Eine andere Art Social Network über Musik, von Anonymous

Die anonyme Hackercommunity Anonymous arbeitet gerade an einem Social Network zum Thema Musik. Eines, das nicht von den Copyrightmaximalisten angegriffen werden kann, weil es keine Musik hostet, sondern nur Informationen über Musik.

Unabhängig davon, ob die Aktion Erfolg hat oder nicht, eines haben die Hacker sehr deutlich und klar formuliert: Es geht in unserer post-industriellen Ära nicht mehr um die Musik, sondern die Information über Musik. Abstrakter: Der Informationsweg ist das Geschäftsmodell. Hier ist der Prototyp von AnonTune.

7 Kommentare

  1. LOL. Genau. Weil „Nur Informationen über Musik, statt der Musik selber“ beim PirateBay auch so geklappt hat, um sich zu schützen… *facepalm*.
    Früher nannte man es Massenpsychologie. Heute nenne ich es „Schwarmdummheit“. ^^

    Es folgt mein Konzept zur generellen Gesellschaftsorganisation in einer Zeit des selbstorganisierenden Internets und ohne Regierung(sautorität):

    ————————————————————

    Nur wenn folgende drei Bedingungen erfüllt sind, kann ein System je gegen die organisierte Kriminalität (Medienmafia, u.a.) und Sozialmanipulatoren (Lobbyisten, Politiker, Werber, …) vorgehen:
    1. Vollständig dezentralisiert. Also auch ohne Begriff von Autorität. Mit anderen Worten: Ein P2P-Netzwerk.
    2. Vollständig relativ. Vertrauen und Regeln können nur zwischen zwei Individuen existieren. Niemals generell. Sie sind also vollständig individuell.
    3. Vollständig geheim. Alle Kommunikation, die ja nur zwischen zwei Individuen stattfinden kann, ist also vollständig so verschlüsselt, dass sie nur für den jeweiligen einen Empfänger lesbar ist. Also: asymmetrische Verschlüsselung mit ausschliesslich individuellen Schlüsseln.

    Diese Regeln gelten nur für Informationsräume (wie das Internet), und können nur mit Einschränkungen auf physikalische Räume (wie ein Land) angewendet werden.

    Anmerkungen:
    A. Zwangsweise führt (1) ganz natürlich auch zu Netzspaltungen. Eine (statische) Trennung in „mehrere Netze“ existiert aber nicht.
    B. Voreinstellung ist globales Nichtvertrauen und vollständige Regelfreiheit. Implizit ergibt sich aber immer die Regel „Alles ist erlaubt, so lange man keinem anderen schadet.“. Wobei für „Was ist Schaden?“ natürlich wieder (2) gilt.
    C. Um dem Einzelindividuum die Unmengen an Entscheidungen, die wegen (2) (und (B)) zu fällen wären, zu ersparen, wird benötigt, dass man auch dem Vertrauen, das eine andere Person in Dritte hat, selber für bestimmte Dinge (Objekte/Dateien/Themen/Bereiche) in einer bestimmten Stärke vertrauen kann. Die dadurch entstehende Kaskadierung erlaubt es, schon mit einer einzigen Vertrauensregel auszukommen, ohne die Erzeugung einer Autorität (die natürlich ausgenutzt werden würde) zu riskieren.
    D. Es wird realistisch angenommen, dass es grundsätzlich unmöglich ist, Missbrauchsversuche zu verhindern. Dank der Bedingungen wird das System dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. Die Kaskadierung aus (C) kann Missbrauch zwar verstärken, jedoch genau so effektiv eliminieren. Ohne die Selbstbestimmungsfreiheit zu verletzen. Dies alles erlaubt es, nur mit einer Schnittstellendefinition auszukommen. Die konkrete Implementation (Software) bedarf keiner Kontrolle oder Regelbefolgung, und kann vollständig individuell sein.
    E. Anonymität in der (direkten) Kommunikation zwischen zwei Individuen wird als generell nicht erwartbar auch generell ausgeschlossen. Die Anonymität zwischen zwei indirekt (durch Kaskadierung) kommunizierenden Individuen hängt ganz natürlich von der Vertrauenswürdigkeit der Vermittler in Sachen Geheimhaltung ab. Eine weitere Garantie kann nicht gegeben, und darf niemals erwartet werden.

    • Ups, hab vergessen anzuhaken, dass ich bei Antworten benachrichtigt werden will.
      Also: Fragen zu obigem beantworte ich natürlich gern. :)
      Nur müsst ihr halt (meines Wissens) hierauf antworten, nicht auf obigen Post. Sonst bekomm ich es nicht mit.

    • Ich bin mir nicht sicher, mit welchem Menschenbild du an dein Modell herangehst, kann es also nur vermuten. Aber Ultraindividualismus, komplettes Nicht-vertrauen zwischen mehr als zwei Individuen – kann das denn gut gehen? Ich befürchte, dass deine Utopie wahrscheinlich das Internet nicht mehr “inter” macht, sondern nur noch quasi-verknüpft, weil es ja prinzipiell erstmal alles auf Misstrauen basiert.
      Wenn du jetzt damit argumentierst, dass sei so, ich solle mich doch umgucken, dann würde ich dich gleich vorher fragen wollen, wieso du da das Internet verändern willst und nicht vorher erstmal in irgendeiner Art und Weise den Umgang der Menschen miteinander. Das daran dann die nächste Utopie anschließen kann – geschenkt. Dass dazu mehr nötig ist als ein bisschen Anonymus, Demos oder Occupy – geschenkt. Aber wieso das Internet zerhauen und so die Idee dahinter?

      • Da haste mich missverstanden. Bin zwar gerade sehr müde, aber ich versuchs nochmal zu erklären:

        Natürlich kann jede Person mehr als einer anderen Person vertrauen. Stell dir eine Tabelle vor, mit den Spalten „Quelle (andere Person)“, „Sache“ und „Vertrauen (%)“.
        „Sache“ kann alles sein, von Individual„gesetz“regelungen wie „Musik ist frei, über Enzyklopädie-Themen wie „Geschichte des Irakkrieges“ und „Musikdateien“ bis zu „Alles“.
        Dann siehst du die Welt in der Sache so wie es die Quelle hergibt (ausser du vertraust einer anderen Quelle in der Sache mehr).
        Was die Quelle hergibt, hängt aber von der Tabelle ab, die diese Quelllperson bei sich eingestellt hat. Den diese Tabelle kann natürlich auch wieder andere (dritte) Quellen für andere Sachen mit anderen Vertrauensgewichtungen enthalten.
        Ebenso kann jemand deine Tabelle als Teilvorlage in seiner Tabelle referenzieren.

        Wenn nun z.B. Person A Musik anbietet, Person B Filme, Person C viele Regeln dazu was akzeptabel ist und was nicht („Gesetze“), kann eine Person D Person A und B in den Sachen vertrauen, und noch ein paar Regeln für Informationsaustausch definieren. Dann kann Person E Person C in Sachen Regeln zum Zusammenleben vertrauen, ausser Person D, die höhere Priorität hat, sagt was anderes.
        Person F (z.B. du, müsste dann nur noch Person E (z.B. einer Form von lokalem Anführer des Freundeskreises) allgemein vertrauen, und ihr würde damit sogleich alle Vorteile des Vertrauensnetzwerkes von Person E zugute kommen.
        Im Normalfall bilden sich in so Systemen ganz von selbst Personen die selber eher große Quellen sind (Wissenschaftler/Lobbyisten/Weise), und welche, die große Aggregatoren und Entscheider sind (Anführer/Politiker/Manager).
        Die meisten müssten nur noch ein, zwei, drei solcher Aggregatoren vertrauen (äquivalent einer [lokalen/landesweiten/…]Regierung), und evtl. Kleinigkeiten anpassen die sie anders sehen. (Z.B. dass sie ihrem Aggregator, und damit indirekt Person B nicht in Sachen Politik bei Filmen vertrauen.) Das kann natürlich auch der Aggregator machen.
        Das heisst: Es muss nur an einer Stelle in der Kette zu Dissonanz kommen, und alle die dahinter sind, profitieren wenn die eine Stelle die Regel ändert.
        Das ist der Effekt, der Lobbyismus und Massenmanipulation aufwiegt. Es muss nicht das ganze Volk, jeder für sich, sich informieren und die Ansicht ändern. Es reicht schon ein Glied in ihrer Kette.

        Genauso bei Filesharing: Wenn SoundsoSec sagt, IP soundso ist Mafiaa, und PirateBay aus Erfahrung SoundsoSec vertraut, und wir aus Erfahrung PirateBay vertrauen, dann ist für uns IP soundso sofort weg vom Fenster. Aber wenn Piratebay hingeht, und findet, dass SoundsoSec eigentlich teil von Operation WTF der USA ist, und das Vertrauen kappt, bekommen wir das genauso sofort mit. (Unabhängig davon können wir das natürlich immer mit einer eigenen Regel, oder dem hinzufügen einer vertrauenswürdigeren Quelle überschreiben.)

        Wie gesagt: Das System ist ultra-emergent und elegant. Aber irgendwie ist die Sprache nicht dafür gemacht. In der Sprache der Algorithmen und Datenstrukturen hätte ich weniger schreiben müssen.

        • P.S.: Ich tue also im Prinzip nichts weiter, als die eh schon existierenden Mechanismen wie Menschen ihre Realität und ihre Freundeskreise bilden, zu formalisieren und automatisieren.
          Mit dem Vorteil, dass Massenmanipulation/Lobbyismus vollautomatisch ein Gegengewicht bekommt, und damit seine unfaire Macht verliert.
          Aus Baumhierarchien und Pyramiden werden freie Netzwerke und Graphen.

          Es ist also ganz und garkeine Einschränkung, sondern im Gegenteil eine vollkommene, nach meinem jetzigen Wissensstand perfekte, Befreiung.

          Sogar konkurrierende Staaten im selben Land sind damit etwas sich ganz natürlich bildendes und funktionieren.

          • Mh, ich glaube, da stecke ich fachlich nicht mehr genug hinter, dass ich die Logiken nachvollziehen könnte um annähernd deinem Gedankengang folgen zu können. Nur einzelne Wörter lassen mich da noch hochschrecken, wenn ich von “vollautomatisch ein Gegengewicht”. Denn Gegengewichte a. wogegen und b. wovon? Das sich eine komplette Befreiung nicht darstellen kann, dass alle alles machen könnTen (Naturrecht, die Diskussion ist uralt und auch den Neoliberalen bekannt und bewusst ausgenutzt, Stichwort Chancengleichheit, etc.)

            Aber ich kann deinen Ansatz mit den Quellen nachvollziehen, das ist eher am Prinzip des LiquidFeedback angelehnt, oder? Dass große Einfluss- und Entscheidungspersonen sozusagen nur noch wenigen vertrauen müssten um dann anschließend mit den wenigen Vertrauensquellen zu operieren. Dass ich hierbei große Bedenken habe sollte schon klarer werden, wenn sich daraus elitäre Machtstrategien ableiten ließen oder ganz grundsätzlich Parteien, Herrscher, etc. Ob nun qua Wissen, qua Geld oder anderen Dingen entscheidet dann erstmal nicht, aber eine Befreiung scheint das nicht zu sein.

          • Zum Gegengewicht:
            Wogegen? Hab ich doch alles erklärt. (Massenmanipulation/Lobbyismus)
            Wovon? Wie meinst du das jetzt? (Auch der Satz dahinter ist leider grammatikalisch unlesbar.)

            Zu LiquidFeedback: Nee, LiquidFeedback hab ich ’n paar Jahre nachdem ich mir das zuerst ausgedacht hatte entdeckt. Da ich in der Richtung der Leute die das entwickelt haben viel gepostet hatte, kann es gut sein, dass ich Teilinspiration war… oder auch nicht…
            Aber es wirkt so, als hätte jemand die Spitze vom Eisberg von meinem Konzept gesehen, und es in ein paar Schlüsselpunkten halbherzig umgesetzt. Es ist in vielen Punkten nicht generisch sondern auf Spezialfalle limitiert, und andere Schlüsselfunktionen, die das Ganze erst Sinn ergeben lassen, fehlen völlig.
            Da hat jemand einfach nicht zu Ende gedacht. Was es ermöglicht, das ganze noch immer komplett zu pervertieren.
            Daher möchte ich eher nicht damit verglichen werden.

            Dass ich hierbei große Bedenken habe sollte schon klarer werden, wenn sich daraus elitäre Machtstrategien ableiten ließen
            Eeem, da hast du aber genau das Gegenteil von dem verstanden, was es ist. Wie haste das denn gemacht? Oder war etwas missverständlich?
            Denn genau das ist es ja, was ich mit meinem System nicht nur abschaffe, sondern auch komplett unmöglich mache.
            Denn genau wegen der Bedenken (Mächtige gegen die man nichts tun kann, Manipulation durch die Medien/Lobbies, u.s.w.) hab ich mein System ja entwickelt.


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