Fahrradhelme bringen Radfahrer um

Der (immer noch) amtierende Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) hat ein neues Ablenkungsmanöver gestartet und verwirrt die Republik mit laut vor sich hin gemurmelten Überlegungen, eine Helmpflicht für Fahrradfahrer einführen zu wollen.

Laut offizieller Statistik (PDF) kamen 2010 hierzulande 281 Radfahrer, 476 Fussgänger und 1840 Autofahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben. Die Universität von Bath in Englad veröffentlichte vor 5 Jahren eine Studie, wonach helmtragende Radfahrer öfter in Unfälle mit Autos verwickelt werden, weil die Autofahrer beim Überholen im statistischen Durchschnitt 8,5 cm weniger Abstand halten als bei Radfahrern ohne Helm. Internationale Vergleiche (Pic oben) zeigen, dass in Ländern mit mehr helmtragenden Radfahrern auch mehr Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen  getötet werden, und die Studien, die von 85% weniger Kopfverletzungen durch Fahrradhelme sprechen, halten einer wissenschaftlichen Nachprüfung nicht Stand (i.e. zuwenige Teilnehmer, etc).

Was passiert hier also gerade? Ich sehe das so: Die amtierende NeoCon-Regierung, deren Teil dieser Ramsauer ist, reagiert auf reale Verkehrsprobleme mit der Drohung, weitere einschränkende Gesetze zu erlassen. Es gibt tatsächlich keinen Beweis für die Sinnhaftigkeit von Fahrradhelmen – wer denkt, dass er mit einem solchen Helm sicherer wäre, soll gerne einen tragen. Um die Zahl verletzter und getöteter Farradfahrer zu senken, brauchen wir allerdings Baumassnahmen und Verkehrserziehung, also mehr Radwege, die auch nicht plötzlich auf einer Strasse enden, und eine öffentliche Aufklärung dahingehend, dass Autofahrer eine besondere Verantwortung gegenüber nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern haben.

Ich selbst benutze abwechselnd alle Verkehrsmittel und löse das Problem der für Radfahrer unsicheren Strassen dadurch, dass ich mit dem Rad maximal defensiv fahre, also grundsätzlich davon ausgehe, dass ich nie Vorfahrt habe, ausser es gibt Blickkontakt mit dem Autofahrer; und nachts sowieso nie Strassen, sondern nur Gehwege benutze. Aber das ist natürlich keine echte Lösung. Eine echte Lösung würde mit sich bringen, dass Autofahrer in ihrer “freien Entfaltung” eingeschränkt würden, weil sie dann nämlich mehr auf alle anderen achten müssten. Und solche Gesetze würde die NeoCons sicher Wählerstimmen kosten. Also lieber welche auf Kosten “grüner” Radfahrer, auch wenn dadurch mehr Leute sterben und nicht weniger. Aber so ist das mit der “Realpolitik”. Und das sollte sich ändern.

Btw: Die Überschrift ist provokant, aber das hier ist ja auch ein Blog und nicht die Tagesschau. pics: Polizeifotos

12 Kommentare

  1. Lol, leg mal die Grafik der Durchschnittsintelligenz über die obige Grafik, dann siehst du den wahren Grund für die vielen Unfälle. Mit Helmen hat das nix zu tun. ^^

    Sag ich ja schon immer: Umso mehr Schaumgummipuffer und Idiotensicherungen wir um uns packen, umso passiver und verblödeter werden wir.
    Hat was mit Effizienz zu tun: Alles was nicht nötig ist, wird eingespart und anderweitig verwendet. (Optimalerweise zu Verbesserung der Chancen in der natürlichen Selektion. Realistisch aber meist z.B. mit Illusionen hinterherlaufen die den Führern/Meinungsmachern dienen.)

    Ich kann sogar eine Vorraussage zu der Hypothese anbieten:
    Leute die eine Helm tragen, aber sich dessen entweder nicht bewusst sind, oder nicht glauben dass er irgendwas nützt, müssten eine noch kleinere Todesrate haben.

    Oh, und in den USA kommt noch ein weiterer Faktor dazu: Fahrradfahrer sind in den USA grundlos verhasst (Motto: „monkey see, monkey do“), und es ist nicht ungewöhnlich dass sie von Autofahrern verspottet, mit Dingen beworfen oder von der Straße gedrängt werden. So zumindest haben es mir Leute erzähl, die da gelebt haben.

    • Ich denke die erschreckenden amerikanischen Zahlen sind auch vor allem dem Typ des klassischen Automobiles geschuldet.

      SUV`s und Pickups sind halt bedeutend massiver und kopfunverträglicher als ein Kleinwagen.

    • Erstens solltest du weniger auf Hörensagen geben und zweitens willst du ernsthaft unterstellen, dass der Durchschnitts-IQ der Deutschen über den der Finnen liegt? Sehr gewagt…

  2. Übrigens find ich folgende Lösung ganz gut:
    Innenstadt (wo die Gassen zu schmal sind) → Fußgängerzone mit Fahrradwegen in beide Richtungen in der Mitte.
    Ausserhalb → Für Autos verbotene Fahrradwege zwischen Fußgängerstreifen (oder Graben) und Straße, die an Kreuzungen mit den Fußgängerampeln und nicht mit den Autoampeln eine Überfahrt ermöglichen. Vorzugsweise mit Leitplanke zwischen Straße und Fahrradweg.
    Die Fußgängerzone sollte dabei ausgeweitet und das öffentliche Netz verbessert werden. Nur noch Paket- und Umzugsdienste dürfen in die erweiterten Fußgängerzonen. Aber nur Schrittempo.
    Wenn das nicht geht, kommen überall Hubbel auf die Straßen, die Schrittempo erzwingen. Is aber keine echte Lösung.

    Parkplätze an Straßenrändern sind aber ein echtes Problem. Autosteuerbezahlte Parkhäuser wären wohl eine bessere Lösung.

    • “Fußgängerzone mit Fahrradwegen in beide Richtungen in der Mitte.”

      Und sicher Brücken und Unterführungen, damit die Fußgänger von einer Seite auf die andere können? In Fußgängerzonen sollen Fahrradfahrer gefälligst schieben!

    • Was ham wer DA schon in den einschlägigen Foren drüber diskutiert. Hundert Leute, hundertundeins Meinungen. Mir hat bezüglich Radwegen die Lösung mit dem Panzer am besten gefallen :) (hat Fritz hier irgendwo verlinkt, weiß net mehr genau wo, aber http://thedailywh.at/2011/08/02/this-looks-legit-of-the-day-5/ war der Link)

  3. Ziehe die Teile auch nicht an. Diese Spots mit den Melonen in den Helmen fand ich schon immer sehr realitätsnah [/ironie]

  4. Fahrradhelm nützt weniger bei Unfällen mit Autos.. aha.
    Was ist bei Eigenverschulden, Unfällen mit Fußgängern und Co?
    Fahrradhelme schützen mehr, als das Fahren ohne. Mag deine persönliche Überzeugung sein, dass es nicht nöchtig ist, aber ich hoffe die Leute kommen immer mehr auf den Gedanken, dass sie unbedingt benutzt werden sollten.
    Wobei.. ein Gurt im Auto verhindert ja auch, rechtzeitig aussteigen zu können, wenn das Auto mal brennen sollte…

    Wie ist es denn mit Statistiken und Zahlen für die Versorgung von verunglückten Fahrradfahrern mit und ohne Helm?

  5. wie wäre es denn wenn auch eine helmpflicht für autofahrer – inklusive beifahrern – eingeführt wird?

    schließlich werden die meisten toten in kraftfahrzeugen daher rühren das bei einem aufprall der kopf irgendwo aufschlägt oder durch die plötzliche ruckartige bewegung die halswirbel brechen.

    hier empfehle ich gleich noch die einführung einer cervicalstütze-pflicht.

    ach was, wenn schon gleich noch eine vollkörperpanzerung nach art des american football – auch für radfahrer und fussgänger.

    das müsste doch die todesraten und verletzungen auf mindestens die hälfte reduzieren.

    und weil wir gerade dabei sind wären kfz kotflügel mit vorderfront inklusive stoßdämpfern aus mindestens 50cm dickem gummierten schaumstoff auch nicht schlecht (das würde zudem das fahrzeuggewicht und zugleich den spritverbrauch senken).

  6. Das doch nichts neues. Gibts überall, auch beim auto ists so das jeder neue Elektronische helfer mindestens durch riskanteres fahren kompensiert wird, meistens passieren sogar noch mehr unfälle als vorher.

  7. Die Studie von Walker wird, genau wie die Thompson-Rivara-Studie, zurecht kritisiert, da er zu wenige Personen (nämlich nur sich selbst) untersucht hat. Ein Zusammenhang zwischen Helmtragen und Überholabstand kann angezweifelt werden.

    Wer über die Sinnhaftigkeit von Helmen nachdenken möchte, kann sich ja mal folgende Seiten durchlesen:

    http://www.adfc-bw.de/texte/helm/helm.htm

    http://www.wort-und-satz.de/radhelm.htm

  8. finde ich sehr witzig, kann mit diesem allg. Sicherheitswahn eh nichts anfangen, das Leben wird Risken mit sich bringen, und da hilft’s
    auch nichts bei Allem nach neuen Vorschriften und Gesetzen zu schreien.


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