Lieber Freund

“Lieber Freund”, schreibt mir Suzan Tepola, die als Kreditmanagerin an der Standard Bank in Kamerun arbeitet.

Sie hat anscheinend auf mir unbekanntem Weg von meiner Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit erfahren und bittet mich daher um meine Mithilfe bei der Auflösung eines ansonsten verwaisten Kontos an ihrer Bank, welches von einem Deutschen namens Manfred Günther eröffnet worden war; er war mit seiner Familie bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Die bei der Standard Bank verwahrte Summe von 3.400.000 Euro könne nach Auskunft von Frau Tepola mit meiner Hilfe auf ein Konto in Deutschland transferiert werden; für meine Mitarbeit stünde mir ein Anteil von 35 %, mithin 1,19 Millionen Euro zu. Für weitere Informationen stellt sie ihre private Emailadresse zur Verfügung, zudem verweist sie durch einen eingebetteten Link auf eine BBC-Nachricht aus dem Jahr 2000, die von dem erwähnten Unglück berichtet.

Liebe Leser, ist das nicht eine grossartige Gelegenheit? Anders gesagt, ich halte 419-Scam für eine der grossen Literaturformen der digitalen Ära. Danke nach Kamerun. Oder Nigeria. Oder sonst wo hin. (pic)

3 Kommentare

  1. also das find ich jetzt merkwürdig. Wieso schreibt die das auch noch an dich? Hat doch schon an mich geschrieben gehabt.

  2. oah … tut gehabt haben … wie ich so ne sätze leiden kann …

  3. Unglaublich und traurig, dass die immer noch Dumm.. ähh.. Unwissende finden. Immerhin haben wir die ersten dieser Briefe vor einer Ewigkeit aus dem Thermopapierfax gezogen.


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