Somalia: Opfer im Krieg gegen den Terror

Der ostafrikanische Küstenstaat Somalia, vor allem bekannt durch die Piraterie im Golf von Aden und 1960 entstanden  durch das Zusammenwürfeln unterschiedlicher ehemaliger Kolonialgebiete, ist eines der prominenteren Opfer US-amerikanischer Aussenpolitik. Zur Zeit des Kalten Kriegs pumpten die USA Waffen in grosser Menge ins Land, um das von den Sowjets begünstigte Äthiopien zu bedrohen, und unterstützten den autoritär regierenden „Präsidenten“ (a.k.a. Diktator) Siad Barre.

Im somalischen Bürgerkrieg 1991 wurde Barre gestürzt, das Land zerfiel in einzelne Gebiete, da sich die siegreichen Warlords nicht auf eine gemeinsame Regierung einigen konnten. Erst 2006 setzte sich eine Bürgerbewegung durch, die Union der Islamischen Gerichte. Strassenschlachten hörten auf, geflohene Somalis kehrten ins Land zurück, die nationale Wirtschaft erwachte wieder.

Allerdings befürchtete die US-Regierung unter George W. Bush nun eine zweite Taliban-Front in Afrika und bezahlte viele Millionen US-Dollar an die Warlords, um den Bürgerkrieg neu anzuheizen und die Islamischen Gerichte zu vertreiben. Europäische Diplomaten hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Gespräche mit dem gemässigten Anführer der Gerichte-Bewegung, Sheikh Sharif Ahmed (pic, pd), begonnen.

Allerdings brachten die USA das christlich geprägte Nachbarland Äthiopien dazu, in Somalia einzumarschieren und die selbstorganisierte Verwaltung durch eine Marionettenregierung aus ehemaligen Warlords zu ersetzen. In Folge der Invasion konnte sich der radikale Flügel innerhalb der Gerichte-Bewegung, al-Shabaab, durchsetzten und ihren Interessen als nationalen Widerstand gegen die Invasion maskieren.

Im Februar 2009 wurde Sheikh Sharif Ahmed mit Hilfe der UN als somalischer Präsident eingesetzt, die äthiopischen Truppen mussten sich aus dem Land zurückziehen. Man hat Somalia Aufbauhilfen in der Grössenordung von 200 Millionen US-Dollar versprochen. Beitrag der USA: Umfangreiche Waffenlieferungen.

Unfaire Frage von meiner Seite: Sollte nicht ein internationales Gericht entscheiden, dass alle Folgeschäden durch somalische Piraterie durch die US-Regierung beglichen werden müssen?

(via times)

Auf 11k2 bisher zum Thema Somalia.

4 Kommentare

  1. Dieses Vorgehen der Amerikaner findest Du auch analog für Venezuela, Irak, Afghanistan. Roter Faden ist meist, dass davon profitiert wird, dass bestimmte Regionen instabil bleiben.
    Dass die vorher mit Waffen eingedeckten sich dann später mal damit gegen die Amis wenden ist eher die Regel als die Ausnahme.
    Irak wurde waffentechisch „aufgebaut“ um gegen den Iran vorzugehen. Die Taliban wurden versorgt um gegen die Russen vorzugehen, etc. Alle natürlich zusätzlich von der CIA trainiert um ordentlich Guerilla Krieg machen zu können.
    Ich bleib hier mal Quellen schuldig, aber der Interessierte wird da recht schnell fündig.

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    • Wollte ich gerade sagen. Und Mitglieder meiner Familie mussten dafür mit dem Leben oder Folter bezahlen.
      Der „kalte“ Krieg war alles andere als kalt. Die Amis waren halt so „schlau“ lieber andere für sich kämpfen und sterben zu lassen.

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  2. Der erste Absatz ist *genau* das was auch in Afghanistan abging. Sogar das mit dem „Präsidenten“ (/König) der so schlimm war/ist, dass die Taliban dagegen freundlich aussahen. Und jetzt isser wieder an der „Macht“. „Dank“ den Amis. Yay.

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  3. da das amerikanisch rechtssystem ja noch viel abstrusere klagen zulässt, währe das doch mal ne hausnummer!
    mfg cybermoussa

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