EU-Kommission drängt auf grenzüberschreitende Online-Musikshops

090526neeliekroesUnd das ist eine grosse Sache. Kurzfristig gesehen. Die EU-Wettbewerbshüter machen derzeit verschärften Druck auf die Verwertungs-gesellschaften (Gema, Sacem etc.), eine grenzüberschreitende, eu-weite Lizenzierung für Musik-Downloadshops zu ermöglichen. Bisher müssen Apple, Amazon und Co in jedem einzelnen EU-Land mit der dort allein-herrschenden Verwertungsgesellschaft verhandeln und auf deren Eigenheiten eingehen. Das wird inzwischen als Grund dafür angesehen, dass aktuell in Europa nur ein Bruchteil der Musikdownloads umgesetzt wird, wie in den USA. Wenn aber die nationalen Verwertungsgesellschaften ausgehebelt werden (wer sich weigert, gilt als Wettbewerbsverletzer, was auch mal eine Millarde Euro kosten kann) und eine EU-Regulierungsorganisation eingesetzt wird, verlieren die Gemas unserer Zeit endgültig den Anschluss an die digitale Gegenwart.

Und das ist gut so, verweigert doch z.B. die deutsche Gema die Vertretung von Songs, die unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht werden, da dies der Gema-Ansicht nach ein Zeichen für Amateurmusik sei. Auch hält die Gema bis heute daran fest, Pauschaleinkünfte (Radio, Discos, Kneipenmusik, Leerkassetten, CD-Brenner etc.) nur an diejenigen Komponisten auszuschütten, die in den letzte 24 Monaten eine physische Schallplatte veröffentlicht haben. Und dann auch nur zu 60 %, da 40 % aller Pauschaleinnahmen äusserst pauschal an Verlage gehen.

Was die EU-Kommission vorhat, bedeutet also mittelfristig ein Ende dieser Feudalwirtschaft. Langfristig dagegen bedeutet es: Garnichts. Fortschrittlich denkende Zeitgenossen werden mir zustimmen, wenn ich feststelle, dass digitale Kopien von irgendetwas kein Produkt sind und auch nicht verkauft oder vermietet werden können. Wenn man überhaupt für etwas Geld verlangen kann, dann für das Anbieten, Katalogisieren, Ordnen, also für eine Dienstleistung.

Langfristig gesehen werden sich Musikdownloadshops also dahin entwickeln müssen, hin zu weit niedrigeren Stückpreisen und Pauschalgebühren. Trotzdem muss ich Frau Neelie Kroes (siehe Bild), EU-Wettbewerbskommissarin, wieder einmal meine Anerkennung aussprechen. Weil sie etwas Richtiges vorhat. (via ap)

1 Kommentar

  1. […] und präzise erläutert. In Zeiten, in denen die GEMA ja scharf unter Beschuss ist – von der EU-Kommission, von ihren eigenen Mitgliedern, von Bloggern sowieso, ist es nur zu begrüßen, dass sich die […]

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