Kindle 2: Der langsame Abschied vom Papier

090210kindle_say-hello-450px_v251249381_Der Amazon Kindle 2 ist ab dem 24. Februar in den USA zu haben, Engadget und andere hatten das Ding schon in der Hand und sind doch ziemlich begeistert. Das elektronische Lesegerät kostet in den Staaten 359 Dollar, das entspräche 277 Euro. Zuviel für so ein elektrisches Dings? Nein, ein besser ausgestattetes Mobiltelefon ohne Vertrag liegt auch in dieser Preisklasse.

feat-text-size-300px_v251264265_Warum dann sowas, und nicht etwa ein gebrauchtes Notebook? Der Kindle 2 ist 8 Millimeter dünn, wiegt mit 290 Gramm weniger als ein normales Taschenbuch, zeigt Text und Bild mit 600×800 Pixeln in 16 Graustufen an, hat Wifi zum Downloaden neuer Bücher (ohne PC), kann im Internet surfen, speichert auf 2 GByte 1500 komplette Bücher, kann Text vorlesen und greift auf eine Bibliothek von derzeit 230.000 Titeln zu, zum Preis von je 9,99 USD (~ 7,73 €).

Gegenüber dem gebrauchten Notebook, wie auch dem Konkurrenzmodell Sony Reader hat der Kindle (2) eine Menge Vorteile. Noch kann man das Gerät nur in den USA kaufen, und bisher gibt es auch keine Billig-Konkurrenz, etwa direkt aus Ostasien. Das ist aber nur eine Frage der Zeit.

Ganz klar: Bald gibt es dasselbe für unter 100 von Samsung, Asus, Hon Hai (Foxconn) und anderen, mit einer Batteriestandzeit von einer Woche (wie beim Kindle 2).

Also gibt es bald Webseiten im E-Book-Format, plus Torrents von allen Büchern, die du jemals lesen wolltest. Dann hat die Buchverlagsindustrie das selbe Problem mit der Technik der Gegenwart (praktisch kostenlose Speicherung auf Flash und HD, praktisch kostenlose Verteilung via Internet und Wifi). Ich denke, dann wird die P2P-Hysterie erst mal noch grösser, bis schliesslich auch in dieser Teilbranche der Entertainmentindustrie alle Verlage bankrott sind, die sich nicht an die Realität anpassen wollen.

Ich weiss selber, dass der Umstieg vom Geschäftsmodell „Kulturverkauf pro Stück“ zu „Kultur als Dienstleistung“ extrem schwierig ist. Aber es bleibt uns (allen) nichts anderes übrig. Weil der Prozess bereits in vollem Gang ist, und nicht mehr aufgehalten werden kann.

So ähnlich wie die globale Erwärmung: Wir wissen, dass es passiert, wir wissen, dass wir sie mit verursachen, aber wir können unseren eigenen Beitrag dazu nicht stoppen, und damit auch nicht die Gesamtentwicklung. Insofern begrüsse ich den Kindle 2 als Fortschrittsmotor. Ach, und beim Energiesparen hilft er uns auch, was die Küstenbewohner dieses Planeten sicher freut.

(via engadget) (pics amazon)

9 Kommentare

  1. dein ex arbeitgeber dazu:
    http://www.theinquirer.de/2009/02/10/kindle-2-wenig-veranderungen-auch-nicht-beim-preis.html

    wiedersprüchlicher könnte es kaum sein :D

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  2. Also wenn das Teil immer noch so DRM-verseucht ist, wie der Vorgängen… Dann halt ich mich weiiit davon entfernt.

    Übrigens kriege ich für $100 schon ein Subnotebook mit vollem Linux und 1024er-Auflösung. Halt nicht mit x86, aber das ist mir egal, da ich mit Gentoo eh die Architektur einstelle, und dann alles extra dafür optimiert kompiliere.

    Da hab ich dann auch Farbe, und eine richtige Festplatte. Und eine volle Tastatur. Das reicht mir dann völlig. :)

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  3. Augen freundlich? Klein? Laufzeit?

    Nein?

    Also kein vergleich!

    Äpfel nix Birnen!

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  4. ich sage nur OLED.

    wie lange, ungefähr, wird es noch dauern bis es einen „flexi-bildschirm“ gibt den man zusammenrollen über eine- oder herausziehen kann aus einer vorrichtung die so groß ist wie der kern einer abgewickelten küchenpapierrolle?

    die ganze elektronik für die anzeige und die zugehörige energieversorgung befinden sich dann in diesem gebilde dinA4 blatt paier hohen apparat (welchen man bei nichtgebrauch einfach in einen entsprechenden ladesockel steckt) an dem man eine x-beliebige tastatur (oder sonst irgendwelche externen erweiterungen) anschließen kann etc.

    und dass alles dann für schlappe 100 bis 150 euro oder dollar. in zwei oder drei jahren werden diese apparillos dann sowieso nur noch 30, 40 oder 50 kosten.

    noch mal die frage: wie lange wird es ungefähr noch dauern?

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  5. Fritz, deine Träume in Ehren, aber nicht mit dem Kindle. Ich sag nur DRM. Schade dass du das hier nicht wirklich erwähnst.
    Wenn ich z.B. die Diplomarbeit eines Studenten digital lesen wöllte müsste ich sie erst an Amazon schicken… (gut, soweit bin ich noch nicht wirklich, ich steh grad auf der anderen Seite, aber nur mal als Beispiel)

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  6. Wenn ich ein Buch lesen will, möchte ich Papier in der Hand halten und nicht schon wieder irgendeinen Technikfirlefanz. Finde ich noch schlimmer als diese äusserst nervigen digitalen Bilderrahmen *schauder*.

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  7. […] für den Amazon Kindle Anlässlich der US-Reviews zum neuen Amazon Kindle 2 hatte ich darauf hingewiesen, dass uns hier der Beginn des papierlosen Zeitalters anlächelt (Falls ein Beginn so was wie […]

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  8. Diese Entwicklung wird das gedruckte Wort nicht ersetzen sondern ergänzen.
    Konkurenz belebt das Geschäft und so müssen beide Lager ihre Vorteile hochloben.
    Hoffen wir das der Endverbraucher dazu gewinnt.

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  9. @BAReFOOt
    Ich wäre dir wirklich dankbar, wenn du zu deinen Ausführungen auch noch dazuschreiben könntest, welches Gerät du meinst…
    Wäre von meiner Seite nämlich sofort gekauft.

    Aber in der Preisklasse überhaupt einen embedded Rechner mit >500Mhz und ordentlich RAM zu finden ist schon schwierig.

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