Twitter und der Trafigura-Skandal

091022guardianMitte September sah es noch gut aus: Der Guardian hatte über den Giftmüllskandal berichtet, den die ebenfalls britische Ölhandelsgesellschaft Trafigura vertuschen wollte (siehe 11k2). Aber die Öl-Heuschrecken gaben noch nicht auf: Sie erwirkten ein in der Geschichte Britanniens einmaliges Urteil, wonach nicht über die Angelegenheit berichtet werden dürfe, auch nicht über das Gerichtsurteil, und selbst nicht über eine parlamentarische Nachfrage zum Thema.

Also Totalzensur. Eher so wie in China, Weissrussland oder dem Iran. Darauf twitterte Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian, seine Zeitung könnte aus Gründen, die nicht genannt werden dürfen, nicht über eine Sache berichten, die er nicht bennennen könne.

Prompt wurde „Trafigura“ zum Suchbegriff Nummer Eins, die öffentliche Entrüstung über den Zensurversuch zugunsten einer einzelnen Firma brachte die Sache zum Platzen. Ein Sieg der Meinungs- und Pressefreiheit, und ein Beweis dafür dass Twitter „Presse“ ist. Ebenso wie Facebook, WordPress, Wikileaks, Pirate Bay (und andere) „Presse“ sind.

( guardian via freitag)

14 Kommentare

  1. passt irgendwie gerade mal perfekt: die „reporter ohne grenzen“ haben eine rangliste veröffentlicht in der viele länder nach der pressefreundlichkeit gelistet sind:

    artikel:
    http://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/news-nachrichten-single/article/1/rangliste-der-pressefreiheit-2009-vorreiterrolle-der-europaeischen-staaten-in-gefahr.html

    und direkt die liste:
    http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/rangliste-2009.html

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  2. Es ist sowas von erschreckend das sowas in einem Land passiert mit ähnlicher Rechtssprechung wie unserer… Unassbar, immerwieder!

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    • es ist nicht „unfassbar“ sondern es offenbart auf tragischste weise wie viel „kratie“ überhaupt noch im „demos“ steckt – und das diese „demokratie“ schon bald obsolet sein wird wenn die leute nicht endlich die gammeligen ärsche aus ihren verlausten furzfängern hochkriegen und für die (in der vergangenheit mit einem hohen blutzoll bezahlten) freiheiten und rechte kämpfen derer sie gerade (fast schon täglich) beraubt werden!

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      • „kratie“ -> sollte eigentlich korrekterweise -> „kratía“ heißen. . .!

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      • eigentlich eigentlich: „krateia“, aber das ist nicht so wichtig.

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    • Erschreckend? Unfassbar? Auf welchem Planeten hast du gelebt?

      Naja, aber ich finde eh, jeder Mensch auf der welt sollte einen Ring um den Hals tragen, der, sobald er sich über etwas beschwert, ohne vor zu haben etwas dagegen zu TUN, ihm den sowieso vollkommen nutzlosen Schädel wegsprengt.

      Ich frage mich ob dein Schädel da noch da wäre. Meiner WÄRE es!

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  3. Ich sag’s ja immer wieder: Scheiss Inselaffen.

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    • Oh, und die CDU/CSU/SPD/FDP-Wähler hier sind irgendwie besser??

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  4. „ein in der Geschichte Britanniens einmaliges Urteil“?

    Äh, warum einmalig?

    Geheime Verfügungen zur Zensur der Presse gehören in UK seit eh und je genauso zum Alltag wie in Deutschland. Der britische Labour-Abgeordnete Denis MacShane hielt beispielsweise letztes Jahr im Dezember eine Rede, in der er erklärte, britische Gerichte seien zum “Soviet-style organ of censorship” geworden.

    Dagegen, dass in UK Bücher aus den USA verboten werden, und die entsprechenden Titel dann in den USA vollstreckt werden, gibt es in den USA bereits Gesetzesinitiativen.

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    • naja, die unterdrückung von presseberichten über parlamantarische anfragen. die wars.

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    • Nun, es ist nicht die Zensur die einmalig ist. Es ist dass die Waffe der Zensur dank des Internets NUTZLOS geworden ist! Das hat es noch nie gegeben. Dass einfache, „kleine“ Menschen die Bemühungen der mächtigsten und bösartigsten Kräfte dieser Erde zu Fall bringen können!

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  5. streisand effekt anyone?

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  6. […] wurde ein Vertuschungsskandal erster Güte aufgedeckt: Twitter und der Trafigura-Skandal wolkencloud […]

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