Die neue Super-Erde in der galaktischen Nachbarschaft: Gliese 667Cc

Jetzt ist die Aufregung gross: In direkter Nachbarschaft, galaktisch gesehen (gerade mal 22 Lichtjahre weg), haben Astronomen der Universität Göttingen und der Carnegie Institution for Science eine neue Super-Erde entdeckt. Moment:

Was ist daran super? Nichts, das Ding ist nur grösser (=super) als die alte Erde. Etwa 4,5 mal so schwer, aber was das für die Schwerkraft auf der Oberfläche bedeutet, wissen wir nicht, weil wir weder Dichte noch Durchmesser kennen. Wenn das Ding also sehr “undicht”, oder eben leicht ist, kommt ein grosser Durchmesser raus, und damit eine geringe Gravitation auf der Oberfläche. Nebenbei: Gliese 667 ist ein Dreifachsternsystem im Sternbild Scorpion; das Astromärchen von den garantiert planetenlosen Mehrfachsternsystemen ist schon lange vom Tisch. Und heisst “Gliese”, weil Wilhelm Gliese damals im Weltall herumkartografiert hat.

Der hier von der “Super-Erde” in nur 28,15 Tagen umkreiste Zwergstern vom Typ M strahlt viel weniger intensiv als etwa unsere Sonne, deswegen ist der betrachtete Planet auch noch nicht verdampft, sondern befindet sich in der bewohnbaren Zone: Die Oberflächentemperatur müsste im Bereich flüssigen Wassers liegen. Immerhin.

Ansonsten hat so ein kurzes Umlauf-Jahr auch seine Nachteile: Man kann dort, lasst mich nachrechnen, seinen Führerschein erst in einem Alter von 234 Jahren (Umläufen) machen.

Und überhaupt, was heisst hier Nachbarschaft? Wenn ich mir das Planetending mal ansehn will und zu diesem Zweck die Hondaschaluppe entere, das Gaspedal zum Bodenblech bringe und in Richtung Skorpion abdüse, mit atemberaubenden 180 km/h, bin ich in, hm, 132 Millionen Jahren dort. Klingt nicht gut. Was, wenn ich mir aus dem Museum so eine Apollokapsel ausleihe? Die hat es immerhin schon bis auf 39.885 Stundenkilometer gebracht. Dann dauert das nur noch circa 595.694 Jahre. Ok. Aber, hey, wenn wir statt dessen das schnellste Raumfahrzeug nehmen, das je von Menschenhand gebaut wurde? Die Helios 2 Solarsonde. Natürlich Made in Germany, im Deutschen Museum in München steht noch ein Reserveexemplar, das kann man sicher mal haben. 241.350 km/h schaffte das Ding auf seinem Flug zur Sonne. Dann dauerts noch… 98.450 Jahre. Nee. Das mit dem Besichtigen wird so schnell nichts. Ist vielleicht auch besser so. Wie sagt der Volksmund so schön? 667 – the neighbour of the beast.

uni-goettingen


12 Kommentare

  1. Naja, dar Problem ist: Mehrsternensysteme leben nicht lange, und deren Planeten noch weniger lange, weil die Dynamik so chaotisch ist, dass es nie lange dauert, bis alles auseinanderfliegt. Ich hab hunderte so Simulationen gefahren, und… nunja… wenn man sich die Bewegungen anschaut ist es ein Wunder dass da überhaupt mal was ’ne Zeit lang beieinander bleibt.

    Aber bei der Menge an Sternen im Universum ist wirklich nichts unmöglich. :)

  2. Übrigens: Ist das mit Gliese nicht schon ewig alt? Ich meine ich lese schon seit Wochen „troll physics“-Comics wo das Ding erwähnt wird. Oder war das ein andere Planet im selben System?

  3. 28 Tage passt doch schön in unsere Vorstellung vom „Monat“.

    Sowieso: Wieso feiern wir eigentlich jedes Jahr? Und nicht z.B. zur gleichen Uhrzeit jeden Tag? Oder Brüche wie ⅓ Jahrhundert. Oder ½ Durchschnittslebenserwartung? Wär doch mal interessanter…

  4. Wie wärs denn mit einer atombombengetriebenen Projekt-Orion-Rakete? Mit der wärst du in 667 Jahren da (mit 3,3% von c) wenn die Menschen überleben sollen, und in 220 Jahren (mit 10% von c) wenn das egal ist. ;)

    Solltest du zufällig auf Antimaterie stoßen, lässt sich die Zeit sogar auf 44 Jahre (mit 50% von c) bis 44 Jahre (mit 80% von c) verkürzen. Allerdings ohne Garantie dafür, nicht als Pfannkuchen am Kapselboden zu enden. ;)

    • Ups, die zweiten „44 Jahre“ sollten „27,5 Jahre“ heissen.
      Das dürftest du also noch selber erleben. … Naja, so sehr ein Pfannkuchen noch „erleben“ kann. ;)

  5. Was mich bei so Berichten immer so enttäuscht zurücklässt, dass Angaben in Lichtjahren nicht wirklich vorstellbare Längenangaben sind. Eine Grafik der Sonnensystem inkl. Milchstraße und wie sie alle heißen, dazu in Relation gesetzt, würde mir eher den Überblick geben was die Entfernung angeht. Das könnte ja sonst überall sein…da oben.

  6. ist schon wieder sommerloch oder ist sonst nichts wichtigeres los auf unserem planeten???

    das ist doch mittlerweile ein fast schon uralter hut bzw. die logische und lineare konsequenz von forschung, entdeckung, erkenntnis, verfeinerung der theoretischen sowie technischen instrumente und weitergehender forschung:

    man beachte besonders das datum dieses artikels und das dazu illustrierende bild (Ein Exoplanet im System Gliese 667 (künstlerische Darstellung):

    [ ASTROnews | 20.10.2009

    Ferne Welten
    32 neue Exoplaneten auf einen Streich

    Auf einer Konferenz über extrasolare Planeten in Porto, Portugal, wurde die Entdeckung einer ganzen Schar neuer Exoplaneten bekannt gegeben. Unter den 32 mit dem Spektrografen HARPS am 3,6-Meter-Teleskop der Europäischen Südsternwarte ESO auf La Silla gefundenen Exoplaneten befinden sich mehrere Super-Erden und Riesenplaneten. Insgesamt erhöht sich dadurch die Zahl bekannter Exoplaneten auf 403. Damit kennt man nun 341 extrasolare Planetensysteme. Darunter befinden sich 42 Mehrfachsysteme, in denen mehrere Planeten denselben Zentralstern umrunden.

    Der "High Accuracy Radial Velocity Planet Searcher Spektrograph", kurz HARPS, wurde 2003 fertig gestellt und am 3,6-Meter-Teleskop auf dem Berg La Silla in Chile installiert. Gebaut wurde er von einem Konsortium unter der Leitung von Michel Mayor.

    Letzterer entdeckte im Jahr 1995 gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Didier Queloz den ersten extrasolaren Planeten um einen sonnenähnlichen Stern. Für den Bau des Instruments wurden dem Konsortium 100 Beobachtungsnächte pro Jahr für die Dauer von fünf Jahren zugesprochen.

    Dadurch konnten wiederholt die Radialgeschwindigkeiten hunderter Sterne systematisch gemessen werden, um potenzielle Planetensysteme aufzuspüren. Bei der Vorauswahl der beobachteten Kandidaten gingen die Astronomen sehr sorgfältig vor. - - -

    . . . .

    - - - HARPS konnte bislang insgesamt mehr als 75 der rund 400 derzeit bekannten Exoplaneten nachweisen, die 30 verschiedene Sterne umkreisen. Darunter befinden sich inzwischen auch mehrere so genannte Super-Erden und neptunartige Planeten.

    Insgesamt sind bislang nur 28 Planeten bekannt, deren Masse unter dem 20-Fachen der Erdmasse liegt. Die meisten von ihnen, 24, wurden mit HARPS entdeckt. Diese "Leichtgewichte" treten in Mehrfachsystemen mit typischerweise fünf Planeten auf.

    Die Zahl bekannter extrasolarer Planeten um massearme Sterne, den so genannten M-Zwergen, nahm mit der Beoachtungskampagne ebenfalls drastisch zu.

    Die Sammlung bekannter Super-Erden und Riesenplaneten wird also ständig erweitert. Die Anzahl und Vielfalt der detektierten Planeten enthält wichtige Hinweise zur Entstehung von Planetensystemen in unserem Universum.]

    dieser (vollständige) und viele weitere artikel zum thema exoplaneten usw. unter:

    http://www.sterne-und-weltraum.de/alias/ferne-welten/32-neue-exoplaneten-auf-einen-streich/1011594


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