Copyright auf Public Domain

090801HomerosWieder eine schöne Anekdote aus der Welt der Immaterialgüterrechte. Wie der wenig verwendete Begriff „Immaterialgüter“ eigentlich andeutet, geht es hier um Dinge, die nicht als solche existieren, sondern nur aus einer Definition bestehen. Eine davon, und keine unwichtige: Urheberrecht. Wenn jemand etwas erfunden hat, etwa ein Gedicht über Seerosen oder einen Motor, der mit Buttermilch läuft, soll er für eine gewisse Zeit den kommerziellen Nutzen aus seiner Erfindung haben. Da Poeten und Erfinder selten gleichzeitig Verleger und/oder Fabrikanten sind, verkauft der Erfinder die Nutzungsrechte an seiner Schöpfung (anglo-amerikanisches Modell), oder lizensiert sie, weil die unverkäuflich und an seine Person gebunden sind (kontinental-europäisches Modell).

Club der toten Dichter

Nur: Irgendwann läuft die Zeitspanne ab, in welcher die Nutzung beschränkt ist, bei viel gutem Willen also eine Art „Immaterialgut“ bildet, und die Schöpfung wird gemeinfrei, oder Public Domain. Wie übrigens der weitaus grösste Teil unserer Kultur. Bücher etwa, deren Autor schon länger als 70 Jahre in einer besseren Welt weilt, können daher von jedem gedruckt und verkauft werden. Und von jedem in jeder Weise genutzt werden, die ihm einfällt.

So veröffentlichte der US-Verlag Barnes&Noble fünf kostenlose eBooks aus der Wissensallmende. Mit einem DRM versehen, das es unmöglich macht, die gemeinfreien Werke zu kopieren oder auszudrucken. Ein Kunde beschwerte sich per Email und bekam zur Antwort: „Aus Gründen des Copyright-Schutzes sind diese Dateien mit einer Verschlüsselung versehen und können nicht umgewandelt oder gedruckt werden.“

Ausverkauf des Immateriellen

Ja, ich weiss. Ihr lacht jetzt. Die sind ja blöd, denkt ihr euch. Nein, sage ich, sind sie nicht. Weil sie damit durchkommen. Weil es kein Gesetz gibt, nach dem sie verurteilt werden könnten. Also tun sie’s. Obwohl es von allen anderen als klares Unrecht empfunden wird. Unternehmen haben eben nur ein Ziel: Profit zu erwirtschaften. Und nicht: Recht herzustellen. Das müssen alle anderen machen. Nur: Unternehmen in ihrem autonomen Drang zum Profit zu begrenzen, wird allgemein als „wirtschaftsfeindlich“ bezeichnet, und löst ebenso allgemein materielle Verlustängste aus. Es könnte ja jeden treffen.

Freies Spiel der Kräfte. Nicht

Zurück zu Barnes&Noble: Natürlich muss der Kunde die DRM-infizierten eBooks nicht annehmen, er kann die Texte ja auch frei und gratis aus der grössten Bibliothek der Menschheitsgeschichte (a.k.a. „Das Internet“) herunterladen. Aber er kann seine ausgleichende Marktmacht also Konsument nur unzureichend nutzen: Ein Buch gibt es in der Regel, wenn es nicht gemeinfrei ist, nur von einem Autor, und damit nur von einem Verlag. Ebenso ein Song, Film, Bild. Anders als bei Socken, Kartoffeln, Zahnpasta, Autos. Die sind austauschbar. Insofern haben die Distributoren von „Immaterialgütern“ eigentlich lauter kleine Monopole. Das widerspricht unserem Wettbewerbsrecht, Wirtschaftssystem, Rechtsverständnis. Nur: Erklär das mal einem Politiker, der gewählt werden will. Da haben wir noch eine verdammte Menge Arbeit vor uns, denke ich.

( consumerist via techdirt) (pic wikipedia pd)

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