Trent Reznor: Was ich als unbekannter Musiker tun würde

090711trentreznor300Der Nine Inch Nails Frontmann äusserte sich im Bandforum lobend über den Onlineshop der Beastie Boys, und erntete von den Fans Widerspruch im Sinn von:

„Alter, du und deine Beastie-Kumpels, ihr seid schon berühmt und könnt deswegen alle möglichen coolen Online-Sachen machen, von MySpace bis zur Pirate Bay, aber was ist mit uns unbekannten Musikern? He?“

Weil Trent schon in einem Interview neulich so was ähnliches erzählt hatte, konnte er im Bandbus schnell ne vernünftige Antwort tippen. Die geht im Wesentlichen so:

„Wenn du ein unbekannter oder nicht sehr bekannter Künstler bist und Aufmerksamkeit und Erfolg haben willst, gibt es zwei Wege für dich: Für den Mainstream-Mega-Erfolg kleb dich an die Major-Labels und mach dich darauf gefasst, dass sämtliches Geld, die kreativen Entscheidungen und die Rechte an die gehen.

Wenn du aber dein eigenes Ding vorhast: Vergiss die Vorstellung, mit Tonträgerverkäufen echtes Geld zu verdienen. Mach ne tolle, aber billige Aufnahme und verschenk sie, als MP3s in hoher Qualität. Du willst, dass die Leute dir zuhören. Also arbeite mit TopSpin oder TuneCore oder zieh deine Website selber auf. Sammel die Emailadressen deiner Fans, damit du eine Mailingliste aufziehen kannst. Mach ein Fanpaket und biete es in limitierter Auflage an, etwas, das du auch gerne von deiner Lieblingsband kaufen würdest. Verkauf T-Shirt, Plakate, Buttons. Überleg dir vorher, was du mit all dem einnehmen wirst, dann weisst du, was du für die Aufnahmen ausgeben kannst.

Der Punkt ist: Musik ist heute umsonst, egal, ob du das glaubst oder nicht. Also gib den Leuten direkt, was sie wollen, damit du den guten Ruf abkriegst und nicht die P2P-Plattform. Und du kannst ihre Emailadressen sammeln, etwa durch die Registrierung für den freien Download.

Macht euch eine MySpace Seite, und dazu unbedingt eine eigene, auf einer eigenen Adresse, ohne Flash, ohne Ladezeiten, einfach zu navigieren. Macht ständig was neues drauf, damit die Leute immer wieder kommen. Neue Musik, Fotos, Blogeinträge. Diskutiert mit euren Fans in den Kommentaren. Macht einfache Videos und postet sie, verwendet die kostenlosen Webtools wie Twitter, Flickr, SoundCloud, YouTube, Vimeo. Spielt Konzerte. Hängt euch an keine Trends.

Um das alles machen zu können, musst du dich mit dem Web 2.0 wirklich auskennen. Wenn du das nicht tust, finde jemanden, der dir hilft. Und warte nicht auf den Anruf von einem Agenten oder einer Firma.“

Klingt alles vernünftig, der Mann weiss, wovon er redet, und auuserdem sagt er, dass er dazu nen zweiten Teil schreiben will.
(nin forum)

19 Kommentare

  1. Als kleiner Musiker muss ich sagen, dass ich es super finde, dass er nichts auslässt. Das ist kein oberflächliches Gelaber. Der Mann redet aus Erfahrung. Und ich weiss aus Erfahrung, dass das so auch klappt. :)

    Gefällt mir

    • Das Ding ist aber eben, je beliebter das Web wird, desto besser muss deine Vermarktungsstrategie auch im Web sein und das kostet wiederrum Kohle. Letztendlich läuft es auf eines hinaus und das ist Startkapital. Also entweder man bitte die großen es einem zu geben oder eben nen kleinen – aber ist ja wohl klar, dass die großen auch mal klein angefangen haben!

      Gefällt mir

      • Das stimmt nicht, man bekommt im Web vieles umsonst oder günstig. Eine Webpräsens mit 3 Domain gibts es schon für 4 € pro Monat. Jetzt liegt es am Künstler seine Page selbst aufzusetzen, jemanden um Hilfe zu bitten oder sie aufsetzen zu lassen.

        Gefällt mir

  2. Wirklich vernünftig ist die Aussage der eigenen Website. MySpace ist zu 100% absoluter Ramsch, sieht immer beschissen aus, ist absolut unübersichtlich und hat mir bis jetzt noch nie wirklich geholfen wenn ich mich über eine Band oder eine/n KünstlerIn informieren wollte – nie.

    Gefällt mir

    • die myspace seite ist dann ramsch wenn man sie nicht gestalltet
      mir hat myspace music geholfen kontakt zu musikern und porducern in der ganzen
      welt zu bekommen und mit vielen dieser leute habe ich schon zusammen gearbeitet
      das zauberwort heiißt netzwerken
      wenn das ziehl natürlich „the dome“ nutten und koks heißt ist das der falsche weg
      ;-)

      Gefällt mir

    • Das mag zum Teil stimmen, jedoch ist eine MySpace-Präsens wichtig, damit man dich findet. Eine eigene Hauptseite ist natürlich unabdingbar. Man sollte auf allen wichtigen Portalen vertreten sein.

      Gefällt mir

  3. Also ich habe auf Myspace bisher paar mp3s rippen können, die ich sonst nirgendwo fand ;)

    Gefällt mir

  4. Manchmal glaub ich Fritz liest in etwa die gleichen Sachen wie ich, nur mehr.
    Bin auch heute Mittag hier drüber gestolpert, dachte aber nicht daß es für 11k2 besonders interessant ist. Hab ich mich wohl geirrt… =)

    In diesem Zusammenhang ist sicher auch interessant, was Amanda Palmer von den Dresden Dolls zum Gelderwerb für Indie-Musiker schreibt:

    http://mikeking.berkleemusicblogs.com/2009/06/23/how-an-indie-musician-can-make-19000-in-10-hours-using-twitter/

    Oder blieb das nun im spam filter hängen?

    Gefällt mir

    • super artikel in dem link.

      jungen musikern die sich mit dem gedanken rumschlagen sich einen major-vertrag um den hals zu binden sollten die folgenden fazit-zeilen (vor allem die letzte) am ende des artikels zu denken geben:

      TOTAL MADE THIS MONTH USING TWITTER = $19,000

      TOTAL MADE FROM 30,000 RECORD SALES = ABSOLUTELY NOTHING.

      also 30,000 verkaufte tonträger – UND daraus NICHT ein einziger CENT EINNAHMEN für den SCHAFFENDEN KÜNTSLER selbst!

      man rechne:
      30 000 x 16 (€ oder $ als durchschnittlichen preis einer neuen, frisch auf den markt geworfenen CD) = 480 000 (€ oder $)

      also eine knappe HALBE MILLION (€ oder $) und nicht ein einziger cent davon geht an den KÜNSTLER!!!

      Gefällt mir

  5. . . .früher warens MC-tapes, eigen-pressungen in kleinen stückzahlen, VHS und DATs (das WWW war in seinen anfängen – aber nur wenige nutzten es) – und beim aufkommen der selber-brennbaren silberscheiben – eben halt CDs (und bis ende der 1990ziger mit schwindendem anteil immer noch tapes und DATs.), wenig später auch DVDs – und alles lief natürlich per post und mail-order.

    wie meinen denn die jugendlichen leutchen heute, das solche bands und projekte wie eben NIN, oder vorher die stilrichtungen REGGAE, PUNK, WAVE, U-ground POP, RAP, HIP HOP, thrash- black- deathmetel (in all ihren ausformungen und spielarten) – oder zB. die ganze seatle grunge posse (mit zB. nirvana, soundgarden, mud honey etc. etc. etc.) – oder/bzw. generell die ganzen underground musiken (und musiker) – auch im elektronischen bereich – bekannt wurden und aufstiegen?

    genauso wie heute wurde es gemacht. nur halt über TAPETRADE (ist das wort)!!! zT. über viele jahre hinweg. desweiteren wurden fan-konzerte organisiert (zB. in deren kellern, garagen, gärten usw.), t-shirts und flyer wurden bedruckt und über mailinglisten verschickt etc. NUR MIT DEM IMMENS RIESIGEN UNTERSCHIED ZU HEUTE – das damals alles viel viel viel schwieriger zu bewerkstelligen war (alleine schon die organisation und koordinierung des ganzen – und vom geld wollen wir lieber erst gar nicht anfangen)

    viel schweiß, blut und tränen wurde in die aufbauarbeit gesteckt. . .

    . . .um dann von den sog. „Major-Labels“ erst ab-gerippt, dann vergewaltigt, im anschluss daran in grund und boden gestampft und schlussendlich zu tode geritten zu werden – bis es keiner mehr hören und/oder sehen konnte bzw. wollte (aber natürlich haben die unersättlichen gierhälse nicht vergessen noch die leichen zu fleddern und meist etwas später noch die knochen abzunagen (zB. in form von immer neuen compi’s, speudo jubiläums festivals, künstlichen revivals und zwangs-reanimationen irgendwelcher abgewrackten, von der industrie zusammengeklatschten und gesteuerten (show)-bands und „künstler“ (die teils durch jahrelange knebelverträge dazu gezwungen wurden / teils des reinen geldes wegen / und teils weil sie sonst auch nicht mehr wussten was sie sonst noch treiben sollten als mitzuspielen, gute miene zum bösen spiel- und auf glorreiche neue tage zu machen und rumzuhampeln – bis die revival-und-jubiläums-blasen halt irgendwann einmal platzten und die fans neuerlich beim kotzen angelangt waren!!!

    . . .heute hingegen ist alles mp3, ogg, flac, etc., computer, teils vorgefertigte websites und WWW. . . (schnell, relativ frei und vor allem anderen: KOSTENGÜNSTIG). . .

    alles nur wenige mäuse-clicks entfernt, schnell downloadbar, bequem zu erreichen. . . (und demnächst alles per ultra-highspeed jenseits von 16, 25, 50 und 100 MBs)

    was wollt IHR denn noch???

    ahhhhhhhh, ich weiß schon. . .

    . . . aber am arsch faul rumsitzen und auf die kohle warten ohne was dafür anzubieten ist nich drinne (außer ihr werdet kleine dreckige, stinkende, lügende, korrupte, rückgrat- und ehrlose manager-parasiten und/oder polit-clowns)

    also auf ihr jungen-(hüpfer)-künstler! macht man hinne – zeigt mal was ihr könnt!

    DAS NETZ SCHLÄFT NIIIIIIIIIIIIIIIIE………….!

    ;-) :-)

    Gefällt mir

  6. […] Trent Reznor: Was ich als unbekannter Musiker tun würde […]

    Gefällt mir

  7. Ich finde es sehr gut, daß Reznor neue Vertriebsmodelle ausprobiert, habe aber trotzdem drei kritsche Anmerkungen:

    1) Er sollte dabei aber nicht verschweigen, daß er bis jetzt gemischte Erfahrungen mit seinen Experimenten gemacht hat. So bezeichnete er seine Erfahrungen mit dem Dowload eines von ihm produzierten Saul Williams Album gegen freiwillige Bezahlung als „entmutigend“. Der überwiegende Anteil war nicht beraut auch nur $5 zu zahlen.

    http://news.cnet.com/8301-10784_3-9847788-7.html?tag=mncol;txt

    Eine Erfahrung, die so ähnlich auch Radiohead gemacht hat. Die oft zu hörende Vermutung, daß Fans ihre Musiker schon freiwillig unterstützen würden, ist also eher fragwürdig.

    2) „Limitied Editions“ und „Bonuspacks“ laufen sich IMHO recht schnell tot. Diese sind nur interessant solange sie noch selten sind, und irgendwann sind den Käufern einfach die „Yps mit Gimmick“-Ausgaben über.

    3) Es geht doch ohnehin um die Musik. Warum soll ich einen Musiker also zum Oberbekleidungshändler degradieren, und bei der Bestellung einer CD meine Konfektionsgröße angeben, um ein T-Shirt zu kaufen, daß ich nicht haben wil, wenn mir seine Musik etwas wert ist? Wäre es da nicht besser, direkter und logischer einfach für die Musik zu bezahlen?

    Gefällt mir

    • zu punkt 1: trent reznor war von den verkäufen enttäuscht, saul williams allerdings nicht einmal ansatzweise. er hat das experiment als vollen erfolg betrachtet, mit dem er mehr als mit jedem anderen album auf herkömmlichem vertriebsweg eingenommen hat. zwei perspektiven – zwei meinungen.

      Gefällt mir

    • Du darfst nich davon ausgehen, dass ein heruntergeladenes Album gleichzusetzen ist mit einem portentiell gekauften Album. Oft laden sich Fans Alben doppelt runter oder sie hätten es eh nie gekauft, wenn sie es nicht für umme bekommen hätten. Wichtig wäre zu wissen wie viele es gekauft hätten, wenn sie es nicht für umsonst bekommen hätten.

      Gefällt mir

  8. Was würde Trent Reznor machen, wenn ihn niemand kennen würde?…

    Als bekannter Akt hat man es leicht, seine Musik zu verschenken – man verdient ja genug an seinen Fans. So lautet zumindest der Grundtenor im Internet. Auch bei denen, die ihre Werke eher unfreiwillig zum kostenlosen Download „anbieten“, wurde bisher…

    Gefällt mir

    • Das ist nicht richtig. Was wären unbekannte Acts früher ohne Radio & Co + Hometaping gewesen. Warscheinlich immer noch unbekannte Acts.

      Ich wäre ja für kaufe T-Shirt, bekomme CD zum Download. Hat den Vorteil, dass die Fans gleich zusätzlich zur CD gleich noch den Bandnamen durch die Gegend tragen.

      Gefällt mir

  9. […] […]

    Gefällt mir

  10. […] So sieht das für viele Medien aus. Man sollte immer im fairen Dialog mit seinen Fans stehen. Das Verhältnis aus geben und nehmen muss stimmen. Wie das im Bereich Musik aussehen kann zeigt Trent Reznor von Nin. […]

    Gefällt mir

  11. […] Ein Artikel den ich allen selbstproduzierenden Musikern empfehlen kann. […]

    Gefällt mir


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.