Erfolgreiche Geschäftsmodelle der Digitalen Ära: Valve

Valve Software fing als ganz normaler Spieleentwickler an und verschaffte sich 1997 einen Achtungs-Erfolg mit Half-Life. Der Erfolg war so gross, dass das Studio sich von seinem Vertriebskonzern abnabeln konnte und seither Produkte vor allem über die Download-Plattform Steam (wozu es auch Kritikpunkte gibt) vertreibt. Inzwischen wird Steam von Dutzenden anderer Firmen mitgenutzt, der wirtschaftliche Erfolg von Valve nimmt weiter zu. Die Kollegen von Ars Technica führten dazu ein Interview mit dem Director of Business Development bei Valve‘, Jason Holtman.

Er nannte einleuchtende Gründe für den Erfolg seiner Firma. Und andere Unternehmen in der Medienbranche sollten ihm aufmerksam zuhören.

Er sagt: „Die Kunden erzählen uns, was sie haben wollen“.

Und er fügt hinzu: „Und sie sind viel besser darin, einen Erfolg vorauszusagen, als wir jemals waren“. Das pure Hören genügt aber nicht, beschreibt Jason, man muss das Gehörte auch verstehen. Verstehen, warum sie dies mögen und das nicht. Das heutige Mediengeschäft, erklärt uns der Manager, sei völlig anders als noch vor wenigen Jahren, weil die Kunden von heute ständig vernetzt seien. Das mache die Unternehmensentwicklung etwas unüberschaubar:

„Wenn ihr mich fragt, wo unsere Firma in zwei Jahren stehen wird, könnte ich eine Antwort versuchen, aber sie wäre höchstwahrscheinlich falsch. Wir haben gelernt, unseren Kunden wie auch den Kreativen unaufhörlich zuzuhören“.

Es geht also nicht nur um das Produkt, sondern sehr stark auch um den Service. Valve veröffentlicht zu erfolgreichen Produkten laufend kostenlose Updates, die zu immer neuen Verkaufsrekorden führen. Eines der neueren Updates für das zwei Jahre alte Team Fortress 2, Sniper vs Spy, schob die Verkäufe des Originalspiels um 520 Prozent im Download und 40 Prozent bei den physischen Kopien an. Ebenso wichtig ist die Preisanpassung: Als das relativ neue Left 4 Dead ein Wochenende zum halben Preis angeboten wurde, stieg der Umsatz um 3000 %, berechnet man den Preis ein, um 1500 %.

Eigentlich, tja, eigentlich ist das, was Valve da macht, alles in der jahrtausendealten Trickkiste des Kaufmanns zu finden. Das richtige Produkt zum richtigen Preis, den Service dazu für die Kundenbindung, und immer das Ohr an der Strasse, um zu wissen, was die Leute wollen. Ja, natürlich lässt sich das auf das Vorzeigebeispiel einer sterbenden Medienindustrie, die Tonträgerfirmen übersetzen. Wenn Kunden Downloads haben wollen, gebt ihnen Downloads. Dazu Mehrwertangebote wie Infos zum Künstler, Bilder und Konzertmitschnitte, und das alles kostenlos und im Lauf der Zeit für eingetragene Kunden. Und das alles zum wettbewerbsfähigen Preis.

Früher oder später wird irgendeine kleine Firma all das richtig machen, und damit gross, reich und mächtig werden. Und die erstarrten, unbeweglichen Leviathane der goldenen Disco-Ära verdrängen. Mann kann einfach keine Geschäfte gegen den Kunden machen. Weil früher oder später jemand kommt, der kundenfreundlicher wirtschaftet, und damit den Verdrängungswettbewerb gewinnt. Wenn die Aktionäre von Sony, Warner, EMI und Universal Music auch nur für 10 Cent Grütze im Kopf haben, sorgen sie dafür, dass der Vertrieb ihrer Produkte in Zukunft von Valve und über Steam abgewickelt wird. Nach den Konditionen von Valve. Aber das wird nicht geschehen. Eher machen sie pleite. Auch gut.

(via ars technica)

2 Kommentare

  1. Hey, berichte ruhig mehr über Spielethemen. Ich weiss ja dass du darin schon Erfährung hast. So ein Fritz’scher Spielblog wäre echt mal was tolles. Ich suche nämlich noch immer nach einem guten Spieleblog, der die Spielemagazine ersetzt, und alle neuen Spiele kurz vorstellt oder zumindest erwähnt.

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  2. Übrigens: Es gibt auch das andere Extrem. Wo die Firmen zu sehr auf ihre Kunden hören, und aufhören (kreative) Vorreiter zu werden, weil sie in die Dienerposition rutschen.

    Das ist genau so wie ein guter Führer (Im Sinne von Chef/Präsident/Mannschaftsführer/u.s.w. Nicht in dem braunen Sinne. ^^) auch auf seine Leute hört, aber trotzdem noch derjenige ist, der die Richtung bestimmt. Bei Kunst, ist das am allerwichtigsten. (Und Spiele sind ja die Mutter aller Künste, weil sie alle anderen Künste enthalten.) Kunst ist nur Kunst, wenn sie durch Eigeninspiration und eigene Werte entstand.

    Und so eine Position in denen man versucht den Kunden alles recht zu machen, endet in so grausigen Dingen, wie Clippy, MS Bob, oder dass Firmen verklagt werden weil sie die Kunden nicht vor ihrer eigenen Idiotie beschützt haben. (Z.B. wenn Mc Donalds verklagt wird, weil auf dem Kaffee nicht stand dass er heiss ist.)
    Was dann über kurz oder lang zu einer waschechten „Idiocracy“ führt.

    Wie immer, ist es das lockere Schwingen um das gesunde eigene Mittelmaß, das am besten ist.

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