Das Geheimnis des PISA-Erfolgs

Im US-Magazin The Atlantic findet sich eine umfassende Analyse des PISA- oder Bildungs-Erfolgs einer kleinen, rohstoffarmen, nordeuropäischen Nation: Finnland.

Im Gegensatz zu den USA oder auch Deutschland spuckt dessen Schulsystem anscheinend ganz besonders kluge Schüler und Studenten aus, und das in statistisch grosser Zahl. Wie geht das? Es gab eine Bildungsreform in den 80ern, weil damals das bestehende System als unbrauchbar empfunden wurde.

Seitdem gibt es dort keine Privatschulen, keine Studiengebühren, keine standardisierten Prüfungen (sondern verantwortliche Lehrer und Schulleitungen), wenig Hausaufgaben und viel Anleitung zur Kreativität. Die Finnen haben nämlich erkannt, dass mangels Rohstoffen und Industrie das einzige Kapital des Landes Bildung ist. Nicht einzelne sollen maximal gut ausgebildet werden, sondern alle.

Hat prima funktioniert, den 5,4 Millionen Finnen geht es wirtschaftlich gut (die polarlichtinduzierte Depression ist eine andere Geschichte) und eigentlich könnten andere Länder (wie etwa die erwähnten, USA oder auch Deutschland) daraus lernen. Wenn sie nicht so ideologisch verkrustet wären. Das Märchen von der natürlichen Durchsetzungsfähigkeit der Leistungsstärkeren dient auf beiden Seiten des Atlantiks nur dazu, die unfairen Vorteile der wirtschaftlichen Elite zu verschleiern. Die Finnen haben das Spiel durchschaut und profitieren davon.

the atlantic, pic ezioman cc by

6 Kommentare

  1. Hierzulande ist ja die “Elite” dagegen. Kann ja nicht angehen das der Pöbel schlauer sein könnte.
    Und der Regierung ists auch rewcht weil sich ein “dummes” Volk besser lenken lässt.

  2. Sehr gut gesagt.

    Das einzige was noch Klärungsbedarf hat, ist das mit dem „Märchen“ der Leistungsfähigen. Es gibt immer Menschen die etwas besser können und andere, die etwas schlechter können. Und wenn die ersteren sich damit evolutionär durchsetzen, dann hat Mutter Natur gesprochen, und gesagt dass sie was besseres sind. Und wenn Mutter Natur das sagt, dann ist das so. Auch wenn man noch so sehr Neidhammel spielt, die Augen und Ohren verschliesst, und „lalalalalalaaaa“ ruft bis man ausstirbt.

    Natürlich hat das mit denen, die in Vorteile wie Geld und Kontakte reingeboren werden so überhaupt nix zu tun. Denn das sind ja keine Leistungsfähigeren, und schon garkeine „Elite“.

    Demnacht ist es kein Märchen. Es ist nur fehlassoziiert. Dafür können die besseren aber nix.

    Oh, und dass das Volk ein Haufen völlig passiver und komplett verblödeter ignoranter Vollidioten ist, kannst du gerne alle Jahre wieder an den Wahlergebnissen der alten Parteien vs. der Piratenpartei ablesen, oder in deinem Supermarkt um die Ecke am Volk erfragen.

    • P.S.: Aber vielleicht hast du ja mit dem Symbolwort „Durchsetzungsfähigkeit“ was anderes verstanden, als die natürliche Selektion, die ich mir „Mutter Natur“ bezeichnete.

    • Deine Evolutionstheorie, die du ungefähr einmal im Monat in irgendeinem Blogartikel postest, ist nicht allumfassend. Für „dumme“ Tier mag das zutreffen, aber wenn auch nur innerhalb einer Rasse. Du kannst es aber nicht auf Menschen mit Verstand anwenden. Die handeln nicht nur nach ihren Instinkten. Zum größten Teil indirekt wahrscheinlich schon aber nicht nur. Oder warum werden deiner Meinung nach Menschen, die körperlich eingeschränkt sind etc, nicht einfach ihrem Schicksal überlassen sondern versorgt? Weil die Helfer hoffen, dass ihr Tun beim anderen Geschlecht als besonders eindrucksvoll/weitevolutioniert erkannt wird und sich ihre Chance auf Erbinformationsstreuung erhöht oder weil sie vielleicht einfach keine Lust haben, Mutter-Natur an ihren Religionsgeist zu akzeptieren?

  3. Intelligenz hat ausgehend vom Mittelwert der diversen Studien, zu ca. 50% mit Genetik zu tun, der Rest ist das Umfeld. Es ist eine Schande, wieviele Kinder hier in Deutschland einfach absacken, weil nicht genug Geld ins Schulsystem gesteckt wird. Es gibt viele, viele Kinder, die sehr viel mehr können könnten.

  4. Das was bei uns Leistung genannt wird ist doch nur ein Fetischismus.
    Wer sollte denn bewerten, was für Konsequenzen aus Handlungen hervorgehen in 10, 30, 50 Jahren?
    Kreativ ist ja gerade das, was man noch nicht mit dem vergleichen kann, was bereits da ist sondern darüber hinaus geht. Dann ist es ziemlich beknackt alles an dem bereits dagewesenen messen zu wollen…
    Wenn also heute von einer PISA-Studie behauptet wird, die Jugend in Deutschland sei dumm, dann spricht das für diese Jugend, weil sie sich gegen die dummen Anforderungen eines deutschen Bildungssystems, dass doch nur Dummheit, Gleichheit, Konformität produzieren will wehrt. Indem sie es zum untergehen verdammt – langfristig.
    Kurzfristig wird man versuchen die Statistik zu frisieren ;)

    Aber mal ernsthaft, es bleibt einem wohl außerdem dem alltäglichen lernen nichts übrig und wenn das derzeit pervertiert wird, indem man jeden Tag lernt möglichst blöd zu sein, dann spricht das eher fürs Lernpotential als dagegen :p


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