt zu wohnen, die nicht viel hervorgebracht hat als einen der grössten nationalen Dichter des letzten (20.) Jahrhunderts. Dann kann man zum gerade beginnenden Bert-Brecht-Festival eben mal die zentrale Partystrasse runterschlendern und ein Live-Set von Dan Le Sac und (vs.) Scroobious Pip erleben, die in schwer verständlichem, aber schwer beeindruckendem Midlander-Akzent über die Wahrheit, das Leben und das Universum rappen und analog-grooven.

Vor dem Frühstück (Kaffee ist schon fertig) ein Blick über den RSS-Feed der 010er, ja, Twitter: “violetblue dear newspapers: your industry is dying and it is your own goddamned fault.”

Ach, wie recht sie hat. Und wenn ich mal (ausnahmsweise) wissen will, was draussen in der Welt los ist? Google News. Warum? Weil Google einerseits besser, und andererseits weniger scheisse ist als die anderen (SPON/MSN, mal als Beispiel). Das Pic ist übrigens eine Montage aus “Beautiful Breakfast in a Sunday morning in Shanghai” (Cafe & Bar, 1415 Huashan Road) von Charles Chan (cc) und dem bekannten Google-Logo ™.

“Deutsche Universitäten sollen Imame ausbilden”, ein gutes Beispiel dafür, dass Qualitätsjournalismus eine Luftnummer ist. So ne Headline passt in ein Blog. Ein richtige Zeitung schreibt “Deutscher Wissenschaftsrat empfiehlt universitäre Imam-Ausbildung“. Sollen sie übrigens meinetwegen machen. Egal welche Glaubensrichtung. Besser als die Religionisten in die mutmasslich kriminelle Dunkelzone abzudrängen. So wie im Beispiel von “Canisius-Kolleg: Täglich neue Missbrauchsopfer – und Täter”. Katholische Priester ficken jahrzehntelang ihre Schüler. Zuwenig Transparenz, sag ich mal. Und: Berufsverbot für Fickpriester! Transparenz kommt derzeit aber erstaunlicherweise eher von kriminellen als von Staatsorganen (Das sieht jetzt auf den ersten Blick wie mehrfache Rekursivität aus. Hm). “Für 2,5 Millionen: Schäuble bekommt Daten von Steuersündern angeboten“. Na, da sind wir doch froh, dass es Cyberkriminelle gibt. Nein? Wir sind nicht froh? Herr Schäuble? Noch was in der Schublade? Einfach das Gegenteil zu behaupten hat ja richtig Konjunktur: “Blair verteidigt Irakkrieg vor Untersuchungsausschuss”. War ja auch nötig, ne Million Tote, was, Tony? Letztendlich geht ums Geld: “Waffen für Taiwan: Peking fordert Storno“. Klar. Es geht um die paar Millionen, die korrupte Politiker (Demokratieficker) von den Rüstungsfirmen abgezweigt kriegen.

Wenigstens blubbert der Dubstep mit artifiziell negativen Schwingungen aus dem Di-FM-Channel, sonst wäre diese halbe Stunde vor dem Aggregator ein Grund für schlechte Laune. Schluss mit Frühstücken. Ich geh vor die Tür. Bis später.

5 Kommentare

  1. Waaas? Scroob hat bei euch ein Konzert gegeben? Und man konnte einfach so vorbeischlendern?
    Mann, was würde ich dafür geben! :/
    Respekt an deine Stadt! Die beiden sind mit das Beste, was man zu einem Fest der Dichten überhaupt finden kann! Da scheint jemand mit der Zeit zu gehen und sich auszukennen! Respekt!

  2. Mann, ich liebe diesen Blog! :)

  3. du wirkst unzufrieden….

  4. [ So ne Headline passt in ein Blog ] nö, glabe ich nicht. denn ein beträchtliches mass der (alt)-blogger sind mittlerweile zu ziemlich respektablen “journalisten” geworden (wenn sie es denn (zB. im RL) nicht schon vorher waren). und ein gutteil der neueinsteiger (heißt ca. der letzten 2 bis 3 jahre) versucht ihrem bsp. zu folgen. teilweise immens hochqualitativ weiterentwickelt haben sich vor-allem (und im besonderen) sehr viele blogs aus den englischsprachigen lebenszonen, aber auch aus zB. spanien, portugal, den skandinavischen ländern und asien. nichtsdestoweniger will ich damit aber nicht unisono behaupten es gäbe trotz allem keinen riesen haufen scheiße in der bloggosphäre. er wird aber jahr für jahr zusehends kleiner währenddessen er im sog. “quäl-journalismus” – SORRY – (sollte nat. heißen) “qaul-itäts-journalismus” gleichzeitig immer höher wird!

    am rande mal eine kleine anregung:

    wie währe es mit einem

    “11kTEST”

    Blog????

    grüße – und – wünsche allen ein schönes wochende.

  5. [...] Frühstücken …mit Google [...]


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