Religion zu diffamieren ist ein Grundrecht

080831mad_cowDarf man Religionen und ihre Symbole verhöhnen? Wie manche von euch sicher schon gehört haben, gab es kürzlich einige Aufregung um einen Antrag der 56 Mitglieder starken Organization of the Islamic Conference (OIC) und einen nachfolgenden Mehrheitsbeschluss des UN-Menschenrechtsrats. Was die Islamkonferenz wollte: UN-Mitgliedsnationen sollen sich verpflichten, die Diffamierung von Religion auf die gleiche Stufe zu stellen wie die Diffamierung von Menschen, etwa nach Geschlecht, Alter oder Herkunft.

Nun dürften wir uns darüber einig sein, dass niemand wegen seiner Religion zurückgesetzt werden darf: Es ist ein Grundrecht des Menschen, denn grössten Mist zu glauben. Nur: Die Herabsetzung einer Religion darf nicht verboten oder geächtet werden, nur weil einige rückwärts gewandte Angehörige verschiedener Religionen das fordern. Denn es sind ja nicht alle Angehörigen aller Religionen, die so überempfindlich reagieren, sondern jeweils die fundamentalistischen Funktionäre darunter.

Tatsächlich muss es möglich sein, Cartoons auf Kosten von Jesus, Moses, Mohammed, Konfutse oder Kühen (letztere werden von militanten Hindus fanatisch verteidigt) zu veröffentlichen, ohne dass deswegen ein Mensch diffamiert, oder angegriffen wird.

090417vaterdanielIch will hier zwei Beispiele geben. In einem rumänischen, christlich-orthodoxen Kloster starb gestern gestern vor vier Jahren die 23jährige Maricica Irina Cornici, nachdem sie drei Tage lang an ein Kreuz gefesselt hing, mit einem Knebel versehen, ohne Wasser und Nahrung in einem kalten Raum. Erste Berichte nennen als Todesursache Erstickung. Der dafür verantwortliche Priester „Vater Daniel“ versteht nicht, warum die Presse sich aufregt: „Gott hat ein Wunder an ihr vollbracht, jetzt ist Irina vor dem Bösen gerettet“. Die nach Berichten unter Schizophrenie leidende junge Frau war in einem rumänische Waisenhaus aufgewachsen und auf eigenen Wunsch Nonne geworden. Ihre möglichen psychischen Störungen wurden dort als „Besessenheit“ identifiziert und mit einem „Exorzismus“ behandelt, der zu ihrem Tod führte.

Fazit: Vater Daniel, du bist eine Witzfigur, und die christliche Gemeinschaft sollte dich verantwortlicherweise ausschliessen. Damit du ohne „Trost“ im rumänischen Gefängnis verrotten kannst. (via bbc)

090417perrypaintjobZweites Beispiel: US-Amerikanerin Susie nahm einen Touristik-Job in der saudi-arabischen Stadt Jeddah an. Ganz schön mutig. Sie kaufte dort für ihren 16jährigen Sohn Adam eine CD der Sängerin Kate Perry, und erlebte beim genauen Betrachten des Covers eine Überraschung: Sämtliche unbekleideten Körperoberflächen Kateys waren bis zum Hals, den Knien und Ellbogen mit Filzstift übermalt, auch im Booklet der CD und in der eingelegten Rückseite (weitere Bilder auf Susies Blog).

Das bedeutet, der saudi-arabische Staat bezahlt Tugendwächter dafür, alle CDs (und andere westliche Kulturgüter) sorgfältig zu öffnen und Frauen in Freizeitkleidung zu übermalen. Und das, obwohl der Koran Frauen „ein Kleidungsstück“ empfiehlt (Sure 33, Vers 59), nicht etwa eine Burka oder irgendwas dazwischen, und zwar, damit sie weniger von Männern belästigt werden. Von Kopftüchern, Oberarmen oder Schenkeln ist im Buch nie die Rede, höchstes von zu bedeckenden Geschlechtsteilen (Sure 24, Vers 31). Das hat der Prophet (Friede sei mit ihm) ganz richtig niedergeschrieben: Die Männer sind das Problem. Diese sollten im Zweifelsfall lieber zu Boden schauen (Sura 24, Vers 30).

Was also treiben diese Tugendwächter da? Das unbedeckte Fleisch junger Frauen bemalen? Machts Spass? Ist es erregend? Auch hier sollte die musilimische Gemeinschaft verantwortlicherweise solchen Missbrauch ihrer Religion beenden: Frauen in Bikinis sind kein religiöses Problem, sondern eines der Männer und ihrer Schwäche. Und Männer, die den Koran vorschieben, weil sie sich beim Anblick einer hübschen Schnecke nicht mehr im Griff haben und sich peinlicherweise das Beinkleid besudeln, sind Witzfiguren. (via susies big adventure)

In beiden Fällen geht es um eines: Um den Missbrauch von Religion zum Erreichen von Macht und sozialer Bedeutung. Um diesen Missbrauch zu decken, wollen Hardliner aller Religionen ihre persönliche Weltanschauung und die Unantastbarkeit derselben in den Rang eines Grundrechts erheben. Es muss aber möglich sein, zu sagen: „Kühe sind die letzten Dreckviecher und taugen maximal dazu, Wurst draus zu machen“ (siehe Bild ganz oben), ohne dass ich wegen „Diffamierung des Hindutums“ vor Gericht lande. Weil es eine Unverletzlichkeit des Menschenwürde gibt, und unveräusserliche Grundrechte für jeden Menschen, ungeachtet Alter, Herkunft, Geschlecht, Religion. Und nicht für Ideen. Ja, richtig, ich verteidige gerade meine persönliche, abendländisch-säkulare Weltanschauung gegen meiner Ansicht nach mittelalterliche Bestrebungen. Egal, ob diese aus Rom, Mekka oder anderswo kommen. Fahrt zur Hölle, militante Witzfiguren. Glaubt, was ihr wollt, Leute. (via guardian)

6 Kommentare

  1. Zum arabischen Temprament möchte ich noch etwas sagen:
    Dieses ist ein weenig stärker als das typische deutsche, und die Triebe zurückzuhalten ist für einen solchen Südländer manchmal einfach ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht dass er’s nicht versuchen würde. Ich glaube wenn ein Deutscher mit der Macht an Trieben infiziert würde, würde er sofort darauf das nächste Lebewesen (egal ob Frau, Mann, Ziege oder Aliententakelviech) vergewaltigen.

    Deshalb braucht man da einfach etwas krassere Maßnahmen. Darüber schimpfen ist leicht, wenn man selber das Problem gar nicht so kennt.
    Wobei eine Burka auch übertrieben ist. Aber halt auch keine Miniröcke wo man das Höschen drunter sieht. Wenn man Triebe derart steuern könnte, wären es ja keine Triebe, nich?

    Frauen haben’s hier schon gut ruhig. :) Liegt vielleicht an der fehlenden Sonne.

    Gefällt mir

  2. „Um den Missbrauch von Religion zum Erreichen von Macht und sozialer Bedeutung.“

    Missbrauch? Dafür wurde Religion doch erfunden. ^^

    Gefällt mir

  3. Schöner Artikel zwar, aber leider fehlerhaft. Der Fall der Maricica Irina Cornici ist aus dem Jahre 2005, wie auch der angeführte bbc-Beitrag aus dem Jahre 2005 stammt. Die beiden größten Falle von Exorzismaus findest du sehr gut beschrieben bei Kirchensumpf. Dort ist auch nochmal die Reportage von Pro7 Galileo Mystery über Exorzismus zu sehen.

    Gefällt mir

  4. richtig, danke (korrigiert).

    Gefällt mir

  5. Ist schon lustig, wie die Fundis alle Couleur versuchen, sich gegen das 21. Jahrhundert zu wehren. Ich hoffe, sie haben keinen Erfolg. Sonst würde ich kopfgesteuerte Atheistenschnecke am Ende noch als qualmendes Stückchen Dreck enden.
    Hab ich echt keinen Bock drauf.

    Gefällt mir

  6. Ich finde es immer extrem lustig, wie „gemäßigte“ Kulturen, wie unsere, sich bei den radikalen Kulturen anbiedern müssen. Man sieht es doch jetzt gerade in Afghanistan.

    Westliche Kohlen – westliche Soldaten um eine Pseudo-Gewählte-Regierung am Leben zu erhalten … und dann diese frauenfeindlichen Gesetze. Die können ja machen, was die wollen – aber sollen gefälligst ihre eigenen Kohlen verdienen und nicht unsere reingepumpten Steuergelder.

    Was passiert denn, wenn Kohlen wegbleiben. Leben wieder im Zelt – ohne richtige Doktoren – und haben keine Kohlen für irgendwas.

    Klar – als intelligenter Taliban kommt man dann auf die Idee ein bischen Rauschgift anzubauen. Auch OK, aber kurz vor der Ernte werden die per Satellit georteten Felder mit süßen, kleinen Brandbomben weg-gebombt.

    Kommt billiger, als dieser dauernde Kniefall vor Hardlinern jeglicher Art. Mich kotzt so was an 8-)

    Gefällt mir


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.