Copyright: 3 Jahre Haft für Familienfotos

Samantha Tumpach ist 22 Jahre lebt, lebt in Chicago und hat sich bisher noch nicht viele Gedanken über Copyright gemacht (Ich denke, 11k2-Leser gehören da einer Minderheit an). Also nahm sie ihre neue Digitalkamera mit ins Kino, wo ihre Familie und Freunde eine Überraschung für ihre ältere Schwester vorbereitet hatten:

Bevor der Hauptfilm „Twilight: New Moon” begann, hielten sie ihr ein Geburtstagsständchen. Alle sangen „Happy Birthday To You“ und Samantha fotografierte und hielt das Geschehen mit der Videofunktion ihrer Digitalkamera fest. Mitabeiter des Kinos wurden darauf aufmerksam, aber statt sie darauf hinzuweisen, dass Filmen nicht erlaubt ist, riefen sie die Polizei.

Diese holte Sam aus der Vorstellung und stellte fest, dass sie insgesamt 4 Minuten aufgenommen hatte, davon kaum etwas vom Film. Der Chef des Kinos erstattete trotzdem Anzeige wegen illegalem Filmen einer Kinovorstellung. Die Polizei hielt sie zwei Tage lang in Gewahrsam, bevor Samantha auf richterliche Anordnung ohne Kaution entlassen wurde. Ihr drohen jetzt bis zu drei Jahren Gefängnis. Sie sagt: „Ich wollte doch den Film gar nicht aufnehmen“.

Sicherlich hat sich die junge Dame ein wenig dusslig angestellt; wer hat denn noch nie von dem ganzen Ärger um angebliche Camcorder-Piraten gehört? Nur: Wem nützen Gesetze, die Familienfotos- und Videos mit drei Jahren Haft ahnden? Und: Seid ihr euch darüber im klaren, dass die ACTA-Verhandlungen (siehe 11k2) genau dieses Copyright-Regime auf der ganzen Welt, auch hierzulande, etablieren wollen?

(chicago sun times)

20 Kommentare

  1. Ich bin der Meinung sie sollte mindestens 3 Jahre in den Bau gehen. Es weiß doch jeder dass filmen im Kino höchst illegal ist. Wer sich so eine unglaubliche Freveltat leistet sollte auch angemessen dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
    Illegale Kopien sind für alle Naturkatastrophen, Pedophilie, Hungersnöte, Krankheiten und den Untergang der Titanic verantwortlich. So etwas darf einfach nicht toleriert werden!!!111elf

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    • Lieber Zeitgenosse,entwerder sind sie ein Spassvogel der besonderen Art und wollen provozieren,oder sie haben einen Sprung in der Schüssel und sollten sich mal dringend untersuchen lassen.

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    • Hallo ketam1n on 5,
      ich kann mich auf alles einstellen, also was würdest du sagen, wenn ich
      an alle , die an meinem Grundstück vorbeikämen über Anwälte Abmahnungen
      verschicken lassen würde, an mich eine bestimmte Summe zu zahlen, weil
      sie möglicherweise meine Kreativität bei der Gestaltung meines Grundstückes
      gestig gekupfert haben könnten. Der normale Verstand und wenn man einen IQ
      von mehr als Zimmertemperatur bestitz, sagt einem spätestens jetzt, das hier
      etwas mit der „Grundeinstellung“ nicht stimmt.
      Ich glaube: „Thomas Bernhardt hätte sogar geschossen“

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      • @ tower + ReiHe

        Traurig, dass es wirklich Leute gibt die meinen Kommentar ernst nehmen. Spätestens bei dem Satz mit den Naturkatastrophen sollte einem doch auffallen das es zusammenhangslos und übertrieben ist.

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        • @ ketam1n: Also ich fand den Kommentar von ReiHe lusitg. Schau dir doch nochmal die erste Zeile genau an :)

          Spätestens da, hätte ich den Rest ausgeblendet.
          PS: Der Großteil hat deinen Sarkasmus durchaus verstanden.

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        • ein sehr geiler Kommentar von dir.

          Ich liebe Sarkasmus :)

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  2. perfide, wenn man dabei an die werbung mit dem 5 mal singen (hier 3mal) denkt.
    für soetwas eine MUTTER wegzusperren ist unmenschlich!

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  3. Und dann wundern sich die Verleiher und die Kinobetreiber, wenn keiner mehr kommt…

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  4. Einfach nur krank und unmenschlich! Auf welcher Seite ist denn das Recht noch?

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  5. Man sollte aber hier aber auch die Kirche im Dorf lassen: Ihr drohen bis zu drei Jahre Haft, weil das die gesetzliche Höchststrafe ist. Jeder vernünftige Richter lässt sie laufen (ok, vernünftig sind nicht alle), wenn es irgendwann mal zur Verhandlung kommt.
    Mein lieber Fritz, ich mag dein Blog. Aber mit der Überschrift stellst du dich selber auf BILD-Niveau.

    Gruß,
    b.

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  6. Bene, ich unterstelle, dass das BILD-Niveau von dem du sprichst, lediglich die Bild-Leserschaft beschreibt, die du damit assoziierst. Die Betreiber und Chef-Redakteure der Bild sind sehr intelligente Leute, die genau wissen was sie tun. Genau genommen haben diese ein sehr hohes Niveau. Und was sie da in der BILD treiben ist – so traurig das ist – guter Journalismus. Die Intention hinter dem Artikel, unabhängig der stilistischen-journalistischen Umsetzung, ist das Entscheidende.

    Wenn du willst, kannst du die Intention hinter 90 % der Bild-Artikel verurteilen – ebenso wie die Intention, die hinter den meisten Gesetzen steht. (Der Vorwurf ist eben in erster Linie, weder der Polizei noch dem Richter zu machen, sondern dem Ursprung der Gesetze.)

    Ich finde, Fritz hat die Überschrift zu seinem Artikel ganz richtig formuliert. Und zwar in etwa das, was den Kinoangestellten hätte bewusst sein müssen, als sie die Polizei verständigt haben. Das ist das Erschreckende daran.

    Kann man den Angestellten einen Vorwurf machen? Oder muss man die Hetzpropaganda berücksichtigen, der sich gerade die Kinoangestellten nur schwer entziehen können?

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    • Hallo veto,

      ich gebe dir recht: Was in der BILD geschieht, wird nicht aus Versehen, sondern ganz bewusst durch die Redakteure hervorgerufen.

      Dennoch: Die Überschrift „3 Jahre Haft für Familienfotos“ ist faktisch falsch. Es wird (bewusst oder unbewusst) der Eindruck erweckt, die Frau wäre zu dieser Strafe verurteilt worden, was ja nicht der Fall ist. Wer den Artikel nur überfliegt und dabei nur den vorletzten Satz wahrnimmt, muss zu dem Schluß gelangen, da wäre tatsächlich jemand verknackt worden. Und diese Vorverurteilung sehe ich als typisch für den Boulevardjournalismus im allgeméinen und die BILD im besonderen.
      Das ist das eine. Das andere: An vielen Stellen, und auch hier, wird die Fahne des Schutzes der Privatsphäre hochgehalten. Gleichzeitig wird von der betroffenen Dame ohne Not Name, Alter, Wohnort und Foto veröffentlicht.

      Die Intention, egal ob hier im Blog oder bei der BILD, will ich gar nicht verurteilen: Der eine (Fritz) bloggt über seine politischen Ansichten (die ich in vielen Fällen teile), die anderen (BILD-Redaktion) sorgen für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Brötchengebers. Da gibt es nichts vorzuwerfen. Doch der Weg, wie und die Grenzen, in denen man dieser Aufgabe nachkommt, das ist das entscheidende.

      Gruß,
      b.

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    • Ich würde mal ganz stark behaupten dass die BILD-„Zeitung“ keinen guten Journalismus betreibt, die Schlagzeilen sind clever gewählt, damit sie jeder dumme Bürger spannend findet, aber guter Journalismus sieht anders aus als Werbung, Ausländerhetze, T****n und Falschmeldungen und Links-Bashing.

      Zu dem Bericht. Ich denke, es wird sich zeigen, wie es ihr ergeht, es wäre interessant, wenn dazu auch geblogt werden würde. Ich bin mir sicher, dass das Urteil von Bedeutung wäre. Denn wer hier geschützt werden soll, keine Ahnung. Außerdem steht im Blogartikel ja auch BEVOR der Film begann, was bedeutet, dass sie vielleicht ein wenig Werbung drauf hat. Und das kann doch wohl nicht so schlimm sein, oder? In jeder dreckigen Matschscheibe kann man die Werbung sehen, tagein tagaus.

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  7. Die Aussage von bene und fargurd bezüglich BILD-Journalismus kann man so unterschreiben. Nirgendwo sonst findet man mehr vorverurteilende Schlagzeilen. Hier wird seelenruhig die Verantwortung auf die jeweils andere Seite geschoben.

    Volk: Was juckt es mich, DIE drucken es doch!
    BILD: Was juckt es uns, die Leute KAUFEN es doch!

    Für mich persönlich ist diese Art des Journalismus für viele (nicht direkt sichtbaren) schlimmen Nachfolgen im Denken der Deutschen verantwortlich. Es gibt nur wenige, wie z.B. die Süddeutsche Zeitung, die offen dagegen antreten und beide Seiten der Medaille beleuchten.

    Übrigens: Fokus und Spiegel haben ähnliche Praktiken übernommen. Die Leute wollen halt unterhalten werden. Lieber etwas reißerisches tippen als gar nichts tippen.

    Meine Forderung: Ihr alle dürft so weitermachen, wie bisher. Aber nur, wenn ihr in besagten Artikeln euch als Autor hervorhebt. Also quasi eine Kolumne oder ein Blog. Dort darf man das. Aber nicht in (anonymen) Massenmedien!

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  8. Gut, zur Erklärung (wie jeden Monat): 11k2 hier ist ein Blog, und besteht fast ausschliesslich aus Kommentaren. Wenn ihr Text lesen wollt, der so tut, als enthielte er keine Meinung, kauft euch die FAZ. Die macht das gar nicht so schlecht. Der Hauptunterschied zwischen BILD und 11k2 ist imho, dass ich euch nicht sage, was ihr denken sollt. Im Gegenteil: Fast alle Beiträge hier sind völlig ohne eigenes Denken nicht rezipierbar. Viel Spass weiterhin (incl. reisserischer Überschriften).

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    • Fritz, das ist nicht als Antwort zu mir gemeint, oder doch?
      Mit dem Wort „Alle“ meinte ich die Boulevard-Presse, in keiner Weise meinte ich dich damit.

      Ich wünsche mir vom Boulevardjournalismus mehr Blog-typisches. Der Leser erkennt sofort „Aha, das ist dem seine Meinung“ und ordnet das Gelesene anders ein, als bei unbedeutenden Fussnotenautoren.

      Eine Meinung zu haben ist doch ok! Dafür liebe ich ja diesen Blog.
      Aber seine Meinung (Intention auf Neudeutsch) zwischen die Zeilen zu schreiben im neuesten Skandal-Artikel, dass ist volle Kanne Krütze.

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  9. […] This post was mentioned on Twitter by Robert Heinecke, 11k2. 11k2 said: Copyright: 3 Jahre Haft für Familienfotos: http://wp.me/pjgMd-3mZ […]

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  10. und was lernen wir draus: ein kino besuch ist kein gutes geburtstags geschenk
    geht doch liebern in zoo

    überhaupt is ein kino besuch keine gute idee … viel zu gefährlich
    da mach ich ein foto von mein medlz beim rumplödln und geh 2 jahre in bau

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    • wart ab.. bald kannste nich mal mehr tiere im zoo fotografieren…

      Der zoo lebt von seinen Tieren, er wird sie unter geistiges Eigentum stellen…

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  11. […] habt es vor wenigen Tagen hier gelesen: Die 22jährige Sam knipste Fotos von der Geburtstagsüberraschungsparty für ihre ältere […]

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