Warum wir OpenAccess brauchen

090504fosamaxDas Pharma-Unternehmen Merck (of „Vioxx“ fame, siehe 11k2) bezahlte Elsevier, nach Eigenangaben „einer der führenden Wissenschafts- & Fachbuch-verlage“ dafür, eine Ausgabe des „Australasian Journal of Bone and Joint“ zu veröffentlichen. Darin Auszüge von Artikeln aus anderen Fachzeitschriften und ein ausführlicher Bericht über die unwiderlegbaren Vorzüge des Medikaments Fosamax (siehe Bild).

Trotz möglicher Nebenwirkungen (in den USA wird dazu gerade prozessiert) wird das Mittel gerne bei Osteoporose verschrieben. In einfachen Worten: Die angebliche Forschungsarbeit zu Fosamax (a.k.a. Alendronat) war eine reine Werbebroschüre.

Und der angeblich im Namen der Wissenschaft handelnde Verlag Elsevier nahm das Geld und schwieg. Natürlich sind solche Verlage und solche Hersteller gegen OpenAccess (siehe 11k2 zum „Heidelberger Appell“). Weil dann alle Arbeiten jedem zugänglich wären. Und man einfach viel schlechter betrügen kann.

( bioethics via boingboing)

3 Kommentare

  1. Jepp, Elsevier gehört zu den Wissenschaftsverlagen auf der dunklen Seite der Macht. Man muß sich nur das sonstige Geschäftsgebahren anschauen. Die Wissenschaftler, die die eigentliche Wertschöpfung leisten, werden hemmungslos ausgebeutet. Will man einen Artikel veröffentlichten, dann schreibt man den nicht nur, sondern setzt ihn im Prinzip auch gleich selbst, genauso unentgeltlich natürlich, wie er anschließend durch Fachkollegen begutachtet wird (nennt sich dann Peer-Review und ist völlig unbegründet ein Standardverfahren). Nebenbei zahlt man vielleicht noch für Druckkosten (z.B. Farbabbildungen), auf jeden Fall aber zahlt die Bibliothek horrende Gebühren für den Erwerb der Zeitschrift. Und wenn man sich den Artikel per Fernleihe kommen lässt, dann hat Elsevier ein super DRM System. Um den bezahlten (!) Artikel runterzuladen, muß man erstmal zwangsweise ein Programm installieren, das dafür sorgt, daß man den Artikel nur zehnmal lesen und einmal ausdrucken kann, und zwar nur einen Monat lang insgesamt. Außerdem muß man dazu eine Internetverbindung offen haben und kann das ganze nur auf den Rechner laden, mit dem man die Bestellung aufgegeben hat. Unglaublich, oder? Aber wahr. Deshalb, weg mit dem Peer-Review, dessen Nutzen eh nie glaubhaft bewiesen wurde, weg mit der Content-Industrie, Open Access immer und überall, Reduktion der Urheberrechte auf einzig und allein die wahren Urheber, nämlich die Wissenschaftler, Künstler, Musiker, Schriftsteller usw., nur auf diese und nur auf deren Lebenszeit.

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  2. Ich habe den Heidelberger Appell gelesen und muss sagen, dass die Argumente genauso fadenscheinig sind wie die Argumente manch anderer Industrie.
    Es geht auch hier um den puren Selbstschutz des eigenen Geldbeutels und nicht um den Schutz der Wissenschaft und Forschung.
    Aber es ist auch logisch: Wenn Forschungsergebnisse grossflächig nachvollziehbar werden, dann sind auch die Möglichkeiten besser ausgestattet, um Plagiate nachzuvollziehen.
    Und ich weiss durchaus, dass die Platzhirsche oben gerne an den Leistungen ihrer Untergebenen und Studenten teilhaben (ohne eine echte Leistung dazu beigetragen haben).
    Mit OpenAccess könnte sich der Wind etwas drehen und manch fürchten einfach um ihr „gemütliches“ Leben..

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  3. [ . . . könnte sich der Wind etwas drehen und manch fürchten einfach um ihr “gemütliches” Leben. . . ]

    tausche “gemütliches” mit „parasitäres“ – leben aus und du würdest der sache recht nahe kommen!

    füge dem weitere begriffe wie – „unredliches“, „unwürdiges“, absolut „unwichtiges“, vollkommen „überflüssiges“ und total „wertloses“ („parasitäres“ – leben) hinzu, und du würdest damit den nagel punktgenau auf den kopf treffen!

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