Déjà-vu: Kunst, Kopie, Zitat und das Problem des “Geistigen Eigentums”

Ich möchte euch nicht verheimlichen, dass die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe in Zusammenarbeit mit der dortigen Hochschule für Gestaltung am 20. Juni (19:00) eine Podiumsdiskssion zum Thema “Urheberrecht im Zeitalter von Copy & Paste” durchführen wird, mit mir als offiziellem Vertreter der Piratenpartei, Generalbundesanwalt Harald Range und Gerhard Pfennig (VG Bildkunst). Moderation: Karl-Dieter Möller (ARD). Ich rechne damit, dass es sehr lustig wird.

Die Diskussion begleitet die Ausstellung (bis 5. August) “Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube”. Kinder, Jugendliche und Familien können in der Werkstatt “die kreativen Seiten des Kopierens kennen lernen”. Und überhaupt machen die Museumsarbeiter und Gestaltungslehrenden hier eine neue Front in der Urheberrechtsdebatte sichtbar: Kunst (und verwandte Kulturformen) funktioniert nur durch das Aufgreifen und Weiterverarbeiten von bereits Veröffentlichtem, enthält also immer koperte Werkteile. Das war in der Kunstgeschichte nur ein Randproblem, wird aber im Zeitalter der Rechteverwertungsindustrie zum zentralen: Wenn alles Geistige irgendwem gehört, ist es nicht mehr möglich, kreativ damit umzugehen. Zumindest nicht ohne eigene Rechtsabteilung zur Prüfung der Lizenzsituation. Die Direktorin der Staatlichen Kunsthalle, Prof. Dr. Pia Müller-Tamm, schreibt in ihrem Vorwort zum Ausstellungskatalog über die grossen bildenden Künstler der Neuzeit: “Das Kopieren hat nicht nur ihre künstlerischen Erfindungsprozesse stimuliert; es ist integraler Bestandteil dieser Prozesse”. Für so klare Wort muss ich mich bedanken, ebenso wie für die Einladung. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass eine weitere Novellierung des Urheberrechts diese grundlegenden Kreativprozesse ebenso vor den Vermarktungsansprüchen einzelner Verwerterfirmen schützen muss wie das Interesse der Bürger an freiem Zugang und freier Weitergabe. Die Kunstgeschichte lehrt uns, dass die kapitalistisch orientierte Einzelabrechnung pro verkauftem Werk oder vom Urheber/Verwerter direkt lizensierter Werkkopie nur eines von vielen möglichen Geschäftsmodellen ist.

kunsthalle karlsruhe, pic oben Yinka Shonibare, nach Francesco de Goya

12 Kommentare

  1. Hab ich das richtig verstanden? Wir können dich also demnächst im Fernsehen sehen? Woohooo! Den Spaß lasse ich mir nicht entgehen. :)

    • Fritz ist öfter im TV, selbst ich als nicht-TV-Besitzer kriege das mit ;)

  2. Übrigens ist nicht alle Kunst durch Kopieren von menschlichen Werken entstanden. Die Natur war die allererste, ursprüngliche Vorlage. Und sie ist es auch heute noch.

    Aber: Manche nennen es „Kopieren“. Andere nennen es „Inspiration“. :)

  3. hui, das is ja von mir hier nen katzensprung.

    Fritz, brauchst du noch eine Übernachtungsmöglichkeit?

    • Ne, sehr nett, danke, Hotel auf Staatskosten, aber schau doch vorbei und sag hallo.

      • steht schon im kalender ;)

        wir sehn uns

  4. Da steht zwar Moderation (ARD) aber wird es tatsächlich (live?) im Fernsehen übertragen oder eher in der Mediathek zu finden sein?

    • Ich rechne nicht damit, nicht mal wirklich im Regionalsender.

    • ist eh wurscht, denn entweder wird fritz kaum zu wort kommen, oder aber er wird mithilfe des moderators (zB. auch durch schweigen) 3.1 in die ecke manövriert.

      anzunehmen ist eher das es aufgenommen wird und später so zusammengeschnitten wird bis es der meinungsmacher-klientel passt.

      ist doch ganz normal im qualitäts-meingungs-manipulations-journalistischem.fernsehen.

  5. Die Kunstgeschichte lehrt uns leider auch, daß überraschend viele Künstler bettelarm sterben…

  6. und nicht vergessen @Fritz:

    [ 1.850 Prozent Tariferhöhung
    Die GEMA und andere Verwertungsgesellschaften kassieren ab dem 1. Juli deutlich mehr Geld für USB-Sticks und Speicherkarten

    Obwohl die deutschen Verwertungsgesellschaften seit dem Ende der 1990er Jahre intensiv Lobbyarbeit für Urheberrechtsverschärfungen machen, mit denen private Kopien unterbunden werden sollen, beziehen sie immer höhere Abgaben aus dem Verkauf von neuen technischen Geräten und Speichermedien. Nicht nur, weil mehr davon abgesetzt werden, sondern auch durch höhere Tarife. Nun gaben die VG Wort und die VG Bild-Kunst zusammen mit der Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ), hinter der personell und organisatorisch vor allem die Musikverwertungsgesellschaft GEMA steckt, ohne weitere Begründung bekannt [1], ihre Tarife für USB-Sticks und Speicherkarten ab dem 1. Juli um bis zu 1.850 Prozent nach oben zu schrauben.

    Im einzelnen [2] erhöht sich die Abgabe für Sticks und Karten mit einer Kapazität von bis zu vier Gigabyte von 8 bis 10 auf 91 Cent, für Sticks mit einer Kapazität über vier Gigabyte auf einen Euro und 56 Cent und für Speicherkarten mit mehr als 4 Gigabyte sogar auf einen Euro und 95 Cent. Andere Produkte [3], für die Verbraucher indirekt Abgaben an die GEMA zahlen, sind beispielsweise CD- oder DVD-Rohlinge, Festplatten, Computer, Handys, TV-Rekorder, Set-Top-Boxen und Anrufbeantworter. Diese Abgaben werden von den Herstellern und Importeuren an die Kunden weitergegeben, sind aber im Einzelhandelspreis (anders als die Mehrwertsteuer) nicht gesondert ausgewiesen. Von der Abgabe betroffen sind auch solche Geräte und Speichermedien, die gar nicht für Musikdateien, sondern beispielsweise für berufliche Backups genutzt werden.

    Die GEMA, die den Löwenanteil dieser Abgabe einsteckt, verteilt [4] dieses Geld weitgehend nach den Verkaufscharts und den Playlisten großer Radiosender, weshalb es zu großen Teilen an konzerneigene Verlage und Mainstreammusiker fließt. Weil dieses System vor allem den oberen Fünf Prozent der GEMA-Mitglieder nutzt, während andere häufig zuzahlen müssen, gerät es in letzter Zeit immer stärker in die Kritik. Mittlerweile gibt es Musiker, die fordern, dass die GEMA keine YouTube-Videos sperren, sondern ihre Einnahmen lieber objektiv nach der dort für alle sichtbaren Zahl der Aufrufe von Musikstücken verteilen sollte. Andere schlagen vor, die Leermedien- und Geräteabgaben statt an die GEMA an die Künstlersozialkasse fließen zu lassen, die den Arbeitgeberanteil der Kranken- und Rentenversicherung von Kulturschaffenden zahlt.

    Peter Mühlbauer 24.05.2012 ]

    http://www.heise.de/tp/blogs/6/152059

  7. [...] mit dem Titel “Urheberrecht im Zeitalter von „Copy & Paste“(hier war die Ankündigung). Die Ausstellung “Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube” konnte [...]


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