Apple kauft Lala, Music Biz bekommt Überlebenschance

Der Lifestyle-Computer-Anbieter Apple, mittlerweile mit iTunes/ITMS so ziemlich der grösste Musik-Einzelhändler des Planeten, hat das Musikportal Lala.com gekauft. Zunächst keine grosse Sache. Aber von seiner Bedeutung her weit wichtiger als der wahrscheinlich lausige Kaufpreis, der sich am Jahresumsatz von knapp 10 Millionen US-Dollar orientieren dürfte. Lala hatte verschiedene Dienste rund ums Musikhören zusammengefasst und seiner Community von etwa 100.000 Fans angeboten:

Streaming eigener Songs (a.k.a. „ich bin eine Radiostation“), Verkauf gebrauchter CDs, Kauf von neuen CD und MP3s und natürlich die Möglichkeit, alles und jeden zu kommentieren. Also alles andere als ein anonymer Webshop.

Nun wissen wir, dass Apple nicht gerade von Stümpern gelenkt wird, sondern von Leuten, die sehr wohl wissen, dass jedes noch so tolle Produkt irgendwann veraltet ist und nicht mehr gekauft wird. Also muss etwas her, das iTunes auf lange Sicht ersetzen kann.

Für die Musikindustrie, oder was heute noch von ihr übrig ist, bedeutet das eine echte Chance: Bisher konzentrierten sich alle auf das reine Verkaufsgeschäft und überliessen die Community sich selber, von einigen plumpen Payola-Aktionen abgesehen. Das führte natürlich dazu, dass die Community irgendwann nicht nur Forenbeiträge, sondern ganze MP3s austauschte. Wenn die „Industrie“ irgendwie kommerziell überkeben will, muss sie ihren Kunden ein besseres Angebot machen können als die Pirate Bay. Nur verbieten führt zu garnchts.

Apple zeigt also (schon wieder einmal) wo der Ausgang aus dem Labyrinth ist: In einer schöneren, bunteren Community, als das einige Karohemdem-Einzelkämpfer hinkriegen würden. Ich glaube trotzdem, dass der Kauf von Lala bei den Labelmanagern zwar Alarmglocken schrillen lässt, dagegen aber zu keinerlei Einsicht führt. Ich glaube, dass der Abwärtskurs der Major Labels anhält. So dass die ehemaligen Giganten der Unterhaltungsindustrie irgendwann durch anpassungfähigere Säugetiere verdrängt werden, wie einstmals die Saurier. Willkommen in der Kreidezeit, meine Damen und Herren. Wir erleben, wie der Kapitalismus zum Aussterben einer Art (Tonträgeranbieter) und zum Entstehen einer neuen (Community-Anbieter) führt. Auch ohne Meteorkrater in Yukatan.

( via reuters)

3 Kommentare

  1. Kann ich nicht ganz zustimmen.

    Ich meine *wer* auf der Welt wird vom schönen runterladen von Musik ablassen, um das alles auf einer komischen Website (Stichwort: „Inner Platform Antipattern“) zu tun, und dann für dieses „Privileg“ noch *bezahlen*? Da muss man doch nicht mehr alle Latten am Zaun haben!

    Ich meine, wenn man was kauft, weil man denkt, dass der Künstler es verdient hat, dann ist das ja OK.
    Aber dann kauft man es auch *direkt* beim Künstler. Auf seiner Seite!

    Es gibt nicht *einen* Grund auf diesem Planeten, warum man so eine komische Seite, mit einem noch dazu völlig lächerlichen Namen, suchen, oder gar *benutzen* sollte.

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  2. Dann nochma, in einfach: Tonträger is tot, also muss das Geld woanders herkommen. MP3s geht auch nicht so richtig (gibts ja umsonst), also baut man ne bessere Community (Forum + Magazin + Download + Fanartikel). Das Geschäftsmodell muss sich völlig ändern, wenn man noch Geschäfte machen will.

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    • Für alle verständlicher wird es, wenn du wieder deinen Trinkwasservergleich bringst. Warum wird Wasser aus Abfüllungen konsumiert, wenn es zu Hause preiswert aus dem Hahn kommt!?

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