Zeitungschefs diskutieren Überlebensstrategie

090406publishing-newspaperDie Zeitungskrise ist ja streng genommen nichts Neues, sondern nur der aktuelle Stand einer über zehn Jahre langen Entwicklung. Jetzt treffen sich die Chefs bedeutender Zeitungsverlage im kalifornischen San Diego, um Auswege zu diskutieren. Der Media Consultant Alan Mutter beschreibt in seinem Blog Newsosaur die Verzweiflung der Verlagsleiter.

Man zerbrichts sich die Köpfe, wie man…
– einen Teil des jährlichen 100 Mio. USD Umsatzes auf Craigslist zurückbekommen
– von Newsaggregatoren Geld für die News bekommen
– einen Teil der jährlichen 10 Milliarden Suchmaschinenumsätze kriegen
– für Online-News vom Leser Geld verlangen können.
Ich bin mir völlig darüber im Klaren, dass auf mich eh keiner hört (Naja, doch…), aber die Antwort heisst hier immer: Nein. Garnicht.

Online Content zu verkaufen, egal mit welchem Geschäftsmodell, ist sinnlos. Mag sein, dass es irgendwann eine Pauschalabgabe auf Internetanschlüsse geben wird, aber diese wird sicher nicht fallende Anzeigenerlöse ausgleichen können.

Die Situation der Zeitungen ähnelt nur ungefähr der Problematik der Unterhaltungsindustrien. Weil sie zwar rechtzeitig erkannt haben, dass man Inhalte im Weg nur kostenlos verteilen kann, diese aber im Angesicht des aktuellen wirtschaftlichen Jammertals trotzdem nicht vermarkten können.

Also? Der Ausweg? Ich sage: Keiner. Die goldenen Zeiten sind für Verlage vorbei. Und damit auch für Journalisten wie mich. Und schuld ist daran niemand, als die unaufhörliche Weiterentwicklung der Technik, die zuerst kontrollierbare Vertriebsmodelle für Text ermöglichte (Papier, Druckmaschinen) und dann kostengünstige, aber unkontrollierte (Internet, Digitalkopie).

So wie die Einführung der Massenproduktion weite Teile der Handwerkerpopulation arbeitslos machte (wer kauft noch Schuhe beim Schuster?), wird die Massen-Informations-Verteilung der elektronischen Medien Teile der Verlagsindustrien als überflüssig zurücklassen.

Ich finde, wir sollten uns deswegen aber keine Sorgen machen. Es ist eine Transformation, kein Niedergang. Kein Problem: Dann verdiene ich eben kein Geld mehr mit Text, sondern mit etwas anderem, und schreibe weiterhin in meiner Freizeit Blogs voll. Oder, was meint ihr?

( newsosaur via gawker)

6 Kommentare

  1. Und wieso funktioniert das Online-System der Zeitungen nicht wie das bisherige? Einfach die taegliche Zeitung Online verfuegbar machen fuer 10cent oder ein Abo fuer die Zeitung im Netz. Kosten sind geringer da kein Materialaufwand und die Verfuegbarkeit wird ueber das ueberall angewandte Login gewaehrleistet.
    Waere es wirklich so schlimm, wenn so etwas etabliert werden wuerde?

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  2. > Online Content zu verkaufen, egal mit welchem Geschäftsmodell, ist sinnlos.

    Sorry, aber da muss ich dir widersprechen. So allgemein kann man das nicht sagen. Was sinnlos ist, ist etwas verkaufen zu wollen, was es woanders für Lau gibt, oder das kostenlos kopiert werden kann.

    Was dagegen sinnvoll ist, ist, Nachrichten und dergleichen als Dienstleistung (wie Software) zu sehen, und eine Dienstleistung anzubieten, die tatsächlich Geld wert ist, und es nicht einfach so woanders gibt, weil es auch da Geld kosten würde, das zu erschaffen.
    Oder in drei Worten: Ein fairer Deal.

    Und da macht man es wie üblich:
    1. Was kann ich besonderes?
    2. Wem ist das am meisten wert?
    3. Handeln (Ja, das ist Schritt 3! :D)
    4. Profit!

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  3. Also ich zähle dich nicht zur Verteilungsindustrie. DU bietest ja Mehrwert.

    Was bestimmt extrem interessant wäre, wäre wenn du hier eine kleine Umfrage einbauen könntest, was den Leuten der Zugriff zum Blog, so wie er jetzt ist, pro Monat Wert wäre. Also was würden sie geben, um weiterlesen zu können?
    Extrem wichtig dabei, ist dass du die Leute einen Wert selber eingeben lässt. Keine Vorgaben. keine schwarz-weiss Entscheidungen. Wer einen Cent pro Monat angeben will, kann das tun.
    Dann erzeugst du einfach einen Verteilungsgraphen draus (müsste eine gaußsche Verteilungskurve werden), und du wirst dich wundern, dass dein Mehrwert doch tatsächlich mehr wert ist, als du dachtest.

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  4. kurze zwischenfrage:

    kommen die alten verlagsherren vielleicht mal auf die idee, dass der niedergang auch etwas mit der qualitaet der berichterstattung zu tun haben koennte? nur, um moeglichst umfassend manipuliert werden zu koennen, muss ich doch kein geld ausgeben. bestes beispiel ist der spiegel, der seine besten tage laengst hinter sich gelassen hat und derzeit nicht viel mehr ist, als eine art bild-zeitung fuer neoliberale hansel. vielleicht laufen den zeitungen ja die leser weg, weil sie erkannt haben, dass sie laufend eh den gleichen scheiss vorgesetzt bekommen und von der kontrollfunktion in einer demokratie nicht viel uebrig gelassen wurde.

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  5. @DerDa: Weil es versucht wurde, und nicht funktioniert hat. Sobald ein verlag anfängt, seinen Inhalt hinter eine Bezahl-Mauer zu stellen, gehen die Leser zu anderen, kostenlosen Angeboten.
    @BAReFOOt: Das mit dem Geschäftsmodell für 11k2 hat Zeit. Und wenn, dann denk ich eher an Merch (… 11k2-T-Shirts) als Abo.

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  6. […] Alles easy, der beklagte Niedergang der Branche ist doch nur eine Übertreibung. Warum nur treffen sich die Chefs US-amerikanischer Zeitungsverlage zu Krisenkonferenzen? […]

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