So funktioniert investigatives Bloggen

090330ariana-huffingtonAus der Reihe: Tageszeitungen, und ihr dahinschmelzender Vorsprung. Die in Athen (Griechenland) geborene US-Jornalistin Arianna Huffington (siehe Pic) gründete vor knapp vier Jahren das politische Blog „The Huffington Post“. Unter Web-2.0-Experten (was auch immer das sein soll) wird der Wert der Onlinepublikation jetzt auf 100 Millionen US-Dollar geschätzt.

Winziger Nachteil des beliebten, wenn auch in den USA als „liberal“ (dort ein schlimmes Schimpfwort, sorry, Guido) angesehenen Blogs: Fast keine Einnahmen.

Wie soll man mit dem bischen Werbung investigative Journalisten bezahlen?

Zur Begriffserklärung: Ich weiss, dass manche Leser „The 11k2“ für investigativ halten, aber letztendlich tu ich nichts anderes, als bereits vorhandene Meldungen zu sammeln und zu kommentieren. Richtig Leuten auf die Nerven gehen, um neue, bisher nicht veröffentlichte Informationen zu erhalten, das überlasse auch ich den Reporternaturen in meiner Branche. Wenn aber jemand wochenlang nachforscht, um letztendlich eine einzige Story daraus zu schreiben, lässt sich das nicht adäquat im Web vermarkten: Die Story generiert garantiert nicht genug Klicks, um den Reporter via Anzeigenumsatz am Leben zu halten.

Was macht Frau Huffington? Sie gründet eine Stiftung, „The Huffington Post Investigative Fund“. Zu den Financiers gehören die Atlantic Philanthropies und das American News Project, bisher liegen 1,75 Millionen USD in der Kasse. Und davon kann man das auf zunächst zehn Köpfe geplante Reporterteam sehr wohl eine Weile anständig bezahlen. Ist also der Fond ein Ausweg aus der „Zeitungskrise“? Wenn er zu neutraler, fundierter Berichterstattung führt, ja.

(meldung auf huffpost)

6 Gedanken zu “So funktioniert investigatives Bloggen

  1. neutral – ha ha ha.

    ist immer nur eine frage von wer bzw. welche firmen, org’s etc. in die jeweiligen („unabhängigen“) stiftungen einbezahlen.

    sobald man auf irgendwelche „investoren“ angewiesen ist kommt immer das gleiche „wes brot ich ess. . . .“ spielchen ins spiel.

    und dann ist es im prinzip schon wieder für’n lokus das ganze!

    man siehe:

    [ The Huffington Post venture is reminiscent of ProPublica, a nonprofit independent newsroom funded by The Sandler Foundation and headed by Paul Steiger, former managing editor of The Wall Street Journal. ProPublica works with a $10 million budget. ] aus der huffington selbst. . . .

    und wer sind diese Sandlers der „The Sandler Foundation“?

    [ The third wave in American journalism—that of the foundation press—may be taking form now thanks to Bay Area billionaires Herbert and Marion Sandler. Waving $10 million that they promise to replenish annually, the Sandlers have founded the nonprofit ProPublica to produce investigative journalism. (Usual suspect the John D. and Catherine T. MacArthur Foundation is also chipping in some money to the ProPublica kitty, as are the Atlantic Philanthropies and the JEHT Foundation.) ] http://www.slate.com/id/2175942/

    meine meinung dazu ist ganz einfach (und ob man mir deswegen polemik unterstellt ist mir ehrlich gesagt absolut scheißegal):

    „da wo „MILLIARDÄR“ draufsteht ist korruption drin, bzw. auf kurz oder lang vorprogrammiert“!!!

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  2. Als Reporter wird man in den meisten Fällen ohnehin nicht reich.
    Ich muss ehrlich sagen ich bin über diese Geschichte nicht wirklich informiert, aber ich habe hier und in noch zwei anderen Blogs davon gelesen und mich gefragt: Warum hat die Frau Huffington nicht einen anderen Distributionskanal für ihre Storys gewählt? Damit ließe sich sicher leichter Geld machen als mit einem Blog.

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  3. Knallbonbon, du bist ein schrecklicher, unverbesserlicher idealist und romantiker, ist dir das klar? Deinem Absolutheitsanspruch wird im Diesseits kaum etwas genügen. Alles was wir hier kriegen, ist relativ, besser oder schlechter. Huffington ist bereits viel besser als die durchschnittliche Mainstream-Nachrichtenschleuder.

    Kati: Welchen anderen Distributionskanal? Papier? TV? CDs? Alles grade mit Aussterben beschäftigt… und Geld machen geht in der Medienindustrie eigentlich nur mit Unterschichtenprogramm, nicht mit Journalismus. Letzteren betreibt man nur aus Leidenschaft.

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  4. Ich meinte eigentlich, sie hätte ihre Storys auch Zeitungen/Magezinen/anderen Medien anbieten können. Darüber hinaus bin ich nicht der Meinung, dass Papier (bzw. Printmedien) ausstirbt. Es ist immer noch das haltbarste Medium überhaupt. Und ich glaube nicht, dass sich eine gedruckte Tageszeitung bzw. ein Magazin so schnell verdrängen lässt. Ich weiß, in Krisenzeiten wie momentan sieht die Situation der „traditionellen Medien“ immer recht düster aus. Aber ich bin grundsätzlich optimistisch. Es wird sicher viele Veränderungen geben, Journalismus wird mehr und mehr zu geistiger Fließbandarbeit, cross-media-productions werden Standard und den „Printjournalisten“ an sich wird es wohl auch nicht mehr lange geben. Das alles heißt für mich jedoch nicht, dass gedruckte Medien aussterben!

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