Wozu Patente da sind

090309nestlelogoPatente, wie auch andere Leistungsschutzrechte (Marken-, Urheberrecht etc.), sind dafür da Erfindungen zu schützen und damit den Fortschritt zu begünstigen. Soweit die Theorie. In den frühen 80ern entwickelte der US-Nahrungsmittel-hersteller Wysong ein Verfahren zur Anreicherung von Lebensmitteln mit probiotischen Bakterien. Das Familienunternehmen verzichtete auf einen Patentschutz, heute gehören probiotische Lebensmittel zum Standardangebot. Im Jahr 1999 erhielt die Nestle-Tochterfirma Purina ein US-Patent auf genau dieses Herstellungsverfahren. Wysong konnte die Löschung des Patents bisher nicht erreichen, dagegen aber ein EU-Patent gleichen Inhalts mit dem Hinweis auf die eigene Entwicklung vor vielen Jahren verhindern.

090309wysong-logo-webJetzt verlangt Nestle/Purina von Wysong und anderen Probiotik-Herstellern Lizenzgebühren, rückwirkend von 1999 an. Die Sache wird inzwischen vor Gericht ausgetragen. Ein klarer Fall von Patentmissbrauch durch einen multinationalen Konzern, mit der Strategie, den kleineren Mitbewerber (der vor allem Tiernahrung anbietet) allein schon durch massive Gerichtskosten ins Aus zu drängen.

Hm, wenn ich das Nestle-Logo auf einer Packung entdecke, ist das für mich Grund, die Ware wieder zurück ins Supermarktregal zu legen. Schon länger. (via techdirt)

8 Gedanken zu „Wozu Patente da sind

  1. Nun, wenn ihr kein Nestle Produkt kaufen wollt ist euer Wagen an der Kasse ziemlich leer. Ich habe die Zahlen gerade nicht genau im Kopf, aber alleine an den Food Artikeln halten die Anteile, die niemand glauben würde. Wenn man die Minderheitenbeteiligungen mitrechnet lag der Anteil WIMRE über 70 %!

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  2. @fangorn: Das stimmt schon, wahrscheinlich kann mans nicht immer umgehen. Leider. Allerdings ist ne Minderheitenbeteiligung ja nicht das gleiche wie ne eigene Marke. Wär jetzt mal interessant zu wissen, ob Nestle die Minderheitenbeteiligungen erhöht, um einen Boykott von direkt-Nestle-Produkten abzufedern…

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  3. Und selbst wenn man Nestlé meidet (das versuche ich auch schon seit Jahren), dann gerät man leicht an Unilever, Kraft, Danone oder sonst einen Multinationalen; und ich befürchte, die geben sich alle nichts.

    Man muss also gezielt unabhängige Anbieter suchen. Bei einigen Produkten ist das so gut wie unmöglich. Beispielsweise gab es bei sämtlichen Margarine-Marken (zumindest um 1990) genau eine, die nicht zum Unilever-Konzern gehörte. (Dürfte heute nicht so viel anders sein.) Ähnliche versteckte Monopole oder Oligopole gibt es vermutlich in vielen anderen Bereichen.

    Ich frag mich, ob Biomarken da teilweise von verschont sind, weil es sich für die Multinationalen (noch) nicht rechnet…

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  4. Ob ich Nestle (odere andere Marken mit einem Problem) kaufe oder nicht, ist ja keine philosophische und generelle Frage, sondern eine Marktentscheidung. Natürlich unterstütze ich den Konzern irgendwie, indem ich eines seiner NoName-Produkte kaufe. Aber glaubt mir: Sie verdienen weit weniger daran, und eine Marke mit einem Makel ist für den Konzern schlimmer als eine Umschichtung der Umsätze in andere Unternehmensteile.

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  5. mann o mann – dann geht halt in die kleineren bio-läden um die ecke (die sich zu einem großen teil aus den jeweiligen regionen versorgen. nachfrage genügt – die meisten geben gerne auskunft darüber woher sie ihre waren beziehen) und hört auf zu weinen ihr kleinen pussies!

    wenn ihr euch an den angeboten orientiert kostets meist auch nicht recht viel mehr als die sog. „markenartikel“ im supermarkt.

    von mir aus geht auch in einen „bio-supermarkt“ – aber vorsicht – dort ist es im bereich des möglichen das ihr was von nestle etc. erwischt.

    komm mir aber keiner mit den bio-artikeln von zB. aldi, lidl und co. (denn dort ist es immer gegeben das ihr A) zeugs angedreht bekommt das gar nicht bio ist (aber bio kostet) und B) dass das zeug hauptsächlich von solchen firmen wie nestle und co. stammt! halt nur unter einem anderen firmen-namen von irgendeinem tochterunternehmen aus timbuktu oder sonst woher.)

    das behaupte ich nicht einfach so – denn – so werdet ihr extrem abgezockt, ultra verarscht und immens über den tisch gezogen (und obendrein für absolut dumm und dämlich verkauft und für total blöde gehalten):

    http://www.abgespeist.de/der_goldene_windbeutel/abstimmen/index_ger.html

    einfach mal alle PDFs zu den jeweilig aufgeführten produkten durchlesen. besonders aufschlussreich: Actimel, Landliebe Milch, Maggi Tütensuppe, Schwartau Erdbeer aufstrich (aber nicht gleich jubeln dass das alles gewesen sein soll. . . . .)

    viel spaß dabei

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  6. @knallbonbon: da hast du völlig recht, genaus das mach ich schon längst und empfehle es jedem. Aber 10% der Konsumenten können den Markt noch nicht ändern, da müssen noch ein paar Leute überzeugt werden.

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