Der “konservative” a.k.a (rechtgerichtete) US-Politiker David Bossie war bereits in mehrere Politskandale verwickelt und strebt deshalb eine Karriere als “Filmproduzent” an, um auf diesem Weg seine Botschaft an den (weissen, bildungsfernen) Mann zu bringen. In Kürze wird Bossies “Generation Zero” auf die Leinwand kommen, ein Streifen, der uns genau erklärt, wie es zum weltweiten Finanzcrash und seinen vielfachen negativen Folgen kommen konnte:
Der Narzissmus einer Generation, die Selbstverliebtheit von Woodstock und der drogenfreundlichen Hippiebewegung, verwandelte sich in die Yuppie-Kultur der 80er, mit hemmungslosem Finanzgebaren und halsbrecherischem Spekulationsrisiko. Das sind eine ganze Menge Behauptungen, und sie sind allesamt falsch.
Was die selbsternannte US-amerikanische “Tea Party” Bewegung (geschichtsklitternd nach der “Boston Tea Party” von 1773 benannt) da betreibt, ist präzise dasselbe wie im deutschen Nationalsozialismus: Der Traum eigener Grösse im sozialen Verlierermilieu wird in neiderfüllten Hass auf andere lebensbejahende, subjektiv erfolgreiche Teilmilieus umgewandelt. Die anderen sind Schuld am eigenen Musserfolg Misserfolg. Und müssten eigentlich dafür büssen, nicht wahr? Ja, richtig, es gibt quantitative Unterschiede zwischen den deutschen Nazis der Dreissiger und der heutigen US-Tea-Party: Bush und Cheney haben keine Massenvernichtungslager gebaut. Aber illegale Gefängnisse wie in Guantanamo, die nach exakt den selben Prinzipien von Menschenverachtung und Grausamkeit operieren wie Bergen-Belsen und Dachau. Ich denke nicht, dass die “Tea Party” irgendeine Chance auf Machtergreifung haben wird, dazu hat “America” einfach zuwenige Niederlagen einstecken müssen; der Minderwertigkeitskomplex des Absteigermilieus ist einfach nicht stark genug.
Inzwischen wird die alte, chauvinistische Ideologie von der urbanen Realität verdrängt: Nach Zahlen der letzten US-Volkszählung von 2008 gibt es in metropolitanen Regionen drei mal so viele schwarze Frauen mit höherem Schulabschluss als schwarze Männer. Das führt dazu, dass überproportional viele “black women” Single bleiben, oder sich einen Partner aus einer anderen Ethnizität suchen müssen. Rassendurchmischung als Folge des Bildungsgefälles zwischen den Geschlechtern. Das selbe zeichnet sich übrigens auch in Deutschland ab. Nur mit anderen beteiligten Migrationshintergründen.
Und die von den reaktionären Kräften sorgsam aufgebaute Mauer zwischen den Generationen (oder besser: “Lebensentwürfen”) bröckelt unter dem Ansturm der Digitalkultur. Jugendliche quer durch bestehende Schichten und Milieus teilen virtuelle Werte, fühlen sich eher der Horde oder Allianz zugehörig als einer ererbten sozialen Klasse. Erfolg ist im Informationszeitalter weit weniger materiell definiert als noch vor 20 Jahren. Und die Strukturkonservativen aller Länder bekommen immer weniger Nachwuchs. Wie auch, wenn der Zugang zu Information nicht mehr von der Medienindustrie kontrolliert werden kann.
Das Pew Research Center hat einen Test veröffentlicht, der die Zugehörigkeit zu den “Millennials” (Alter 18-29) feststellen soll. Die Ergebnisse (siehe Grafik) sind tatsächlich sehr stark altersbezogen. Nur: Der Test scheint etwas anderes als das Alter zu bestimmen. Mein Score ist 78. Und eurer?
generation zero: abcnews
cross-colour dating: washington post
millennial score: pewresearch
woodstock-pic oben: Derek Redmond and Paul Campbell, gnu
16 Kommentare
Kommentarfeed TrackBack-Indentifikations-URI


[ Your Millennial score is 94! ]
Musserfolg – Tippfehler oder Wortspiel?
Your Millennial score is 97!
Warum sollen nicht die Hippies schuld sein? Sind sie doch auch schon an den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche…
Übrigens: Millennial Score ist 23. Ich fühle mich plötzlich ganz furchtbar alt.
Erstmal: Man kriegt ein besseres BIld von dem Schwachsinn der diese “Tea Partys” darstellen, und wie das über die Neocons via ”FOX News” gesteuert wird, wenn man sich die Archive der Daily Show aus den USA anschaut:
http://www.thedailyshow.com/videos/?term=+Tea+Party
http://www.thedailyshow.com/videos/tag/Glenn+Beck (Sehr geil: „Progressivism!“ ^^)
Und nebenbei kann man sich noch köstlich amüsieren. :)
Jon Stewart ist zwar recht lustig, aber du merkst recht schnell auf was für einem dummen Niveau der argumentierst wenn du mal NICHT seiner Meinung bist.
Ich gucke die Sendung aber trotzdem gerne :)
Wie geil! (Oder eher traurig!)
Diesen Pseudo-Test erlaubt bei „political view“ nur drei Möglichkeiten: Conservative, Moderate, oder Liberal. Hallo? Wie kann man nur so eindimensional denken?
Your Millennial score is 38 – und ich bin mir nicht sicher, ob ich das bedauern oder stolz darauf sein soll. Bedauern, wenn mir das irgendwelche Gemeinsamkeiten mit vergangenen Generationen zurechnet; Stolz, wenn mir das jedwede Gemeinsamkeiten mit dieser abspricht (ich schätze, das Bedauern überwiegt dann doch). Im Übrigen ist dieser Test schon arg verallgemeinernd und willkürlich …
Abgesehen davon: Wann immer ich etwas über die Tea Party-Bewegung lese oder höre, bin ich augenblicklich richtig begeistert über das politische Bewusstsein von uns Europäern. Sicher, unsere Demokratie hat einen etwas anderen Hintergrund, aber ich bin schon ganz froh darüber, dass Deutschland nicht in den Sechzigern hängen geblieben ist …
Your Millennial score is 11
lol
Hab weil ich nur einen Online-Auftritt habe und nur ein Tattoo und keine Piercings und ich spiele keine Spiele (weder analog noch digital) und dann waren meine Eltern auch noch verheiratet, oweiowei, mein score ist nur 40.
Meine Güte ist das ein Schund! Reaktionärer Schwachsinn, allein schon die Fragen…
Your Millennial score is 86!
86….
Your Millennial score is 3!
52. Ich stecke also irgendwo in den 70ern. Passt, zumindest musikalisch, ein bisschen. Und Life on Mars war auch eine schöne Serie.
90
86.
und da warens schon 3