Hunger? Krankheiten? Arbeitslosigkeit? Letztlich kommt alles auf die grundlegende Frage zurück, ob es ein Eigentum am Geistigen geben kann, und wie weit dieses ausgedehnt wird. Am 29. Oktober wird diese Frage ein weiteres Mal geklärt, dann beginnt das Verfahren “Kirtsaeng v. John Wiley & Sons“ vor dem höchsten Gericht der USA, dem Supreme Court. Eigentlich ein Spezialfall, der aber automatisch zur allgemeinen Regel werden wird. Wie jedesmal in solchen Fällen. Worum geht es in diesem Verfahren, und wie kann es zum weltweiten Problem werden?
Supap Kirtsaeng kam aus Thailand in die USA, um an der Cornell Universität zu studieren, entdeckte dann aber, dass die (gleichen) Lehrbücher in seinem Heimatland viel billiger verkauft wurden als direkt neben der US-Uni. Also liess er seine Verwandten zuhause alles aufkaufen, was an Lehrmaterial gebraucht würde, und vertickte die Sachen auf Ebay und Craigslist. Laut Gerichtsakten machte er 1,2 Millionen US-Dollar Umsatz. Jetzt will der Verlag, John Wiley & Sons, mit dem Verweis auf das Copyright, also sein alleiniges Recht, Kopien herzustellen und zu vertreiben, einen solchen Re-Import verbieten.
Wenn er “Recht” zugesprochen bekommt, ändert sich sehr, sehr viel. Ein Copyright gibt es nämlich entgegen unserem romantischen Bild der Urheberschaft auf alle Mögliche: Auf das Apple iPhone, den VW Golf, Bücher und Tonträger sowieso. Selbst wenn zunächst nur in den USA, und nur für Importware, ein Wiederverkaufsverbot festgeschrieben wird, rutscht damit trotzdem die gesamte Bevölkerung in die Kriminalität. Razzien auf Flohmärkten, Klagewellen gegen Online-Auktionsplattformen, Detektive, die Kleinanzeigen lesen und die privaten Anbieter gebrauchter Altware an den Rand des finanziellen Ruins drängen.
Und das ist kein besonders dystopisches Horrorszenario, sondern ein Businessplan: Wenn sie es schaffen, Wiederverkauf zu verbieten (oder mit saftigen Lizenzgebühren zu belegen), bleibt den Endkunden nur noch der Neuwarenmarkt. Die Bürger und Konsumenten haben deswegen nicht etwa mehr Geld, sondern werden zu zivilen Opfern der Wettbewerbskriege zwischen unterschiedlichen Branchen: Wer auf seine Produkte irgendein Copyright geltend machen kann, ist hier klar im (Wettbewerbs)-Vorteil. Ob ein “geistiges Eigentum” an Kartoffeln und Buttermilch irgendwann eingeführt wird, ist derzeit noch offen – allerdings geben sich heute bereits mehrere Weltkonzerne alle denkbare Mühe, auch hier Ansprüche anzumelden.
Wenn also der “Copyrightifikation” von allem und jedem nicht Einhalt geboten wird, nimmt die Kontrolle einiger weniger Konzerne über unser Leben und unseren Lebensunterhalt immer weiter zu. Wir hoffen natürlich, das der Supreme Court vernünftig entscheidet und das Begehren von Herrn Wiley und seinen Söhnen zurückweist – bis zum nächsten Versuch jedenfalls. Deswegen ist es so wichtig, das Märchen vom “geistigen Eigentum” ein für alle mal ins Reich des frei Halluzinierten zurückzuweisen. Grundsätzlich und für immer. Mit winzigen Einschränkungen vielleicht, für Urheber und Erfinder. Aber eben nur als Ausnahmen.
marketwatch via boingboing, das pic ist aus dem Film Soylent Green.
12 Kommentare
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Es gibt bereits ein Geistiges Eigentum an Kartoffeln in Form des Sortenschutzes und (das Zurückziehen) der Zulassung für die gewerbliche Pflanzgutproduktion. Ich erinnere hier an den noch gar nicht so lange zurück liegenden Kampf um Linda.
Ich trete hiermit dafür ein, die alleinigen Eigentumsrechte an geistiger Umnachtung dem deutschen Volk anzuerkennen. Die Amerikaner sind zwar auch nicht schlecht, aber alleine die Deutschen bringen es fertig, politische Apathie so gekonnt mit Besserwisserei, Dauerjammern und Komasaufen zu verbinden, das eine neue Qualität an Blödheit entstanden ist. Warum ich das schreibe? Keine Ahnung, bin ja Deutscher.
Hier IRRT DER AUTOR (wieder einmal):
In seinem Beispiel geht es mit nichten um “geistiges Eigentum” sondern um harte bookware, zentnerschwere Packen bedruckten Papiers, von dem nicht einmal gesichert ist, daß es sich um, den REIMPORT materieller Güter handelt, da völlig unklar ist, ob dieses bedruckte Papier zuvor jemals den Boden der USA “gesehen” hat oder das anderswo gefertigt wurde.
Dieses künstlich als copy-right-Konflikt zu kaschieren hilft nicht darüber hinweg.
Erst recht nicht diese faule Nummer mit der Anti-Friseur-Parole (an den Haaren herbei gewurschtelt) “copyright-ist-das-zentrale-problem-unseres-jahrhunderts” – mit Verlaub, das ist eine echt schwache Kiste:
Einmal scharf hinsehen und alles fällt auseinander, nicht mal ein Brett bleibt übrig.
Ich habe lange gezögert, ob ich hier einen Kommentar schreiben soll, da meine Einstellung zu den Urheber- und Copyrightgesetzen wesentlich radikaler ist, als die vom Blogbetreiber.
Zuerst sollte man sich fragen, warum man überhaupt solche Gesetze macht.
Sie dienen einzig und allein dazu, einen, zugegeben nicht offensichtlichen, Betrug zu legalisieren. Sie schaden also der Gesellschaft um einigen Wenigen monetäre Vorteile zu verschaffen. Das alleine wäre noch kein Problem, was das Ganze allerdings in eine andere Dimension hebt, ist die Tatsache, daß mit diesem Gesetzen, die Gesellschaft verpflichtet wird, diesen Betrug auf Kosten der Gesellschaft aufrecht zu erhalten.
Alles was gebraucht werden, wird auch mißbraucht werden…
Nihilus
Zunächst: Es ist gut, Nihilus, daß du dich “hier traust”.
Dann:
Erklär doch bitte, wen (oder was) du unter “man” – die solche Gesetze machen – verstehst, ob das Menschen waren? Eventuell aus deiner “Gesellschaft”?
Und:
Was ist bitte der “zugegebene” “nicht offensichtliche” “Betrug” (jedes bitte einzeln erklären) und wieso dient etwas zur “Legalisierung”? (Was sollte denn deiner Ansicht nach da legalisiert werden, wer wurde Betrogen?)
Welcher “Gesellschaft” wird “geschadet” (du sprichst von “der”)?
Und zu den “Gesetzen, auf die Gesellschaft verpflichtet wird” – was sollten denn Gesetze sonst? Und wer, wenn nicht “Gesellschaft” sollte denn Gesetze machen / wozu?
Das alles hat eine einzige Aussage: Du bedauerst zutiefst, daß du zu einer Gesellschaft gehörst, in der du offenbar nicht an dieser Gesetzesmache teilhaben kannst – das ist jedoch weder Betrug noch schadet es “der” Gesellschaft, die das ja selber so macht.
Du solltest bedenken:
Alles, aber wirklich alles, was gebraucht werden kann, kann auch mißbraucht werden, denn das ist eben nicht zuletzt auch nur “brauchen”, dazu gehört auch das Nachplappern von Worthülsen ohne Adressat, ohne Absender, ohne nachweisbare Logik, ohne Lösung, ohne Weg dazu und ohne mögliche Partner zu gewinnen.
Das ist wie Kaffeekränzchen: “man” will nicht, “es” wird betrogen und mißbraucht und wir sind uns einig, daß “es” so ist ….
“Radikaler” als der blogschreiber, lieber Nihilus, ist anders, völlig anders.
Stellt sich die Frage, warum Du, Lusru, Dich über diesen Beitrag aufregst…Fritz hat recht, wenn er die Befürchtung äußert, daß VERSUCHT wird, das Ganze kommerziell auszuschlachten. Schau Dir alleine mal die Summen in folgendem Dokument an: http://www.rettet-das-internet.de/abmahnstatistik.pdf
Das ist Geld, das anderen aufgrund von Gesetzen weggenommen wird und in die Hände von Leuten fällt, die keinerlei Werte schaffen, sondern vom Vernichten selbiger leben. Und das ist NUR die deutsche Abmahnabzockstatistik, die Spitze des Eisberges sozusagen. Es liegt nahe, zu unterstellen, daß derart lukrative Einnahmequellen durchaus von einer Lobbyfront verteidigt werden, auch in Zukunft…und das ist alles andere als gerecht, meine Meinung!
“Stellt sich die Frage, warum Du, Lusru, Dich über diesen Beitrag aufregst…” -
Welchen meinst du?
den Artikel vom Fritz oder den Kommentar vom Nihilus?
Rege mich zwar nicht auf sondern interessiere mich etwas dafür, würde dir aber dennoch gterne antworten.
Wenn ich mich aufrege, sieht das anders aus, kommt gelegentlich vor, wenn z.B. Fäkalausdrücke anstatt Argumente verwirbelt werden und das als politisches Engagement verstanden werden soll, und noch einige vergleichbar miserable actions oder Unkenntnisse plaziert werden trotz ausreichender Hinweise und Angebote zum Denken.
Also, welchen “Beitrag” meinst du?
Den Beitrag von Fritz meine ich. Daher bezog ich mich auch mit “Fritz hat recht” auf denselbigen. Dachte Du kommst von alleine drauf, bitte daher um Verzeihung…
Es ist doch immer wieder schön, zu lesen, was andere denken und in welche Schubladen man dabei geschoben wird. Leider war es die Falsche. Ich geb dir aber einen erneuten Versuch…
Aber geile Studie und mein nächstes Buch freut sich.
Nihilus
mach dir keinen kopf drum, nihilus. lusru is nur zum stören hier. wär schön mal wirklich jemanden von der gegenseite hier zu haben. zum diskutieren. ist aber bei ihm ned der fall. rumgetrolle vom schlimmsten. ned füttern.
Was hat denn Jahhhh schon mal verstanden hier?
Ein Beispiel reicht, oder gibt es keins?
Nihilius hat sehr wohl recht, wird aber von Jah gleich mit abgeblockt. Warum wohl?
Vom knallroten Krachbonbon zur Postmisere – das bringt doch nichts.
So ein Versuch ist nicht neu. Leider haben Firmen wie Sony und Organisationen wie die GVU ähnliches auch schon über Urheberrechtshinweise durchzusetzen versucht. Ich halte dies aber auch für einen ziemlichen Missbrauch des Urheberrechts. (Bei Werken, die sowohl in Land A als auch in Land B offiziell verkauft werden kann ich so ein Verhalten der Rechteinhaber durchaus noch verstehen, aber Rechteinhaber versuchen sowas auch bei Werken, die es in Land A schon seit 20 Jahren gibt, in Land B aber nicht offiziell.)
Was Ähnliches sind im digitalen Raum ja die “Ist in ihrer Region nicht verfügbar” Aussagen und Sperren, die ich auch ablehne, denn das ist nichts Anderes als Diskriminierung nach Herkunft. (Entschuldigung, dass ich jetzt etwas polemisch werde, aber Regionalsperren sind für mich nichts Anderes als das digitale Equivalent zu der Regel, dass in den USA eine lange Zeit Schwarze nur hinten im Bus sitzen durften.)
Da ich nichts dafür kann, woher ich komme und wo ich lebe, möchte ich von den Rechteinhabern gefälligst nicht für diese Dinge bestraft werden.
Leider werden in dem Fall die Rechteinhaber ganz sicher durchkommen, da auch schon andere Firmen wie Sony (siehe Lik Sang Urteil) damit durchgekommen sind. Dies ist nämlich leider keine Umauslegung des Gesetzes durch Rechteinhaber. Das Gesetz räumt dem Rechteinhaber diese Möglichkeit nämlich sogar explizit ein und stellt sich hinter ihn in so einer Sache.
Wie gesagt, natürlich ist es unfair und ungerecht, aber so steht es leider im Gesetz. Und dank Abgeordneter wie Kauder und Heveling wird es für uns Nutzer nie besser werden, sondern nur schlimmer.