Wofür SEO gut ist

090614googleSearch Engine Optimization, eine Art Internetreligion des frühen 21sten Jahrhunderts. Worum geht es dabei? Einen möglichst hohen Google-Rank zu erschwindeln, damit man mit dem Link auf seine Website bei Google möglichst weit vorne gelistet wird, möglichst auf der ersten Ergebnisseite, möglichst auf Platz Eins. Wirklich, manche Leute leben vom Verkauf von Büchern zu diesem Thema und von der „Beratung“ dazu.

Beispiel: Als ich im November 08 (unter anderem) das Gadgetblog Gizmodo (deutsche Ausgabe) verliess (aus Gründen, die mit dem lizenznehmenden deutschen Verlag zu tun haben), hatten Bianca, Dieter und ich durch Konzentration auf Content (die Artikel) und Commmunity (die Leser) den Google-Rank auf 7 hochgeboxt (10 ist Maximum, Slashdot oder Microsoft hat 9, Heise 8, 11k2 hat nach 10 Monaten 6, 11tech nach nem Vierteljahr 4). Also jede Menge Google-Treffer. Das Gizblog wurde dann auf SEO-Tricks umgepolt: Produktnamen in der Headline, verstärkte Rück-Links („Farmen“) zu eigenen Artikeln, Wiederholen von angeblichen Trend-Themen. Gleichzeitig spart man am Inhalt, der kurz darauf nicht mehr vom Gründungsteam, sondern von einem einzelnen, sichtlich überforderten Volontär/Jungredakteur geliefert wird. Folge: Die Community wird nervös, der Google Rank fällt auf 5 bis 6 (schwankend). Was mit dem Traffic passiert, kann man sich an ein paar Fingern abzählen.

Ich sage: SEO ist Bullshit. Die Leute klicken, worauf sie Lust haben, und die Suchmaschine folgt den Klicks. Der Inhalt ist das Wichtigste, plus die Community und die Verlinkungen. Aber das ist eigentlich das Grundrezept für „antiken“ Journalismus: Die Leser überzeugen, und die Anerkennung der Mitbewerber gewinnen. Mehr ist nicht nötig.

5 Gedanken zu “Wofür SEO gut ist

  1. FE, ich muß stärkstens widersprechen. SEO – also das Wissen, wie man Webseiten aufbaut (Header, Description, Title-Tags, Content-Update-Zyklen, Verlinkungen etc.) ist extrem wichtig in der heutigen Zeit um überhaupt noch eine Webseite auf die erste Google-Suchergebnis-Seite zu bringen.

    Du vergisst, daß Du mit WordPress schon eine extrem SEO-Lastige Software einsetzt. Das Blog ist somit automatisch Search-Engine-Optimiert worden … und zwar mit den oberen genannten Themen. Da Du auch immer fleißig und regelmäßig neue (qualitativ hochwertige) Artikel schreibst, kommen die Links automatisch und die Besucher erfreuen sich am Content.

    Das gibt wiederum eine lange „Seiten-Verweildauer / XML-Abos / Direct-Hits“, was Google mittlerweile aufgrund der Toolbar-Rückmeldungen an den Zentralserver meldet.

    … und schon steht einer Spitzen-Position nix mehr im Wege.

    SEO ist also kein Bullshit. Du machst es ja selber … alles, was im SEO-Handbuch steht … aber halt automatisch und ohne Zwang… quasi natürlich 8-)

    Und genau das ist ja, was Google in deren Ranking-Alogarithmen berechnet.

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  2. Ja, Makkus, du hast natürlich (auch) recht. WP liefert relativ sauberen, übersichtlichen Code, und das mag der faule Google-Bot. Aber Artikel, Verlinkung, das ist doch erstmal Publishing und erst mittelbar auch von Einfluss auf die „SEO“-Eigenschaften der Website?

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  3. Richtig. Würdest du auf nem CMS arbeiten, hättest du nicht so viel Erfolg, zumindest aber keinen PR 6 (was schon SEHR BEACHTLICH ist, gratulation). Z.B. habe ich auf einer meiner Seiten (CMS) schon nach einer Woche PR 3 gehabt, wobei die Seite nicht released war. Andererseits auch eine Seite, die mit den meisten Content für einen speziellen Bereich liefert, aber partout seit Januar UNRANKED brach liegt (letzten Sommer PR 5). Google ist sehr komisch.

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  4. Dann haben SEO-Seiten und Flash-Seiten (Allgemeiner: Seiten ohne Inhalt, die nach dem Motto „ich hab hier schonmal ein Design, den Inhalt denken wir uns später noch aus…“ erstellt werden.) ja was gemeinsam. :)

    (Ja, ich bin der Meister der verschachtelten Sätze. ^^)

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  5. SEO führt zu genau dem, was wir jetzt haben: Zum Großteil für zitierbare Inhalte unbrauchbare Ergebnisse! Geiz geht vor Inhalt! Nicht die Features einer Kamera sind wichtig, sondern wo ich das Dingens für möglichst wenig Knete zu kaufen bekomme.

    Wenn ich nach Inhalten suche, kann ich mir Google sparen. Wikipedia wird eh immer als erstes angezeigt, wobei deren Qualität auch zumindest fraglich ist.

    Das Netz müsste neu gegliedert werden:
    Streng kommerziell (mit SEO und dergleichen Webalchemie mehr)
    und der Rest (Artikel, Infos, Lernen, Spaß etc. pp.) mit SEO-Verbot!
    Leider scheint Pay-Per-Click das einzige Verdienstmodell zu sein, das funktioniert (außer einmalig die milliondollarhomepage, natürlich).

    Und was Gizmodo angeht: Das war tatsächlich der erste Feed, den ich aus Mangel an Qualität wieder gelöscht habe… schlecht recherchierte und fehlerstrotzende Beiträge. Da machte letztendlich selbst das anspruchslosere Lesen keinen Spaß mehr.

    Nun ja, der Markt wird’s regeln… vorausgesetzt, der „Leser“ bleibt mündig, wach und interessiert.

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