US-Wissenschaftler enthüllen Wahrheit über Filesharing

Die Wirtschafts­wissenschaftler Brett Danaher vom Bostoner Wellesley College und Joel Waldfogel von der University of Minnesota haben ein Forschungs­papier zum “Einfluss von Online-Film-Piraterie auf die inter­nationalen Kinoumsätze” veröffentlicht. Fazit: Filesharing hat keinen Einfluss auf Kinobesuche in den USA und verringert die Umsätze ausserhalb der USA um bis zu 7 %, aber nur wenn, der Film dort signifikant später veröffentlicht wird als im Ursprungsland. Wird ein Film zeitgleich in der ganzen Welt kommerziell verfügbar, dann sinkt der nachweisbare negative Einfluss von Filesharing auf den Kinokartenverkauf wieder auf Null. Jetzt frage ich:

Ist daran irgendetwas nicht zu verstehen? Ich frage weiter: Wo sind die angeblichen Beweise für eine Umsatzschädigung durch P2P, abgesehen von letztlich irrelevanten Schätzungen durch Mitarbeiter der Unterhaltungsindustrien? Warum also sollen Privatkopie und private Weitergabe kriminalisiert werden, wozu brauchen wir dann eine Filesharing-Vorratsdatenspeicherung, Websperren nach chinesischem Vorbild, oder eine nicht-rechts-staatliche Beweislastumkehr bei P2P-Vorwürfen? Ich kann diese Fragen beantworten:

Das Problem mit P2P ist nicht, dass es irgendwelche Verkäufe oder Umsätze vermindern würde, das Gegenteil ist ja mehrfach bewiesen worden, sondern dass es sich dabei um ein dezentrales Informations­medium handelt:

Konsumenten können aus der P2P-Sphäre frei herunterladen und dann selbst entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgeben möchten. Sie sind für ihre Meinungsbildung dann nicht mehr auf die Presse und andere Medien angewiesen. Die Medien kann man kaufen, die Gesamtheit aller Internetnutzer der Welt dagegen nicht. Durch P2P verlieren Contentanbieter keine Gewinne, sondern nur die Kontrolle über das Marketing. Noch einfacher gesagt:

Um den Missbrauch der “freien” Medien als Instrument eines Warenangebotskartells fortsetzen zu können, benötigen die Contentkonzerne zusätzlich einen Missbrauch des Rechtssystems, durch welchen Privatkopie und private Weitergabe von Kultur und Wissen kriminalisiert werden. Gelingt das nicht, dann fällt auch das Distributionskartell der Content-Multis, und die traumhaften Profitmargen in diesem Sektor gehören der Vergangenheit an.

Für Konsumenten und Kreative wäre genau dieses Ende des Distributionskartells allerdings ein Segen – heute erhält ein Autor, Musiker, Kulturschaffender durchschnittlich 5 Prozent vom Endverkaufspreis. Ohne das Kartell läge der Strassenpreis dann eben bei einem Zwanzigstel des heutigen, oder bei einem Zehntel, wobei dann Kreative eben doppelt so viele Einkünfte hätten wie heute. Ein utopisches Paradies? Alles, was wir erreichen müssen, um genau das zu bekommen, ist, den Griff der Contentlobby nach den Regierungen zu verhindern, durch Transparenz die Korruption in höchsten Ämtern zu verringern und damit das künstlich und gegen den Willen des Volkes geschaffene Monopol soweit zu schwächen, dass es von selber zusammenbricht. Zum Vorteil von uns allen. Pardon: Zum Vorteil der 99 %.

Reel Piracy: The Effect of Online Film Piracy on International Box Office Sales, via boingboing

pics satirewire

18 Kommentare

  1. [...] fritz, via [...]

  2. Die Medien kann man kaufen, die Gesamtheit aller Internetnutzer der Welt dagegen nicht.

    Ganz genau. Und deswegen sage ich ja auch immer: Nur wenn unsere Staatsform ebenfalls dezentral ist, können wir dem Manipulieren der Demokratie (alias „Lobbyismus“) entgehen.

  3. Nee, es ist wirklich zum Vorteil von 100%! Vorausgesetzt die 1% wissen richtig damit umzugehen. Marketingdiestleistungen kann jeder Gewerbetreibende immer gebrauchen. Zentrale Distributionsdienste (wie iTunes oder The Pirate Bay) auch.
    Wenn sie darauf umsteigen, und die Information frei fliesst, verbessert sich unser aller Leben, und auch deren Leben, drastisch.
    Denn Geld macht nicht glücklich. Ein besseres Leben schon.

  4. Im Prinzip korrekt. Nur was mit der Contentindustrie uU ebenfalls mit wegfällt ist die finanzierung von Musik junger Newbies. Das produzieren eines ordentlichen Studioalbums ist nicht grad billig.
    Mitunter sind das Summen die “kleine” Talente nicht aufbringen können. Diese Nachwuchsförderung muss also auch gesichert oder umgelegt werden.

    Wegen meiner könnte die Raubkopier-abgabe auf CD-Rohlinge (zB) dazu verwendet werden.

    • Lass dich bitte nicht von den Märchen der Contentmafia täuschen. Die investieren keinen Cent in junge Künstler, und Recording war noch nie so billig wie heute. Du brauchst ein Notebook und ein Mikrofon und los gehts. Auch hier hat die digitale Revolution aufgeräumt.

      • Na ok, die pushen vermutlich eh nur noch die Top-Ten-Eintagsfliegen.
        Schnelle Kohle allen Ortens.

        Dennoch sollte man die Nachwuchsförderung nicht aus den Augen verlieren :)

        • die großen haben doch noch nie irgendjemanden “gefördert”!

          denn schon immer wurden diese ganzen “geförderten” und dannach nicht so sehr erfolgreichen oder erfolglosen künstler mit den angehäuften kosten als schulden alleine sitzen gelassen. die konnten und können dann weiter schauen wie sie diese schulden abtragen.

          ich habe (bei meiner tätigikeit in einer multimediafirma und künstler-agentur/vermittlung/veranstalter in münchen) schon genügend künstler (auch ehemalige) kennengelernt die zT. ein jahrzehnt und weit mehr brauchten solcherlei schulden abzutragen.

          das ist alles nur ein märchen der industrie und großfirmen das sie dafür aufkommen würden. für viele künstler bleibt sogar nur der totale absturz ins absolute elend oder der strick um aus dieser schuldenfalle wieder herauszukommen.

          aber propaganda und legenden-bildung hat schon immer gewirkt in der breiten öffentlichkeit.

          obwohl ich nicht behaupten will das es niemals oder überhaupt gar keine ehrlichen labels gegeben hat (gibt) die nicht ihre eigentlich ureigenen risiken – nämlich den aufbau eines künstlers bis zur “marktreife” – auf die künstler abgewälzt haben. diese waren aber allesamt nur in der independent-szene zu finden. eine solche szene (bis auf ganz wenige ausnahmen) gibt es heute in der form (von damals) gar nicht mehr. denn heute sind sind so gut wie alle labels – selbst wenn sie als völlig unabhängig in erscheinung treten – irgendwie um 5 bis 10 ecken mit den großen der contentmafia verwoben.

          alles nur illusion. alles nur mehr lug und trug.

          • Guten Morgen,

            wir sollen die Macht der Piraterie auch in positiver Richtung nicht vergessen. Gerade MS hat mit dieser Methode einen Weltkonzern aufgebaut und die anderen Unternehmen, die sich so sehr schützten, sind baden gegangen.

  5. @ Gördi mag sein das junge Künstler längertouren müssen und auch noch nen beruferleben neben der musik bis sie studioalben finanzieren können. Aber ist das wirklich schlecht? Live spiele macht musik aus, und die Platten sollten eh nur Werbung sein.

    Auf das hier gezeigte läuft es doch sowieso hinaus frage bleibt doch immer nur wie lange können die diese großen medien firmen mit lobbys usw überwasser halten.

    Aber wenn man sieht wie viele bereit sind zu investieren wenn die idee gut ist oder man etwas an sich mag dann sollte man sich keine sorgen machen das irgendetwas nicht geschehen wird nur weil man die großen stürzt.

  6. Reblogged this on JDs Blog and commented:
    Ja, Amen. Kann ich so unterschreiben. plus 1, Like, usw.

  7. nur mal ein aktuelles bspl.:

    seit ca. 2 wochen bin ich im netz unterwegs gewesen um zwei alte cartoon bzw. normal serien aufzutreiben die es weltweit definitiv auf keinem datenträger je gab oder gibt und höchstwahrsheinlich auch nie geben wird. zudem wurden beide serien, nach meinen doch recht intensiven recherchen, seit fast 2 bzw. 3 jahrzehnten nirgends mehr auf der welt ausgestrahlt (dementsprechend konnte sie auch keiner mitschneiden und ins web stellen). im laufe der nachforschungen habe ich aber herausbekommen das es beide serien mittlerweile auf “amazon instant vedeo” bzw. “itunes” zum download gibt für pro folge $1.99 (einzeln) / für 1.62 bzw. 1.59 (im paket).

    lustigerweise sogar seit fast schon 1,5 jahre – was man aber so gut wie nirgends erfahren kann außer man sucht die titel geziehlt auf den jeweiligen plattformen selbst oder eben wie es bei mir der fall war das man über umwegen irgendwo in einem forum o.ä. aus versehen darüber stolpert.

    HURRA!!! (riesig gefreut), dachte ich mir – endlich gefunden – OK!!! dachte ich mir weiter, belaste ich halt mal schnell meine kreditkarte und hole mir das ganze im paket gleich mal genauso schnell in einem rutsch zum download auf die heimische platte. flugs erst bei amazon dann bei itunes angemeldet und . . .

    . . . was soll ich sagen: PUSTEKUCHEN³³³ – NIX GIBTS!!!

    WAS SOLL DAS????

    obwohl ich bereit wäre dafür zu bezahlen – jeder kann es sich selber ausrechnen wie viel es mir persönlich, bei 24 folgen für die eine und 114 folgen für die andere serie – wert “gewesen” wäre diese titel käuflich und legal erwerben zu können/dürfen, so wird mir auf allen “legalen plattformen” genau dieser “legale erwerb” mit der begründung VERWEHRT/VERBAUT das ich diese titel nicht von einer adresse außerhalb der USA bezahlen und/oder downloaden darf.

    WIE BITTE???

    natürlich habe ich mir daraufhin andere “quellen” gesucht und auch gefunden mit dem ergebnis das ich jetzt beide serien vollständig und in bester quali habe für komplett kostenlos.

    was soll man denn sonst machen wenn SIE SICH vor lauter INKOMPETENZ, ARROGANZ und schlichtester sowie verdrehtester BWL BLÖDHEIT (eine überaus gefährliche mischung wie man sie gerade verstärkt in den letzten 10-15 jahren allen ortens in wirtschaft und politik “bewundern” darf) nicht mal freiwillig bezahlen lassen – sich quasi letzten-endes sogar mit HÄNDEN & FÜSSEN dagegen wehren?

    eben! kreuzweise mal am arsch lecken können SIE mich!

    denn dümmer gehts ja fast nümmer, oder?

    und die ganz genau gleiche korrupte MISCHPOKE will der menschheit dann einen stiefel davon erzählen von wegen LEGALEN ANGEBOTEN, LEGALEM ERWERB, “gestigem eigentum”, am hungertuch nagenden künstlern sowie darbenden produzenten und firmen usw. usf.!!!!!!!!

    JA WIE DENN BITTESCHÖN wenn SIE einen erst gar nicht bezahlen lassen wollen???????????????????

  8. Sehr,sehr schön geschrieben,sehr informativ und wieder mal sieht man was alles falsch läuft…

  9. Die große Böse Industrie. Buhu. Ganz ernsthaft es wird langsam lächerlich, was so alles ausgepackt wird um illegale Downloads zu rechtfertigen. Menschen die mit Halbwissen hantieren um sich zurechtfertigen. Weder hat hier jemand eine Ahnung welche Kosten entstehen um ein Album zu produzieren, damit es halbwegs hörbar ist. Noch hat hier jemand eine Ahnung wieviel Energie es kostet um Aufmerksamkeit für die Musik eines Künstlers zu gewinnen. Und wie unfähig die meisten Künstler bezüglich Selbstvermarktung sind. Achso am Ende ist es doch alles nur Promo für die Konzerte, die viele Künstler nicht spielen oder die man doch nicht mehr besucht, weil die Konzertkarten zu teuer sind.
    Das große Problem ist, das die meisten Künstler keine Lady Gagas sind oder irgendwelche Ami Rapper, sondern relativ kleine Künstler ohne Werbeverträge und ausgiebige Stadtiontouren. Die auf ihre Verkäufe angewiesen sind. Wenn du ihre Musik nicht kaufst, holst du ihnen das Täglichbrot vom Teller. Genauso wie die ganzen kleinen Labels, die bestimmt nicht böse sind, sondern meistens von echten Musikliebhabern geleitet werden.

  10. Mich stört bei der ganzen Diskussion, dass hier immer nur die Filmindustrie angesprochen wird. Raubkopieren war und ist zunächst ein Problem der Softwareindustrie und da frage ich mich wie schon, wie das in den Griff bekommen will:

    “Fazit: Filesharing hat keinen Einfluss auf Kinobesuche in den USA” aber sehrwohl auf den Verkauf von Software

  11. Filesharing gab es ja sogar schon vor dem digitalen Zeitalter. Man musste damals nur kreativer sein. Heute wird es einem leichter gemacht, wenn man will. Von daher ist der Einfluss von P2P gleich geblieben und es kann kein wirklicher Vergleich gemacht werden. Aber eine interessante Studie. Nur werden diese unsere Politiker und die entsprechenden Lobbys wie immer nicht für voll nehmen. -.-

  12. Was war doch gleich Acta?…

    »Meine Schüler sind empört in den Unterricht gekommen und wollten Acta diskutieren. Der Traum jedes Sozialkundelehrers. Ich hab bloß keine Ahnung von Acta. Du kannst mir doch sicher helfen?« Nö. Kann ich nicht. Ich habe resigniert. Zensursula…

  13. Also zum Thema “CD in professioneller Qualität aufnehmen” und “unbezahlbar für den kleinen Mann” kann ich was beisteuern.
    Wir (3-Mann-Band) nehmen regelmäßig seit ca 2006 CDs auf. Wobei die letzte schon garkeine mehr war, das Album wurde als Downloadcode auf Plastikkärtchen verkauft. Kosten für 1-2 Wochen Studio + Mastern + Pressen (1000 Stk) im Schnitt 1500-2000€ , regulärer Preis, keine “Freundschaftsdeals”. Heutzutage lässt man sich seine Musik auf alle gängigen Downloadportale setzen und zahlt einen relativ geringen Obulus pro Download.
    Was der Knackpunkt ist, ist das Marketing und das Booking. Da gehen viel Schweiß und Tränen drauf, wenn man’s selber machen muss. Wenn man wirklich will, geht aber auch das.
    Zur Zeit unseres ersten Albums waren wir noch Studenten und mussten dafür 2 Monate nebenher arbeiten gehen. Wachdienst bei IKEA. Klar, Millionär kann man so wahrscheinlich nicht werden. So what? Die Mühe war’s trotzdem wert.

  14. [...] vom Wellesley College und Joel Waldfogel von der Universität Minnesota haben zum Beispiel herausgefunden, dass Filesharing fast gar keine Auswirkungen auf die Einspielergebnisse von Kinofilmen hat. Und [...]


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 933 Followern an