Viel Lärm um nichts (“Much Ado about Nothing”) ist eine durchaus lustige Komödie vom alten Shakespeare, die man nachspielen und zitieren darf, soviel man will, weil das Urheberrecht auch dann abgelaufen wäre, wenn es im Jahr 1599 eins gegeben hätte. Thierry Chervel nimmt im Perlentaucher das Wir-sind-Urheber-Drama noch mal unter die Lupe, und erkennt scharfäugig, dass da fast nur Buchautoren (und solche, die das sein wollen) unterschrieben haben.
Also Leute, die vom Internet bisher so gut wie gar nicht betroffen sind, und von diesem sogar durch massive Papiergebirge getrennt sind. Also Leute, die eigentlich weder was zu meckern hätten, noch sich vor dem Internet fürchten müssten. Ausser vielleicht vor Amazon, dem Hauptkonkurrenten aller Verlage (richtig, Amazon, nicht Google). Also was? Irgendwas ist da aber doch, das den Papierautoren Angst einjagt. Ach ja richtig: Da ist, so in den letzten 20 Jahren, eine neue Kultur entstanden. Menschen äussern sich in 140 Zeichen, oder länger. Und ja, das ist eine Literaturform. Die mit der Papierwelt ungefähr so viel zu tun hat wie der “bürgerliche Roman” mit der höfischen Dichtung der frühen Neuzeit. Tja. Erschwerend kommt hinzu, dass nun auf einmal Literatur keine Kunstform mehr ist, die der intellektuellen Elite entspringt, sondern demokratisiert wurde: Jeder darf schreiben, und alles liegt zunächst gleichberechtigt nebenander im WWW. Bis der Nutzer (früher: Leser) entscheidet, was er lieber mag. Das allerdings ist ein existenzbedrohendes Problem. Das man aber nicht durch Verbote technischer Mittel lösen kann. Sondern nur durch aktive Mitgestaltung. Und dieses Existenzproblem haben tatsächlich auch Musiker, Fotografen, Filmer, Publizisten: Sie haben den Höhenvorteil der kommerziell durchgeführten Distribution verloren. Demokratie auch hier. Mannomann. Und da soll man keine Angst kriegen? Hm. Nee. Eigentlich nicht.
pic aus dem 93er movie
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