Dürfen Frauen Burqas tragen?

Um das unterhaltsamen Hot-Pants-Protestvideo weiter unten entwickelt sich grade eine Diskussion mit den üblichen Argumenten drin. Eins vorneweg: Das ist eine der fiestesten Diskussionen, die wir durch den Zusammenprall von Alt-Islam (der moderne ist anders..), christlicher Leitkultur (ein Heissluftbegriff, wird aber verwendet) und aufgeklärter Vernunft (also das, was hier in Europa vor circa 200 Jahren den christlichen Fundamentalismus abgelöst hat) auf den Teller kriegen.

Weil so ziemlich alles falsch ist, was die jeweiligen Standpunkte zementiert. Ich will versuchen, das Gestrüpp ein wenig aufzulockern: Ja, Frauen dürfen Burqa tragen, oder Niqab, Chador, Kopftuch, Baseballcap oder was sie sonst Lust haben. Und niemand darf es ihnen verbieten, schon gar nicht aus post-religiösem Gutmenschentum heraus.

Nur: Befehlen darf es ihnen auch niemand, weil in einem modernen Staatswesen keine gesetzliche Kleiderordnung bestehen kann. Na gut, nehmen wir als Kompromissgrundlage den Vorschlag des Propheten Mohammed, der in seiner Weisheit unter anderem in Sure 33, Vers 59 niederschrieb, Frauen sollten ein Gewand tragen, und zwar, damit sie nicht belästigt werden. Vernünftig. Der Prophet hatten einen Plan von den Schwächen der Männer. Unbekleidete Frauen im Alltag führen zielsicher zu Problemen. Wenn man auch die anderen beiden Suren nachliest, die sich peripher mit der Sache beschäftigen, erkennt man schnell, dass es kein Vermummungsgebot im Koran gibt.

Woher kommt dann der hohe Stoffverbrauch in der Frauenmode des islamischen heiligen Lands, also so rund um Mekka? Ganz klar: Das sind Sitten aus dem Mittelalter, noch dazu aus einem glühendheissen, staubtrockenen Land mit hohem Überlebens- und Fortpflanzungsdruck. Ganz anders als im sattgrünen Mitteleuropa, wo sich über weite Strecken jeder ausreichend ernährend konnte und üblicherweise Ehen immer nur aus zwei Leuten bestanden, so dass der Heiratsmarkt keiner künstlichen Verknappung ausgesetzt war.

Muss man deswegen das Mittelalter dulden, aus kulturellen oder religiösen Gründen? Ich finde: Nein. Das kann aber nicht zur Folge haben, dass man die vom mittelalterlichen Brauchtum Benachteiligten noch weiteren Problemen aussetzt, etwa indem man ihnen das Tragen traditioneller Kleidung verbietet und sie damit in eine nicht lösbare Problemsituation stösst. Wenn man dagegen das Mittelalter bekämpfen will, und die in der Aufklärung erkämpften Menschenrechte auch auf alt-islamische EinwandererInnen ausdehnen, dann muss man Alternativen schaffen. Etwa durch politischen Druck auf die derzeitigen Machthaber in Herkunftsstaat und -familie. Oder durch AussteigerInnen-Programme, die es den mutmasslich zwangsvermummten Frauen ermöglichen, ein Leben sowohl ohne Schleier als auch ohne nachfolgende Ermordung zu führen (Ihr seht, das Thema ist so diffizil, hier greife ich sogar auf das Binnen-i zurück).

Aber das wäre wiederum nicht im Sinne der selbsternannten Kulturleithammel der Güteklasse Sarkozy und Sarrazin. Die wollen nicht versöhnen, sondern spalten. Randgruppen definieren, auf welche man dann hinab schauen soll, und sich dadurch besser fühlen. Wenn wir also etwas verbieten wollen, dann bitte die Unterdrückung aus weltanschaulichen oder religiösen Gründen. Aber dafür krieg’ mal ne Mehrheit zusammen, in der parlamentarischen Demokratie und unserem real existierenden Pluralismus der Leitkulturen. Das wird schwierig.

Die 3 Pics zeigen übrigens Wafah Dufour, die Nichte von Osama bin Laden. Und ich bin überzeugt davon, dass die Abbildungen halal sind, und in keinster Weise haram, weil ja alle wichtigen Stellen dezent verhüllt bleiben. Die Fotos wurden 06 im GQ veröffentlicht, irgendwer dort bei Conde Nast hat also das Copyright. Salam.

 

12 Kommentare

  1. Wenn man “Unterdrückung aus weltanschaulichen oder religiösen Gründen” verbietet, dann könnte man evtl. Probleme haben, richtige Kriterien für das Aussteigerprogramm zu finden. Ansonsten kann auch die fremdgegangene Frau sagen, dass sie ziemlich viel Hass von ihrem Ehemann zu befürchten hat, wenn das rauskommt. Kann ja sein, dass er eher der aggressive Typ. Und er beruft sich dann nämlich auf die christliche Idee, dass die Ehe heilig ist.

    Wahrscheinlich gibt es mehrere Übersetzungen zum Koran, oder? Mohammed, der sicher nicht verbalinspiriert wurde (jetzt bitte steinigen), hat sicher was Bestimmtes vor Augen gehabt, als er über die Kleiderordnung geschrieben hat. Und da er vermutlich nicht der Liberalste war, nicht das Minimale.

    Aber das gleiche Problem gibts natürlich in der Bibel. Das alte Testament brutal, das neue Testament grundgütig: so einfach isses wohl nicht, wie man an der http://de.wikipedia.org/wiki/Tempelreinigung sieht. Fazit: Verhaltensmuster aus über Tausend Jahre alten Büchern abzuleiten ist nicht immer der beste Weg! ;)

    Aber das bring mal den Leuten bei…

  2. Mann, bin ich froh, dass ich mir den Artikel nach meinem Erstkommentar nicht mehr angeschaut hab. Ich möchte aber noch was wichtiges zu meinem Kommentar klarstellen:

    Nach meinem Rechtsverständnis darf jeder tun und lassen was er will. So lange es keinem anderen schadet. Und da „schadet“ nunmal immer relativ ist, ist die einzige mögliche faire „Strafe“, dass die beiden Parteien mit unterschiedlichen Ansichten ab da getrennte Wege gehen müssen. (Wenn einer das ignoriert, gilt nur noch das Recht des Stärkeren… das ja im Prinzip immer gilt. [Ja, auch und vor allem in sog. „Demokratien“ u.ä.])

    Folglich habe ich logischerweise (und weil es garnicht anders geht) meine eigene Weltsicht / meinen eigenen Wissensstand kundgetan. Die, dass Religion eine Form von Schizophrenie ist, was nach allem mir bekannten auch fest wissenschaftlich bestätigt ist. In meiner Welt, würde man deswegen so Menschen helfen, zu heilen. Oder wenn sie das nicht wollen, und sie einem schaden (ersteres alleine ist kein Problem), müsste man halt getrennte Wege gehen.

    Leider wird es bestimmt genug Kleingeister geben, die das gerne ignorieren, und so tun werden, als ob ich meine Ansicht auf die ganze Welt bezogen hätte. Weil sie selber so denken. Was ich abscheulich, und abscheulich primitiv finde. Aber ich hoffe, dass sie sich damit nur selber bloßstellen.

    Nochmal in kurz, in primitivo-Deutsch: Alta, wenn ’ne Frau Bock auf ’ne Burka hat, dann lass se! Aber wenn.de se dazu zwingst, schlagsch disch dem Fresse platt, walla Scheissendreck Alda! Und wenn de mir nochmal mit Gott-Scheissa kommst… sch’weiss wo dain Haus wohnt! ;))

  3. Ich will noch hinzufügen, dass du dich ab der Frau mit der Gitarre was verläufst. Ich hab das gemerkt, weil ich es im letzten Absatz des obigen Kommentars aus dramaturgischen Gründen auch getan hab, und sich das danach irgendwie falsch anfühlte.
    Also klären wir es auf:
    Das Bestrafen eines Anderen (oder auch nur Druck ausüben), ist genauso „jemand anderem schaden“, wie das schaden das der Andere in den eigenen Augen getan hat. Und darum keinen Deut besser.

    Meine Lösung ist deswegen immer noch die von da oben: Separation.
    Das heisst mit anderen Worten: Die Frauen da unten, die Burkas nicht cool finden, besuchen, und fragen, ob sie zu uns kommen möchten. Dann können wir ja sehen, wie lange die Unterdrücker Spaß haben, so ganz ohne Frauen. ^^
    Und: Ich habe gehört, wer so lange so verdeckt sein musste, wünscht sich nichts sehnlicher, als mal das komplette Gegenteil zu tun. ^^ Wenigstens vorübergehend. Und da bin ich als Mann natürlich sofort dafür. ;)
    Go girls!

  4. Mann, die Dame hat ein paar hübsche Füßchen. ^^
    Ich frage mich wieviele Araber da etwas sehr drauf fokussiert sind, wenn das das einzige ist, was sie zu sehen bekommen. ;)

  5. Also im Vergleich zu fanatischen Dogmen seh’n wir das doch ganz logga.
    Man beachte die Passanten im Hintergrund.
    Wenn wir diesen SchwarzUmhang hier erlauben, – sollte doch auch im Iran zB. auch sowas erlaubt sein?
    Islam ist doch angeblich die toleraneste Religion überhaupt.
    Ich fordere hiermit(UNO-Petion in Arbeit) NacktMoscheen für Frauen, erstmal hier.

    http://www.girls-nude-in-public.com/promo/11_08/09_11/pics/jennifertgp03.jpg

    Ok, sagenwir mal den Playboy im Iran herauszubringen ist noch unrealistisch.
    Ich meine so kommplet schwartverhängte Frauen, so als öh Akt…..aber maybe die Fanatiker dtehen ja gerade auf sowas ?
    ;-)

    • (> t-z-r natürlich)

  6. In Deutschland gilt aber doch immer noch das Vermummungsverbot das, unabhaengig von Religion, geschaffen wurde und einen wohl eher einen Ueberwachungsstaatlichen Hintergrund hat. Wie will man also das eine im Grundgesetzt stehende Gesetz mit dem Recht auf ‘Ich zeige nur meine Augen’ Kapuzen vereinbaren?

    • Vermummungsverbo? Nur bei Demos. Im Aldi isses nicht verboten.

  7. von mir aus dürfen frauen ruhig burqas tragen wenn sie denn wollen – mir wäre es aber ehrlich gesagt lieber sie würden stattdessen baguettes tragen. vornehmlich zu mir nach hause! belegt mit wahlweise schinken/steak/rostbeef/frikadellen/schnitzeln/bratwürstchen, käse (fast alle sorten) sowohl auch mit knackig-frischen zwiebeln, salaten, tomaten, paprikas etc.!
    ;-)

    • Full Ack!

  8. Naja finde schon das man mittelalter sitten verbieten sollte. Oder darf ich als katholik auch wieder rothaarige verbrennen, ich meine die HEXENVERBRENNUNG war ja auch nicht so schlecht :)

    Wenn sich ganze gruppen nicht anpassen wollen/können oder andere gründe haben, und darunter eine gewisse gruppe unter ihnen leiden muss, dann sollte man das schon rechtlich festmachen. Den wie du schön belegst es gibt keinen echten zwang dafür und keinen der wirklich verliert wenn es verboten ist.

  9. Wer es bequem findet – warum nicht? Und wer es nicht bequem findet? Der “muss” wohl!
    Vom Ursprung her jedoch Blödsinn: Warum sollte die Freiheit der potentiellen Opfer eingeschränkt werden, und nicht die der Täter? Und “oft” (Gerüchten zufolge) folgt dann die Vergewaltigung sowieso in der “Ehe”…


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