Kevin Kelly flog nach China, weil er (unter anderem) herausfinden wollte, was eine der lebendigsten Filmindustrien der Welt davon abhält, unterzugehen. Obwohl sie in einem Land produziert, das als Synonym für “Piraterie” oder ungehemmte Privatkopie bis hin zum Kleinkopiergewerbe gilt.
In China werden jährlich etwa 500 Filme veröffentlicht. In Indien (Bollywood) etwa 1000 pro Jahr, und in Nigeria (Nollywood) rund 2000 davon. Hollywood, das sich gerne für den (koksgefüllten) Nabel der Welt hält, produziert jährlich weniger als 800 Filme. Also wie geht das in den drei Schwellenländern, die ja gerne als Copyrightkatastrophe hingestellt werden? Kevin erklärt uns, was die Filmproduzenten in den beschriebenen Nationen richtig machen, und was Hollywood (und der Westen im allgemeinen) in Kürze ebenfalls machen muss, um nicht ohne Filme dazustehen:
1. Der Preis einer offiziellen Kopie ist nur knapp höher als der einer “inoffiziellen”. Das bedeutet: Angebot und Nachfrage haben den Preis geregelt.
2. Filme laufen in Kinos und TV, und fahren dadurch weiteres Geld ein.
3. Werbefinanzierte Filme, etwa im Internet, erschliessen eine weitere Umsatzquelle.
4. Die “inoffiziellen” Filmvertriebe sind gleichzeitig Produzenten von Avantgardefilmen, liefern also qualitativ hochwertiges und inhaltlich schwieriges Material.
5. Alle “kostenlosen” Kopien sind Werbung für die Kinoaufführung und andere Geschäftsmodelle.
China, Nigeria und Indien zeigen, dass eine Unterhaltungsindustrie blühen kann, obwohl jeder drauflos kopiert und die Billigkopien sogar verkauft. Was dabei vielleicht nicht mehr möglich ist: Filme, die in der Herstellung eine Milliarde kosten, und das Geld innerhalb von Monaten wieder einspielen sollen. Alles andere ist Panikmache. (kevinkelly)
5 Kommentare
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Jepp die enormen summen sind nicht mehr einspielbar, vorallem denke ich die schauspieler werden billiger die effekte nicht schlechter den ich kenne mehr die wegen effekten ins kino gehen als wegen den schauspielern, ein schauspieler ist auf einem tv genauso gut, aber bei effekten ist ein kino immer noch führend.
Das Showbiz hat Aufgrund seiner Struktur das Problem daß die populärsten Exemplare der unterschiedlichen Sparten (Schauspieler, Interpret, Regisseur, etc.) geradezu groteske Summen einstecken.
Wer hat jemals von einem Fließbandarbeiter gehört, der auf Grund einer 5% höheren Leistung das 50-fache verdient?
Wenn die Tom Cruises und Madonnas aufhören zu arbeiten, glaubt jemand ernsthaft daß die Qualität der Film- und Musikprodukte signifikant sinkt?
Im glaube eher im Gegenteil…
Eem, lern mal was eine Exponentialkurve ist. Stell dir das einfach wie die Geschwindigkeit vor. es gibt eine Obergrenze (Lichtgeschwindigkeit, oder beim Schauspiel die Perfektion), und es gibt einen Aufwand (Energieverbrauch, oder beim Schauspiel der Preis). 99.99999% der Lichtgeschwindigkeit braucht auch zehn mal so viel Energie wie nur 99,9999%. ;-)))
Sieht man z.B. an Terminator 3 bei dem Arni 30 Millionen Gage abgegriffen hat….Hätte man auch nen Schauspieler für 1 Million nehmen können.
Oder für 10000€ eher. ^^
Überleg mal. Als Ingenieur verdienste auch nicht mehr in der Zeit, oder? ;)