Kindlegate geht weiter: Welche Bücher verschwinden als nächste?

090722fahrenheit451

Nachdem Amazon auf Verlagswunsch die Orwell-Klassiker 1984 und Animal Farm von den Kindle-Lesegeräten seiner Kunden gelöscht hat, will die Öffentlichkeit natürlich wissen, ob das Versehen, Zufall oder Absicht war. Hier vertreten durch Peter Kafka vom Wall Street Journal, der eine ganze Serie von Anfrage an Amazon schickte, um die Sache zu klären. Er erhielt keine Antwort. Also formulierte er sie selber: Amazon behält sich das Recht vor, bereits gekaufte Produkte nachträglich vom Kindle-E-Reader zu löschen. Ohne Vorankündigung.

Meine Damen und Herren, hier sehen wir die Industrieversion des Informationszeitalters in voller Aktion. Die Industrie (hier: Amazon in Tatgemeinschaft mit Barnes & Noble) verkauft Produkte, nimmt das Geld, gesteht dem Konsumenten aber kein Eigentum an der Ware zu. Weil das fiktive „geistige Eigentum“ ja noch beim Distributor läge. Da sehe ich mal nur einen vernünftigen Ausweg: Nämlich das Recht auf Privatkopie in vollem Umfang zu nutzen.

Entsprechend muss man richtigstellen: Das Internet, und die ganze digitale Welt darf kein rechtsfreier Raum werden. Bisher galt das Recht selbverständlich auch in der digitalen Sphäre, das soll aber nach dem Willen einiger Konzerne anders werden. Dem muss man entgegentreten. Die Piratenpartei macht da schon einen recht guten Job, muss sich aber noch klarer ausdrücken: Es geht darum, dass dem Bürger nicht immer noch mehr Rechte weggenommen werden dürfen, zugunsten Einzelner.

( wsj via bbgadgets)

13 Kommentare

  1. Zudem Barnes und Noble gestern seinen eigenen E-Book-Shop eröffnet hat. Da passen die Sachen natürlich pikant zusammen, zumal B&N beabsichtigt, auf einen Konkurrenz-Reader und nicht den Kindle.
    Alles sehr seltsam.
    Wie ist das denn, wenn man bei Amazon ein solches Buch kaufen würde und das „Nutzungsrecht“ nach zwei Jahren plötzlich erlischt, weil Amazon und der Verlag sich plötzlich im Streit trennen? Ist das Buch dann auch weg und das Geld dazu? Sehen wir es doch mal so, heute ist der finanzielle Aspekt dieses Vorfalls vielleicht noch klein, da momentan der Absatz an E-Books noch in einem überschaubaren Rahmen verläuft. Aber in ein paar Jahren hängen an solchen Vorfällen dann Millionen von Downloads, welcher Händler ist dann noch zu einer Entschädigung bereit, ausser in Form eines gleichwertigen Gratis-E-Books (darauf wird es dann als nächstes hinauslaufen)?
    Die grössen Firmen und Konzerne plärren immer, dass ihre Rechte missachtet und gebrochen werden, aber hier zeigt sich, dass keiner von denen wirklich weiss, was für Rechte eine Rolle spielen und gültig sind.
    Naja, vielleicht geht es ja mal soweit, dass sich die Rechteverwerter die Rechte so weit beschneiden, dass sie de facto nichts mehr verkaufen dürfen.

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  2. Eeem, Fritz… Das Internet ist deswegen so toll, *weil* es ein Gesetzesfreier Raum ist. Und das tollste daran ist, dass wir keine Gesetzte brauch(t)en. Denn wir haben genau eine Bestrafung für Verhalten das nicht vor der Gemeinschaft akzeptiert wird: Ausschluss. Also so etwa wie eine Ausweisung in RL.

    Das schöne ist, dass das keiner global (nicht mal für eine Seite) entscheiden muss, weil jeder die jenigen selber auf seine Ignore-Liste setzen kann.
    Ganz schlaue Systeme erlauben sogar einen Bewertungsvorschlag der Gruppe, den man dann annehmen kann, oder auch nicht. (Beispiel: Slashdot)

    Und „Rechte“ sind ja nur das Konzept, dass die Gemeinschaft (je)dem Individuum gewisse Dinge zugesteht, auch wenn diese physikalisch nicht zwingend sind. Rechte hat man nicht. Rechte bekommt man.

    Das heisst: Wenn wir Amazon nicht dazu zwingen können, sich nicht zu benehmen, ist all unser Gerede über „Rechte“ bedeutungslos.
    Glücklicherweise lebt Amazon aber von uns(eren Einkäufen).

    Die Frage lautet also: Reicht das Verhalten von Amazon über die Grenze von genügend Internet-Bürgern, die sie dazu bringt, Amazon auf ihre persönlichen Ignore-/Boykott-Listen zu setzen, dass Amazon motiviert wird, sein Verhalten zu ändern?

    Wenn nicht, dann müssen wir uns an die eigene Nase fassen.

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    • Oh, da hat sich ein Fehler eingeschlichen. Es sollte natürlich heissen: „Wenn wir Amazon nicht dazu zwingen können, sich zu benehmen,“

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      • Du meinst jetzt nicht im eigentlichen Sin „das Internet“, sondern „die Internet-Community“. Für alles, was im „Internet“, aber ausserhalb der „Community“ ist, (i.e. „Amazon“), gibt’s glücklicherweise Gesetze.

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  3. eigendlich auch juristisch eine heikle sache die Amazon da getätigt hat. Mit dem kauf des Ebooks ist ja ein Vertrag zustandegekommen in dem der Kunde die berechtigung hat dieses Buch zu lesen. Entzieht man ihm im Nachhinein dieses Recht ohne das es schwerwiegende Gründe gibt gehts das schon nah an die Grenze in der man Amazon verklagen kann. Man hat das Buch ja vieleicht schon zur hälfte gelesen und steht jetzt plötzlich mit lehren Handen da.

    Ich kann ja auch nicht jemanden einen Palette Pflastersteine verkaufen (mit kleiner Anmerkung in den AGBs das ich das jederzeit wieder rückgängig machen kann) und diese Steine dann einfach irgendwann wieder abholen.

    Das ist eben das große Problem wenn man mit virtuellen „werten“ geschäfte treiben will…
    Wer keine Originale nutzt hats eben meist einfacher

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  4. geklärt müsste erst einmal werden A) hat amazon das digibuch (in eigenregie) verkauft (was bedeuten würde sie hätten vertriebsrechte an den büchern erworben) was beinhalten würde das sie die bücher selber verkaufen und die erlöse splitten (oder wie auch immer abgelten) – oder B) hat der verlag amazon nur als plattform benutzt (in dem fall hat amazon überhaupt keine mitsprache bei irgendwelchen rechten) um seine bücher an den mann zu bringen (und haben – bis auf den üblichen amazon %satz pro verkauf – den vollen erlös selber eingeschoben)?

    aber genau nach B) hört/liest es sich. und in dem falle hätte amazon nicht einmal eine andere wahl als die bücher von ihrer plattform zu nehmen (sprich: zu löschen) wenn der rechteinhaber dies verlangt.

    bedenklich ist die ganze aktion aber trotzdem ohne jegliche abstriche. und ist vor allem anderen auch wegweisend dafür das man sich grundsätzlich von solchen vertriebsmodellen der geschlossenen systeme fernzuhalten hat!

    sollen sie, der verlage und ihre autoren, ihre bücher doch selber lesen.

    wer jetzt noch geld ausgibt für so etwas, ist meiner ansicht nach würdig abgezogen, ausgenommen und verarscht zu werden! denn eines müsste jetzt mittlerweile fast schon jedem deppen klar einleuchten:

    dieses experiment ist im zuge dieser aktion geradezu grandios gescheitert!!!

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  5. Wenns anders rum auch ging würde ich mir sogar ein kindle holen. Also wenn man einfach ein buch zurück geben könnte udn dann das geld wieder bekäm, aber genau das geht bei solchen daten ja nunmal garnicht.

    Deswegen würde ich mir immer ein buch kaufen auch wenns nachher irgentwer zensieren verbieen oder sonst was will habe ichs daheim liegen. So ein digitales ist dann schnell weg!

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  6. naja, sehr schockiert kann ich irgendwie nicht sein… es kommt da ja immerhin auch drauf an, was man erwartet hat.
    krass wär’s dann, wenn das nach den nutzungsbedingungen nicht legal wäre.
    das ist imho die krux: was war vorher ausgemacht?
    kennt jemand den (kauf?-)vertrag für die ebücher bzw die agbs?

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  7. achja, und netter fahrenheit-seitenschlag! ;-)

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  8. Finde ich echt unmöglich sowas. Man könnte doch wenigstens informiert werden.

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  9. stell ich mir toll vor
    du liest 2 tage .. es wird so richtig spannend in der mittagspause
    du kommst nach hause machst den kindler an der geht online
    du klicks auf dein lesezeichen um die story weiter zu lesen und es kommt garnix
    weil das buch weg ist
    gelöscht von irgendwehm da aus dem internet

    mit der aktion haben die den kindle schonmal beerdigt

    wer kauft sich so ein dreck

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  10. […] hörte, der Verlag Barnes & Noble gar nicht die US-Rechte dafür hatte (siehe auch 11k2 hier und hier).  Alles sehr fragwürdig. Jetzt bat Amazon-CEO Jeff Bezos seine Kunden öffentlich um […]

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