Warum die Gema-Steuer so hoch ist

Weil die Vorstände zwischen 484.000 und 264.000 Euro pro Jahr verdienen, und die Pensionen der Ex-Vorstände 2,8 Millionen verbrauchen. Geld, das eigentlich jungen, hoffnungsvollen Nachwuchskünstlern die Kühlschränke füllen sollte. Nein, im Ernst, das Problem mit der Gema ist deren ungebremste Lobby-Arbeit und ihre Seilschaften quer durch die politische Landschaft. Mal so zum Vergleich:

Für “Musikrechte” wurden 2010 (neuere Zahlen gibts noch nicht) 863 Millionen Euro erhoben. Die für Texte zuständige VG Wort machte 131,69 Millionen Euro, die VG Bild-Kunst 56 Mio (steht alles in der Wikipedia). Das bedeutet, dass für Rechte, die mit Musik zu tun hatten, in Deutschland 4,5 mal so viel ausgegeben wird wie für Text und Bild-Kunst zusammen. Ist Musik 6,5 mal wichtiger als Text oder 15einhalb mal wichtiger als Bild und Kunst? Oder läuft hier nur global was schief? Ich tippe mal auf “schief”.

Dazu kommt, dass das Ausschüttungssystem der Gema den Vielverdienern nutzt und den Wenigverdienern Einnahmen vorenthält (siehe Verteilungsplan). Ich denke, dass sich Musiker und Musikfans zusammentun sollten, um dafür zu sorgen, dass sich die Verhältnisse ändern (Während ich diesen Beitrag schreibe, ist die Website der Gema down, vermutlich ge-DDoSt, was amüsant ist, aber die Verhältnisse nicht ändert, da muss die LOIC schon noch ein wenig tiefer zielen).

Ich sagte schon an anderer Stelle: Musiker kriegen von den rund 1,6 in Deutschland mit Musikverkäufen pro Jahr erwirtschafteten Milliarden durchschnittlich 5% pro Platte (Downloads bringen weniger), also 80 Millionen, dazu Musikrechteausschüttungen, die aber vor allem an die etwas über 2000 Gema-Topverdiener fliessen. Wenn Internet pro Jahr für jeden Bundesbürger einen Euro teurer wäre, bekämen Musiker noch mal 80 Millionen, wenn wir zwei Euro rechnen, gehts richtig aufwärts mit der Szene. Was die Fans davon hätten? Filesharing wäre genauso legal wie CDs brennen. Verhindert wird das von den wenigen Tausend, die vom bisherigen System profitieren. Auf Kosten aller anderen. Deswegen ist auch die Gema-Steuer so hoch.

pic von mir cc by sa

23 Kommentare

  1. Reblogged this on Ich sag mal.

  2. Ich sagte auch schon an anderer Stelle:

    Musiker bekommen von ihrer Musik heutzutage genau soviel, wie sie selber wollen.

    Sie bekommen also bis zu 100% von dem, was Andere für ihre Leistung bezahlen.

    Es kommt allein drauf an, welche Arbeiten sie im Zusammenhang mit der Vermarktung selber übernehmen wollen und welche sie an spezialisierte Unternehmen ( Plattenfirmen, Management, Digital Distributors, Verwertungsgesellschaften wie z.B. GEMA ) freiwillig delegieren.

    Kann jeder machen, wie er will.

    • Ist doch schon mal was. Und die Übergriffe der Gema kriegen wir mit dem bewährten Mittel Demokratie auch geregelt.

      • Polemik – wie immer.

        Oder hast Du es präziser?

        • gegen polemik wäre genausowenig etwas einzuwenden wie gegen die tendenz, die gema für ihr idiotensytem zu kritisieren.

          für problemtischer halte ich hingegen diese sich immer wiederholenden falschdarstellungen und verklärungen die einem hier aufs auge gedrückt werden.

          artikel wie dieser suggerieren unbedarften lesern “die gema” würde “steuern” erheben, weil ihre vorstände zuviel geld verdienen während “die musiker” nur “5%” bekämen.

          die gema hat in wahrheit aber weder was mit “musikern” noch mit “steuern” zu tun, und jeder der rechnen kann, wird feststellen, dass auch nach der streichung der vorstandgehälter die ausschüttungen der gema um nicht mehr als 0.2% höher wären als sie es heute sind.

          und bei aller notwendiger kritik am pro system, aber wenn “2000 gema-topverdiener” übervorteilt werden, dann weise ich darauf hin, dass 2000 labels ungefähr die hälfte aler aktiven labels darstellen, denn die anderen inhaber von LC codes sind zur zeit inaktiv und betreiben ihre geschäft nur als hobby.

          das ist alles kompletter schwachsinn, und ist nicht mal mehr für wahlkampfzwecke geeignet, geschweige denn, dass es irgendwas zur aufklärung beitragen würde.

          noch schlimmer finde ich die fehlende perspektive, die laut fritz in der abschliessenden werbung für eine kulturflatrate stecke. denn wer und wie soll – nach der abschaffung der verwertungsgesellschaften – überhaupt bestimmen, wie die einkünfte darauf verteilt werden?

          soll jeder, der behauptet, jemand zu kennen, der schon mal eine flöte gesehen hat, von der kulturflatrate profitieren? oder hat es nicht vielmehr, bei aller kritik am kapitalismus, eine gewisse berechtigung, dass die kompositionen und bücher, die 100 mal mehr verkauft und konsumiert werden, auch 100 mal so viel gema ausschüttungen bekommen als hobbyisten? (natürlich nicht 130%, so wie im moment, darüber sind wir uns einig)

          • Vielleicht sollten sie auch 100 mal so teuer sein… denk mal drüber nach du Fantastiker… Ist ja echt schlimm, was für Leute sich hier in letzter Zeit rumtreiben… DIe Kommentare lese ich deswegen kaum noch..
            ich dachte ja schon barefoot und knallbonbon wären schlimm, aber diese naiven Traumtänzer und Astroturfer schießen den Vögel endgültig ab..

          • @einseinsnull

            Zitat einseinsnull:

            “für problematischer halte ich hingegen diese sich immer wiederholenden falschdarstellungen und verklärungen die einem hier aufs auge gedrückt werden.”

            Ja, und dann im nächsten Atemzug die Demokratie beschwören.

            Deren Grundlage ist doch erstmal umfassende Information und Informiertheit derer, die in ihr aktiv sind.

            Fritz betreibt das Gegenteil.

            Dumpfe Propaganda für die Doofen!

            Sollte Herr Delius mit seinem Vergleich unterschwellig doch recht gehabt haben?

            Ich hoffe nicht, und doch beschleicht mich ein ungutes Gefühl, wenn ich dem lieben Fritz hier beim hemmungslosen Hetzen und Stänkern zuschaue.

  3. Und nochmal: Wenn ich 1€ Musikflatsteuer auf Internet zahle, belohne ich damit nicht den Musiker den ich gut finde. Ich belohne auch den übelsten Schrott. Das ist nicht richtig, und auf garkeinen Fall akzeptabel. Wie du selber sagst, muss man sein Geld verdienen. Genau das fällt aber hier flach.

    Ich bin der Einzige, der entscheidet, wer mein Geld bekommt. Entweder so, oder keiner kriegt was. Punkt.

    Was wir brauchen ist der virtuelle „Hut“. Für Straßenmusiker des Internets. Eingebaut in Youtube, Filesharing, Kongregate und Shoutcast.

    Oh warte, das ist schon in Kongregate eingebaut! Und es wird auch rege genutzt!
    Also, Leute! Nachmachen!

    • Du weisst, wofür die Internetabgabe gedacht ist, ja? Damit das gejammer aufhört.

  4. Naja, aber eigentlich geht es ja bei der Gema weniger um Plattenverkaeufe als vielmehr um die Urheber! Nicht jeder Musiker schreibt seine Musik selbst – viele nehmen einfach andere Lieder von Komponisten und der verdient am Plattenverkauf gar nichts, sondern nur daran, dass die Gema fuer ihn die Gelder einkassiert… Was ist mit den Komponisten?

    PS: ich halte die Gema auch fuer ueberaltet und finde, dass ein neues System her muss, aber viele verwechseln den Komponisten mit dem Interpreten!

  5. An wen werden eigentlich die Gelder ausgeschuettet die bei Verkaeufen von Rohlingen, Druckern, Festplatten usw. eingenommen werden? Da kann man ja schlecht feststellen wer letzten Endes damit kopiert wurde. Datentraeger und andere Kopiergeraete sind ja ausschliesslich dafuer da Raubmordkopien herzustellen. Wer was anderes behauptet der luegt!

    • Der GEMA-Treuhandfond legt die Einkünfte gewinnbringend in Risikogeschäften an, bis eine Technologie zur Erfassung dieser Daten entwickelt wurde!

      • Das ist ein Witz, oder?

    • Dazu gibt es einen komplizierten Verteilungsplan, der dafür sorgt, dass bestimmte Gemamitglieder so gut wie alles kriegen. und die meisten leer ausgehen. Unser Freund “Rastaman” kann dir die Lukrativität dieses Systems bestätigen.

      • Nein. Das kann ich nicht bestätigen, denn es ist nicht so.

        Jeder, dessen Musik in irgendeiner anderen Verwertungsform, in der es möglich ist, urheberbezogen abzurechnen ( und das sind die Meisten ) relevant war, bekommt davon etwas ab. Der Verteilungsschlüssel ist gerecht.

        • Da muss ich widersprechen… Ein Alt-Gema Mitglied und der Pressesprecher der Gema selbst haben mir das Ganze ausfuehrlich erklaert und letzten Endes zugegeben: Alt-Mitglieder verdienen an den Umsaetzen der Neuen mit!

  6. Ich habe in den letzten 25 Jahren ca. 2500 Konzerte mit eigenen Songs gegeben, davon lebe ich.

    Dafür haben die Veranstalter zwischen 40 und 80 € pro Konzert an die GEMA abgeführt. Ich habe in all den Jahren insgesamt ca. 3000 € ausgezahlt bekommen (davon 2500 € als außerplanmäßige Sonderzahlung weil ich Rabatz gemacht habe).

    Gibt es ein anderes Wort als Diebstahl dafür?

    (Da die GEMA überwiegen von Erben beherrscht wird, haben sie im Verteilungsplan Hürden eingebaut, wenn jemand sein eigenes Material aufführt. Diese Hürden sind für die Top40 kein Problem aber für alle anderen unerreichbar.)

    • @stefanmax

      sorry – aber ich halte Deine Darstellung für Unsinn.

      • Ich unterstütze die Freiheit dieser Meinungsäusserung (auch wenn ich sie inhaltlich ablehne).

  7. “Nein, im Ernst, das Problem mit der Gema ist deren ungebremste Lobby-Arbeit und ihre Seilschaften quer durch die politische Landschaft”

    Was du schilderst trifft auf jede Lobby-Organisation zu: Gewerkschaften, Patientenverbände, Amnesty, Greenpeace, Tierschützer etc.

    Das ist kein Alleinstellungsmerkmal der Gema. :-)

  8. und wer wissen will wie es denn mit der GEMA weitergeht, der ließt das hier.

    http://kopperschlaeger.net/2012/04/schlechte-zeiten-fur-raubkopierpfeifer-und-sanger/

  9. [...] fritz effenberger über das urheberrecht und die gema (11k2). bruno kramm versucht im ard morgenmagazin zu erklären, wie die piratenpartei das [...]

  10. Hallo un so, mein Rechtsempfinden zwingt mich was zur GEMA zu sagen,

    eigentlich kann es 2012 nicht mehr Rechtens sein, dass die GEMA ihre Existenzberechtigung im Selbstzweck der Bereicherung auf Kosten aller Mediennutzer, dabei überholte Urheberechtswurzeln als gottgegebene Institution mit absolutem Rechtsanspruch seit 1902 begründet und den Verbleib der nach Lobbyisten ethischem Egoismus abgepressten 827 Mio. € in 2011 wegen der seit 1902 gleichgebliebenen Staatsinteressendeckung nichtöffentlich deklariert werden muss, wie jeder andere Mehrwerterzeuger vor dem Gesetz.

    GEMA = Gesetzessanktioniere Ethisch-egoistische Monetarisierte Abschöpfung

    Denn Geldeintreiben ist Arbeit und kostet ja auch; weil ~15% = 125 Mio. € laut GEMA-Bilanz in die eigene Tasche fließt, entspricht das bei ~1.100 GEMA-Angestellten ein theoretischer pro Kopf Kostenaufwand von ~114.000 € bei ~60% Bruttolohnkosten erhält ein GEMA-Mitarbeiter ~70.000 € = ~5.800 € Brutto pro Monat, wobei der Chef der GEMA Dr. Harald Heker ca. 2,8 Mio € im Jahr sich in die Tasche packt … , ist doch wirklich bescheiden, oder?
    Zumindest ein geniales Geschäftsmodell welches die Betreiber niemals freiwillig aufgeben werden !!! Ist das Gerechtigkeit ???

    LG ug2dev


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