Einsparungen durch sozialere Politik

090404homelessdevelop_1811_eastlakeVor drei Jahren begann in Seattle, USA, ein soziales Experiment mit dem Namen 1811 Eastlake. Unter dieser Adresse am Cityrand beherbergt ein Apartmentkomplex etwa 100 chronisch Alkoholsüchtige, die meisten davon zuvor obdachlos.

Neu ist hier, dass man die Alkoholiker umsonst wohnen lässt, ohne ihre Sucht in Frage zu stellen: Sie dürfen soviel trinken, wie sie wollen. Kein Gefängnis, keine Zwangstherapie, keine Massenunterkünfte. Und ja, irgendwie wird der Schnaps auch von der Kommune bezahlt.

Was passierte seither? Einige starben, einige trinken jetzt weniger, manche haben ganz mit dem Alkohol aufgehört, alle führen ein irgendwie menschenwürdiges, selbstbestimmtes Leben.

Der für die Öffentlichkeit wirklich „wichtige“ Punkt: Jeder der Bewohner verursachte vor „1811 Eastlake“ Kosten für die Allgemeinheit in Höhe von durchschnittlich 4066 US-Dollar. Polizei, Notaufnahme, Medizin, Obdachlosenasyl. Nach sechs Monaten Versuchslaufzeit kostete jeder im Durchschnitt 1492 US-Dollar, nach 12 Monaten noch 958, das ist rund ein Viertel. Nachgerechnet: Seattle sparte über eine Million US-Dollar.

Und einhundert Seelen waren weg von der Strasse, weg aus dem Elend (Falls das jemanden interessiert). Nehmt das, neokonservative Hardliner.

Im Licht dieses und anderer Berichte fordere ich die ersatzlose Streichung des deutschen Betäubungsmittelgesetzes (BtMG), und die Einrichtung solcher Wohnprojekte für alle Suchtkranken. Schon, um Geld zu sparen. Das wir dringend für Kindergärten, Schulen, Unis benötigen.

( furiousseasons via neatorama)

4 Kommentare

  1. Wobei eine echte psychotherapie Therapie — als Angebot, nicht als Zwang — eine gute Sache für die Leute wäre. Auch wenn es ihnen dadurch nur ein bisschen besser geht, und sie ein etwas schöneres/sinnvolleres Leben haben.

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  2. Sieht man mal wieder, dass nicht Zwang sondern Selbstbestimmung die Lösung ist. De Mensch „an sich“ ist doch nicht so schlecht und zurückgeblieben, wie die Konservern, äh Konservativen uns eintrichtern wollen.

    Ob einer von denen mal diese Kommune besucht hat? Würde mich mal interessieren….

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  3. Interessante Untersuchung, die kannte ich noch nicht… Aber bestätigt, was ich im Gefühl hatte und nie beweisen konnte… Danke für den Beitrag…

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  4. Es gibt auch in D-Land Projekte solcher Art, unter anderem unterhält die katholische Kirche (wer hätte das gedacht) seit Jahren so eine Einrichtung in Hamburg. Die Ergebnisse sind denen aus Seattle übrigens recht ähnlich.

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