Warum Werbung im Internet nicht funktioniert

090323ericclemonsEric Clemons (links im Bild) ist Professor of Operations and Information Management an der Wharton School, University of Pennsylvania. Er hat einen Aufsatz veröffentlicht, den TechCrunch freundlicherweise weiter-veröffentlicht hat, „Why Advertising Is Failing On The Internet“, dessen Argumentation ich nicht in allen Punkten zustimmen, der es aber wert ist, diskutiert zu werden. Und da nicht alle Leute soviel Spass am stundenlangen Lesen von englischsprachigen Bildschirmtexten haben wie ich, hier die Zusammenfassung.

Professor Clemons sagt im Wesentlichen folgendes: Werbung wird im Internet nicht funktionieren, wir erleben bereits im laufenden Jahr einen Rückgang der Online-Werbeumsätze, und das hat Gründe. Zum Beispiel, dass sich das Prinzip der Werbeflächen nicht vom Print auf das Internet transferieren lässt. Wichtiger noch: Konsumenten vertrauen der Werbung nicht, und wollen sie auch nicht sehen (viele benutzen deswegen Ad- und Popup-Filter im Browser). Und es gebe alternative Umsatzmodelle, meint der Professor. Sowas wie bezahlter Content (er verweist hier auf iTunes), bezahlte Teilnahme an einer Community (Beispiel World of Warcraft) und Verkauf von Items für Online-Communities (wie eben MMOs).

Das ist natürlich eine Position, die man leicht im wissenschaftlichen Elfenbeinturm verorten kann. Ich muss dem respektablen Forscher daher widersprechen. Der Konsument vertraut Print- oder TV-Anzeigen nämlich genau so wenig. Da aber beide alte Medien in Richtung Keller unterwegs sind, und Konsumenten ihre überwiegende Zeit im Internet verbringen werden, muss die Anzeigenindustrie der Zielgruppe eben ins Internet folgen. Die indiskutable Alternative wäre: Keine Werbung machen.

Alternative Umsatzmodelle, die in MMOs funktionieren, können dagegen im Nachrichtengeschäft nicht angewendet werden, es gibt einfach viel mehr Newsquellen als epische, magische oder auch nur besonders bunte Schwerter und Helme. Auch das Abo-Modell ist für Medien bereits mehrfach gescheitert. Ich denke, Werbung wird im Internet immer wichtiger, und Verbraucher werden sie genauso ignorieren wie Hochglanzanzeigen in Magazinen oder diese Pinkelpausen im TV-Abendprogramm. (via techcrunch) (pic u of penn)

3 Kommentare

  1. Das findet der *jetzt* raus? ^^
    Das hätte ich denen auch 2002 schon sagen können. Was glaubst du denn, warum der .com-Zusammenbruch passierte?

    Ich musste damals schon lachen, wenn wir bei Lycos im Meeting saßen, und sich die Marketing-Leute freuten wie kleine Kinder, weil sie eine Klickrate von 0,10 Prozent hatten. Gegenüber 0,02 und 0,03 bei normalen Bannern.
    Ich wusste genau weswegen das war: Weil diese „Overlays“ so dreist waren, sich genau im unpassenden Moment über das Hauptmenü zu legen.

    Genau.

    Im Ernst! ^^

    Lycos versuchte damals schon, aus Bezahlte Inhalte umzustellen. Nur wenn man nix bieten kann, was es nicht entweder woanders für Lau gibt, oder eh nix wert ist, dann geht man eben Pleite. ;)
    Been there, seen that. :D

    Aber trotzdem wollte ich nochmal extra Danke sagen. Für die verbrauchten Stunden. :)

    Apropos: Wie finanzierst du dich eigentlich? Wär mal interessant, eine Umfrage zu starten, was den Leuten hier 11k2 wert ist, wenn sie dann auch wirklich was geben könnten, statt es nur zu sagen. ;)
    Und dann als Vergleich dazu, was dich das eigentlich kostet. Inklusive der verbrauchten Zeit und so weiter.

    Würde auch bestimmt viele Autoren interessierten, die auch sowas machen wollen.

    Liken

  2. Übrigens geht es heut in der Werbung gar nicht mehr drum, ob man sie Werbung aktiv beachtet. Der Zug ist mit der massiven Umstellung des Gehirns, die vor 50-60 Jahren stattfand, schon längst abgefahren. (Um mit dem Überfluss an Input klarzukommen, hat sich das Hirn quasi eine Art Spamfilter installiert. Das ist auch der Grund, warum wir in asiatischen Großstädten nicht zuckend zusammenbrechen. ^^)

    Heute geht es um unterschwellige Botschaften. Darum an welche Marke und welches Produkt man sich am besten erinnern kann, wenn man vor den Ladenregalen steht. Was man in der Suchmaschine eingibt, wenn es nicht „Vergleichstest“ ist. Um Melodien. Farben. Formen. Situationen.
    Die beste Werbung ist die, bei der man gar nicht bemerkt, dass man sie bemerkt.

    Und das ist auch der Weg, den Werbung im Internet zwangsläufig gehen wird.
    Denke ich zumindest.
    Fragt in 20 Jahren nochmal. Dann sag ich „Ich hab”s euch ja gesagt.“ :D

    Liken

  3. da wir ja nur 10% unseres gehirn nutzen, hätte es doch noch 90% platz für werbung…den nobelpreis und ein vermögen für jenen, der den werbe-weg zu diesen 90% findet….

    Liken


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.