Plattenfirma: Bevor ihr nicht die Piraterie stoppt, nehmen wir keine neuen Bands unter Vertrag

Ganz, ganz grosses Kino, und mein fetter Applaus für diese Aktion: Das finnische Plattenlabel Lion Music hat angekündigt, keine neuen Bands mehr unter Vertrag zu nehmen, solange nicht die Regierung dafür sorgt dass „diese Piraterie“ aufhört. Yeah! Endlich sagts mal jemand! Ich mal will ein wenig präziser werden: Diese Forderung treibt das bekannte Pirateriemärchen völlig auf die Spitze; noch zentraler kann man diesen unglaublichen Unsinn nicht ausdrücken.

Zahlreiche Statistiken belegen, dass Leute, die viel runterladen, auch viel kaufen. Fans eben. So dass P2P eben das neue Radio ist, und nicht der neue Plattenladen. Die Hardrock-Heinis von Lion Music tun übrigens genau das Richtige, indem sie keine neuen Bands mehr „unter Vertrag“ nehmen. Die neuen Bands brauchen keinen „Vertrag“ mehr, dafür gibt es ja seit wenigen Jahren dieses „Internet“. Das kann man jetzt verstehen, muss aber nicht.

Rückwärts gerichtete Musiker wie der auf Lion Music veröffentlichte Borislav Mitic (oben) spricht von einem „Mord an der Musik“ und beklagt, dass kaum noch CDs verkauft würden und all die jahrelangen Mühen und Plagen eines Musikerlebens nicht honoriert würden. Wegen den illegalen Downloadern. Was Knallchargen wie Borislav anscheinend nicht kapieren: Wenn die Musikindustrie als Ganzes weltweit Jahr für Jahr wächst, und nur die CDs von ihm und seinen Kumpels nicht nachgefragt werden, muss es nicht zwingend daran liegen, dass alle da draussen Borislavs Musik umsonst haben wollen, oder? Kann es nicht statt dessen sein, dass überhaupt niemand Borislavs Musik haben will? Hm? Wenn Tausende von Musikern Geld verdienen, und Millionen von Musikern nicht, dann nützt auch das ganze Geheule über „illegale Downloader“ und „früher war alles besser“ nichts. Dann sind die betreffenden Musiker eben einfach zu schlecht, um mit ihrer Musik reich zu werden. Oder nicht kommerziell genug. Oder irgendwie anders euphemisiert ausgedrückt: Nicht zum Geldverdienen geeignet.

Früher (in der „guten alten Zeit“) war das noch ganz einfach: Wer mit Musik reich wurde, war professionell, die andern waren Amateure. So einfach. Und nur weil man heute für wenig Geld sauber klingende Aufnahmen machen kann, heisst das nicht, dass jeder Amateur auch ein Recht auf Geld hat. Nicht mal auf das bischen, das die Aufnahmen gekostet haben. Kommt auf den Boden zurück, Leute, und macht euch mit der Erkenntnis vertraut, dass ihr Amateure seid. Amateure, die wie andere Amateure auch ganz nett Geld verdienen könnten, indem sie „dieses Internet“ nutzen.

Zum Beispiel für kostenlose Downloads, am Besten via P2P (so dass die Angebotskosten noch geringer sind). Um anschliessend ihren Fans Sachen für Geld verkaufen zu können. Weil ein Song, der im Radio oder P2P abgespielt wird, keine Sache ist, sondern eine Abbildung davon, und deswegen auch kein Geld wert ist. Viel Spass noch, Rock On und so.

(via torrentfreak) (pics gefunden bei lion music)

11 Kommentare

  1. Supermat. Bitte jetzt auch die Fleischproduzenten einmal austicken (Discounter heizen mit Gemüseverkauf den Vegetarismus an, einige von den Dreckschweinen züchten sich sogar den Schnittlauch auf dem Balkon) und Schadenersatzforderungen in Form von EU-Leberwurstsubvention beanspruchen, dann haben wir den Karneval für dies Jahr hinter uns.

    Meine Hoffnung sinkt, dass man so was noch medikamentös wegkriegt.

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  2. Das Problem der Industrie ist, dass sie schon lange einen Punkt überschritten hat, an dem es möglich ist, noch Quantensprünge in der Umsatzentwicklung zu verzeichnen. Mit Retortenprodukten von schlechter Qualität ohne nachhaltigen Wert lässt sich das nicht erreichen.
    An sich macht Lion Music genau das Gegenteil vom Richtigen: Anstatt durch Innovation zu punkten, spielt man die beleidigte Leberwurst und sagt einfach: „Gibt nix Neues, bis ihr bereit seid, uns das Geld hinterher zu werfen.“
    Naja, stehen jetzt 1000 blutjünger Musiker vor den Toren von Lion Music und denken: „Och nööö, jetzt werden wir nicht berühmt, wegen des bösen Internet, und wer ist eigentlich Borislav Mitic??“
    Irgendwie ist die Situation skuril, fast so als würde Coca-Cola sagen, sie verkaufen ihre Produkte so lange nicht mehr in Deutschland, die die Regierung das Dosenpfand wieder aufhebt.

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  3. Naja, nun bleibt zu hoffen, dass sich die Finnische Regierung der Forderung nicht annimmt.

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    • Wird sie aber, denke ich. Denn es ist schwer, sich da raus zu winden, ohne dass man in den Medien als „Raubmordkopierunterstützer“ hingestellt wird. Weil das kein Politiker will, wird schnell irgendein Gesetz gemacht (am besten von irgendwelchen Lobbyisten) und das durchgepeitscht. Das hilft im Notfall immer. Alle sind froh, ein paar neue Kinowerbespots a la „P2P ist Terrorismus und gehört wie KiPo auf den Stuhl“ und schon reiben sich einige Leutchen wieder die Hände.

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  4. True.

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  5. ohh arme Lion Music geh doch in die ecke und wein.
    glaub es werden mehr Musiker bekannt durch das Internet als durch Lion Music ^^
    achso hab da mal noch was http://www.southpark.de/alleEpisoden/709/

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    • Wer oder was ist Lion Music? <.< noch nie davon gehört…

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  6. komisch das ihr alle nicht auf eine etwas andere idee kommt.

    in finnland haben sich überduchschnittlich viele menschlein an den börsen verspekuliert. und wie wir wissen ist deshalb sogar der finnische staat u.a. wegen beteiligung solcherei börsengeschäfte heute bankrott und quasi zahlungsunfähig.

    könnte es nicht eher der fall sein das sich die (arme) „gute“ plattenfirma einfach nur an der börse verzockt hat (so wie es mehr als die hälfte des finnischen volkes + staat auch taten) – mit eigenem geld + der musiker verkaufserlös-anteile (???) – und jetzt unbedingt einen schuldigen zum schuld in die schuhe schieben braucht? dafür sind ja die pösen piraten und raub-und-völkermord-kopierer synonym geworden – nämlich als zweckdienliche und billige sündenbocke – nur um damit die schuld der eigenen unfähigkeit auf jemand anderen abwälzen zu können!

    lustig und zugleich aufschlussreich ist auch der wikipedia eintrag des labels:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Lion_Music

    liest man sich den durch wird es durchaus klar was sache ist. das label hat einfach seinen zenit überschritten und befindet sich nun (so oder anders) auf dem absteigenden ast. man kann nur so und so lange erfolgreich sein mit dem immer gleichen wiederkäuen von altbewährtem.

    die hoch zeiten des metals, power metals, progrocks und 70ziger sound geschrammels und geheuls sind nun mal größtenteils vorbei. zudem sind die plattensammlungen der altfans berstend voll, die neueinsteigerzahlen der nachfolger-generationen (mit interesse an dieser art musik) halten sich in grenzen. und außerdem können sie schließlich auch aus mamas und papas, älteren brüdern und schwestern, onkels und tanten, cousins und cousinen, freunden und bekannten (und teils deren eltern, verwandten und bekannten etc.) und oftmals sogar noch omas und opas teils hunderte, oftmals mehrere tausende stückzahlen umfassenden LP und CD sammlungen mithören und mitschneiden. nicht wenige davon haben zudem mittlerweile ihre sammlungen digitalisiert (ist also kein großer aufwand mehr einfach mal den zB. POD bzw. eterene festplatte dranzuhängen oder schnell eine CD/DVD zu brennen).

    ich weiß wovon ich rede, denn die diesbezüglich interssierten kinder der halben verwandschaft und näheren bekanntschaft (und die selbstverständlich auch) bedient sich aus meiner ca. 4 1/5 tausend LPs und CDs umfassenden (längst schon digitalisierten) tonträger sammlung (nunja, in ca. 30 jahren kommt bei einem sound-junkie eben halt so einiges zusammen).

    was wollen denn diese dummen arschlöcher eigentlich? glauben die tatsächlich das sich jede neue generation die immer gleichen platten immer wieder neu kaufen werden + neues material obendrein?

    die deppen vergessen eines ganz geflissentlich – die märkte (vor allem) im westen der welt sind nicht nur größtenteils gesättigt, sondern schon komplett übersättigt und quellen schier über vor content-trägern (vor allem musical) aller art . der secondhand-markt – als beweis – spricht doch für sich selbst. in flohmärkten, SH-shops, SH-versand, eBay, etc. bekommt man so ziemlich jede sich auf dem massenmarkt befindliche aufnahme für inzwischen 0,01 CENT und 5 EURO (je nach seltenheits- und beliebtheitsgrad). und die großen kaufhausketten und märkte verramschen geradezu relative neuaufnahmen (und auch filme) aus den jahren zuvor nachdem sie aus den charts verschwunden sind.

    und gerade jetzt aktuell kommen noch die faktoren zunehmend steigender arbeitlosigkeit oder die angst vor der gefahr arbeitslos zu werden ( zudem bekommen viele junge erst gar keinen arbeits- oder ausbildungsplatz) hinzu und die immer größer werdende verarmung weiter teile der europäischen bevölkerungen obendrein. ja glauben denn diese trottel tatsächlich das alle eine gelddruckmaschine im keller oder im nebenzimmer stehen haben oder das ihre content-ware das allerwichtigste auf der welt sei?

    ich würde jetzt mal ganz „naiv“ behaupten das zZ. ein dach über’m kopf, ’ne warme bude, ’ne ordentliche jacke auf’m buckel und was zum fressen auf’n tisch einen erheblich größeren stellenwert genießen als ein paar tonträger und filme!

    die werden noch bauklötze staunen wenn die wirtschaftskrise in den kommenden 2 bis 3 jahren erst mal so richtig voll durchschlägt auf den europäischen arbeitsmärkten und noch mehr menschen in prekären arbeitsverhältnissen landen, verarmen und/oder verelenden.

    die können bald allesamt miteinander einpacken, egal wie viele gesetze und repressalien zu ihren gunsten noch verdreht und eingeführt werden. bald wird sich (fast) kein schwanz mehr darum scheißen ob die verkoksten verwerter vom gebuddele anderer in saus und braus leben werden können oder nicht!

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  7. Also wenn das etwas durch die Blogosphäre geht, muss sich Lion Music bald überlegen wie viele Künstler sie noch ablehnen wollen, bis sie ihren Laden ganz dicht machen oder ihre großspurigen Töne plötzlich Schnee von gestern sind. Wenn sie geschickt handeln, statt vom Netz des Teufels zu träumen, würden sie sicher bald zum Star viralisieren. Wollen wir, dass sie groß werden? Wollen wir für die Trolle trollen und ihnen etwas helfen?

    Also ich find sie schon witzig, wie ein wirklich schlechter trauriger Clown. Also kein vergleich zu einem fähigen traurigen Clown. Nicht wirklich beeindruckend und mitreißend, aber schon für einen Lacher und eine Träne gut.

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  8. […] This post was mentioned on Twitter by tralafiti, 11k2. 11k2 said: Plattenfirma: Bevor ihr nicht die Piraterie stoppt, nehmen wir keine neuen Bands unter Vertrag: http://wp.me/pjgMd-3yJ […]

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  9. naja zumindest habe ich jetzt zum ersten (und wahrscheinlich letzten) mal von diesem label gehört. könnte doch auch PR sein das ganze.. oder.. wenn auch schlechte..
    ..ganz ehrlich, wenn ich mir diese 80er jahre fönwellenrocker da oben anschaue, nicht mal geschenkt will ich was von denen haben.

    und die franzosen liebäugeln jetzt mit ner google steuer um sowas das niemand mehr kaufen will zu subventionieren. man kann sich nur noch an den kopf langen.

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