Gema will Weihnachts- und Jahrmärkte abschaffen

Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Meinetwegen kann man alle diese Volksbelustigungen zumachen. Ich mag keinen Glühwein, keine Zuckerwatte, keine stumpf blickenden, alkoholisierten Menschen, und die dazu vorgetragene Musik mag ich am allerwenigsten. Nur: Wenn Leute das nachen wollen, sollen sie es tun können. Freies Land und so. Allerdings hat der Bundesgerichtshof (BGH) aktuell entschieden, dass die Gema wie immer Recht hat, und zwar bei allem, was sie sagt.

Im konkreten Fall dabei, dass die Schausteller der oben erwähnten Volksmärkte für jeden Quadratmeter des Festplatzes Gema-Schutzgeld bezahlen müssen. Auch und gerade für Songs die schon 200 Jahre alt und vollständig rechtefrei sind. Und so ein Platz kann schon mal ein paar tausend Quadratmeter haben. Folge: Solche Veranstaltungen demnächst ohne Beschallung, oder alles zu deutlich höheren Preisen. Das Geld geht wieder nicht an die lange zu Staub zerfallenen Urheber, sondern wird brüderlich zwischen Vivendi, Sony und Dieter Bohlen aufgeteilt. Was tun? Ich habe heute vormittag eine Mail an den Deutschen Schaustellerbund e.V. (DSB) in Berlin geschickt und genau erklärt was man tun muss, um nie wieder die Gema bezahlen zu müssen. Mal sehn, obs klappt. Den Text der Mail findet ihr unten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin als Journalist ständig mit dem Problem der rechtsbeugenden Monetarisierung unserer Kulturgüter durch Gesellschaften wie die GEMA konfrontiert; glücklicherweise zeichnen sich hier Lösungen ab. Im aktuellen Fall des BGH-Urteils [1] kann die GEMA-Zwangsabgabe dadurch umgangen werden, dass auf Creative-Commons-lizenzierte Musik zurückgegriffen wird, wie man sie zu sehr vernünftigen Konditionen auf Portalen wie Jamendo [2] erhalten kann. Der “Königsweg” aus der Misere wäre allerdings, die bereits sämtlich rechtefreien Weihnachts- und Jahrmarktslieder von einer nicht von der Gema vertretenen Musikgruppe neu produzieren zu lassen und wiederum unter Creative Commons [3] zu lizenzieren. Wenn vollständige Listen der Musikstücke mit Komponist und Lizenzform zu den selbstproduzierten Tonträgern vorliegen, ist auch die Gema machtlos.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung,
mit freundlichen Grüssen,

Fritz Effenberger

[1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Schausteller-befuerchten-Zusatzkosten-nach-BGH-Urteil-zu-Gema-Abgaben-1379063.html
[2] http://www.jamendo.com/de/
[3] http://de.creativecommons.org/

21 Kommentare

  1. Gibts von den Musikpiraten auch ein Heft mit Weihnachtsliedern?
    Dann können auf den Märkten ja ab und zu mal Chöre singen, ansonsten himmlische Ruh statt Dauerbeschallung.

    • Kann man dort runterladen. unter CC

    • Also ich fände die Idee mit echten Chören klasse. Kommt viel besser als qüäkende Lautsprecher mit Ballermann-Flair.

      Bin ich der einzige hier, der gutgemachte Weihnachtsmärkte mag? Ich mag gebrannte Nüsse und herzhafte Leckereien. Ich mag Glühwein. Ich mag schöne Dekoration und Hütten in gelbem Licht im Kontrast zu dickem Schnee. Und ich mag es, wenn Leute nett zueinander sind.

      Ruhe wirst du auf ’nem Weihnachtsmarkt aber nie haben. Denn wenn du schonmal auf einem nichtbeschallten warst: Das Geplapper der Leute ist so laut und so nervig, dass die Beschallung meiner Meinung den gleichen Zweck erfüllt wie in Luxushotel-Toiletten. ;) Nur wer „ohne“ kennt, weiss „mit“ zu schätzen. ^^

      Und so sehr ich auch kitschige Weihnachtslieder nich abkann, so komisch fände ich es, da jetzt hochmodernes Elektrozuckgebrazzel laufen zu lassen. So komisch wie Weihnachtslieder in der Disko. ;)

      Es sollte mal jemand moderne und coole Musik für die Weihnachtszeit komponieren. Etwas mit dem richtigen Feeling. So als Kontrast zur Café-del-Mar-Serie. Das wär doch mal was, oder?
      Wie wärs, Fritz? Interesse? ^^

      • P.S.: Mit „Kontrast“ meine ich „Wintergemütlichdrinnenmitschneedraussen-Äquivalent“.

    • Ich bin passionierter Chorsänger, sang zeitweise gleichzeitig in dreien. Aber auf Weihnachtsmärkten singe ich nie wieder!

  2. die “nicht von der Gema vertretenen Musikgruppe” muss dafür halt einen total-buyout-vertrag unterschreiben, richtig?

    • Wieso?

      • na wie stellst du dir den deal vor? die lieder werden einmalig neu aufgenommen und danach werde sie für immer auf den märkten für umme gespielt? (sprich: total buyout) oder werden die musiker jedesmal daran beteiligt? und wenn letzteres, wer verwaltet das, wenn nicht die gema?

        • Nee. Das liefe dann CC BY NC und der erwähnte Schaustellerverband müsste einen Pauschaldeal mit den Musikern abschliessen. Klar ist das so eine Art “Total Buyout”, aber die Gema macht nichts anderes.

          • ich bin ja auch für reformen, aber hier wird (mal wieder) so offensichtlich mit viertelswissen schnell auf die gema eingehauen –
            die gema macht definitiv keine total buyout verträge. sie rechnet jede einzelne aufführung / sendung ab und gibt es an die musiker weiter. das problem ist, dass oft die musiker selber gar nicht direkt bei der gema sind, sondern bei sony unterschrieben haben, einmalig was bekommen und sony streicht dafür dann die ganzen tantiemen ein. und du willst also, dass die schausteller es eben genauso wie sony machen? super.

        • na wie stellst du dir den deal vor? die wand wird einmalig neu gestrichen und danach werde sie für immer von den besuchern für umme angeschaut? (sprich: total buyout) oder werden die anstreicher jedesmal daran beteiligt? und wenn letzteres, wer verwaltet das, wenn nicht die geaa?

          FAIL!

          Es gibt keine „intellectual property“!!! Man kann Informationen nicht „besitzen“, „verkaufen“ oder „stehlen“!
          Musik machen ist eine Dienstleistung!
          Du erwartest doch auch nicht, dass der Anstreicher danach von jedem der die Wand zu sehen bekommt Geld bekommt oder?

          Wie wärs mal mit einem Realitäts-Check? Mal selber die Realität anschauen, statt den Mist den man hört zu glauben! Mann… echt ey!

  3. Wie war das nochmal mit der „Unschuldsvermutung“? Schuldig bis die Unschuld bewiesen wurde? Ist das jetzt der neue Trend 201x?

    Mein Vorschlag: Den Taliban klarmachen, warum die GEMA auf Korane gepisst haben während sie Wein mit Schweineblut tranken und die Talibanführer und Mohammed als „Sohn eines Schweinefickers und einer gottverdammten Hure“ bezeichneten. ;)
    Und dann der CIA erzählen, die Talibanführer hätten sich im GEMA-Gebäude verschanzt, und sie hätten doch so schöne Dronen. ^^

    • man, ich dachte, du belässt das jetzt bei diesem weihnachtsmarkt-ich-mag-dich-gebrabbel.. wo ist eigentlich unser knallbonbon? der hätte bestimmt auch nteressante ansichten ^^ sorry, aber ich mag ihn.

      • Knallbonbon hat Ansichten?? ^^

  4. Also ich mag Weihnachtsfeste und finde die eigentlich schon teuer genug und jetzt kommt auch noch das…ich bin sprachlos wie die GEMA uns das Leben versaut.

  5. Mirko, was du da behauptest ist nachweislich falsch. Ich geh mal davon aus dass du bezahlter Gema-Astroturfer bist. Und für alle anderen: Musiker kriegen von der Gema sowieso keinen Cent, sondern nur Komponisten und Verlage.

    • Vorallem hat mirko nichtmal verstanden worum es geht …

  6. ich habe mit dem verein wirklich nichts zu tun, aber man muss sich schon beide seiten anhören, das sagt die gema:
    http://blog.gema.de/blog/beitrag/keine-aenderungen-fuer-weihnachtsmaerkte/

      • [ Ungeachtet des Urteils aus Karlsruhe ist man sich beim Deutschen Schaustellerbund einig: „Wir werden weiter gegen Gebühren kämpfen, die unseren Berufsstand und damit auch die deutschen Volksfeste in ihrer Existenz gefährden“. ]

        genau hier liegt das problem begraben! es wird auf völlig falscher “front ” sinnlos und ressourcen-verschwendend gekämpft. statt mit dem geld anwälte und gerichtskosten zu bezahlen sollte man lieber einen GEMA-freien zB. “weihnachtsmarkt und volksfest verlag” gründen und sich mit anderen GEMA-freien verlagen kurzschließen, des-weiteren mit talentierten freien künstlern lose sowie variable verträge abschließen (die auf diesen ganzen festen auftreten und in freien tonstudios lieder einspielen) und mit GEMA-und-sonstwie-oder-was-freien CD/DVD presswerken zusammenarbeiten.

        das es geht und zudem/trotzdem ein für alle beteiligten gutes geschäft sein kann zeigen doch etliche verlage und künstler die in den bereichen “new-age-, mystik- und wellness music” (u.ä. stilerichtungen) tätig sind welche dieses modell schon seit mehr als anderthalb jahrzehnten praktizieren.

        im gegenzug werden dafür alle unfreien medien aus allen “weihnachtesmärktan und volksfesten” (und sonstigen veranstaltungen die unter diesem schaustellserverband(verbänden) stattfinden) verbannt. diejenigen schau- und verkaufsbuden die sich nicht daran beteiligen wollen können ja dann in eigene bezirke eines festgeländes abgegrenzt werden. sozusagen in GEMA-gebührenpflichtige-quadranten. dort können sie dann GEMA-gebührenpflichtige töne duddeln und waren verkaufen bis es ihnen selber aus den ohren quilt.

        würde dieser – im prinzip schon – ziemlich mächtige bundesweit operierende verband solcherlei durchziehen dann wäre das schon ein arg herber schlag gegen die GEMA anhängenden verlage und künstler.

        auf alle fälle wäre das geld welches auch zukünftig für absolut sinnfreie rechtsstreitigkeiten regelrecht verbrannt würde, hierdurch gut angelegt.

        das einzige was gegen die GEMA (und ähnliche abzocker-vereine) helfen wird ist ein adäquates machtgegengewicht zu schaffen. das kann aber wiederum nur dann erfoldreich gelingen wenn sich solche – in ihren spezifischen bereichen – mächtige verbände dem diktat absolut und total verweigern und dafür alternative freie kooperationen mit eigenem geschäftsmodell eingingen.

        hierdurch (durch eine kooperation aller freien verlage etc.) könnte auch (sagen wir mal) eine art “filterorganisation” finanziert werden die ständig überprüfte kataloge und listen bereithält (künstler, verlage, presswerke, vertriebe, radio- und videostreams etc.) um 100% sicherzustellen das kein GEMA (oder ähnlicher) müll verwendung findet.

        ja ich weiß, gibt es zwar schon, aber alles nur im teils klitzekleinem, meist total verstreuten und ziemlich zersplitterten. also wiederum nur so das sich fast keiner wirklich auskennt außer natürlich in den eigenen sehr begrenzten teilbereichen – und nicht einmal da wirklich ohne probleme wie man es jüngst bei dieser veranstaltung sehen konnte:

        Die GEMA kassiert für eine Veranstaltung, auf der einzig CC-Musik lief
        http://www.kraftfuttermischwerk.de/blogg/?p=30917

        geht es aber so weiter das jeder kleine freie veranstalteter/musiker/verlag/label für sich ganz alleine sein süppchen kochen will, na dann gratulation GEMA. einfach mal googlen: GEMA steigert umsatz bzw. GEMA erhöht gebühren etc. etc. etc – die haben dann auf lange sicht schon gewonnen. alles was sie tun müssen ist immer weiter klagen (oder verklagen lassen) mit dem erfolg das dem einzelnen kleinen entweder finaziell die luft ausgeht oder wahlweise sich faulen kompromissen unterwerfen muss.

  7. Wer GEMA-freie Musik sucht, wird auf jeden Fall bei Seiten wie http://www.absolutesongs.com fündig.


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