Es ging nie um die Urheber: IIPA

Ein gängiges und bewusst am Leben gehaltenes Missverständnis in der anhaltenden Urheberrechtsdebatte ist die Vorstellung, es ginge hier tatsächlich um die Rechte der Künstler, Erfinder, Urheber. Auch wenn das von nahezu sämtlichen Diskussionsteilnehmern so dargestellt wird. Konkreter Fall: Die International Intellectual Property Alliance (IIPA), Dachorganisation für Lobbygruppen wie RIAA/IFPI, MPAA und BSA, empfiehlt der US-Regierung, Indonesien (und einige andere Staaten) als besonders problematisch einzustufen. Warum?

Weil Indonesien seinen Behörden vorschreibt, entweder Lizenzen für verwendete Software zu kaufen oder auf OpenSource-Produkte auszuweichen. Die IIPA erklärt, eine staatliche Empfehlung von OpenSource würde Handelsbarrieren errichten und ungehinderten Marktzugang für Softwareunternehmen blockieren. Eine OpenSource-freundliche Politik (wie aktuell in Indonesien) würde die Software-Industie schwächen und ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit zerstören, weil OpenSource eine Geisteshaltung erzeuge, die den Wert geistiger Schöpfung nicht achtet und es versäumt, Respekt für Geistige Eigentumsrechte zu fördern.

Das stammt, wie wir uns vor Augen halten sollten, von der Dachorganisation aller Content-Konzerne. Die von der US-Regierung verlangt, andere Nationen mit Handelssanktionen zu bedrohen, wenn dort OpenSource empfohlen wird. Noch Fragen?

(iipa via technollama via arstechnica)

6 Kommentare

  1. „Weil Indonesien seinen Behörden vorschreibt, entweder Lizenzen für verwendete Software zu kaufen oder auf OpenSource-Produkte auszuweichen.“

    Man muss diese Aussage erstmal verstehen. Es geht nicht darum, auf OSS auszuweichen, weil es umsonst ist und Geld spart, sondern um Raubkopieren zu verhindern!
    Sieht man es so, dann herrscht in indonesischen Behörden wohl ein dickes Problem mit raubkopierter Software, das die Regierung versucht zu lösen, sprich: „Entweder ihr kauft die Lizenz und hört auf zu kopieren oder nehmt die Alternative, wenn das Budget zu knapp ist.“
    Das Verhalten IIPA gibt dem Raubkopieren eher den Vorschub, als es zu verhindern.

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  2. Das heißt nichts anderes als: es sind Vegetarier und Muslime, aber wenn sie uns nicht trotzdem unsere Schweinefleischkonserven abkaufen, werden wir sie leider platt machen müssen.

    So, wie man den Irak und Afghanistan in die Steinzeit bomben musste, weil das für eine Militäraktion irgendwie übersichtlicher aussah als Dubai und Kuwait.

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  3. Wie hat Bruce Sterling (http://feedproxy.google.com/~r/wiredbeyond/~3/G-wFruk7FJk/) gestern so schön zum selben Thema (das in den USA wohl schon einen Tag früher durch die Schlagzeilen gegeistert ist) geschrieben:

    „In the meantime, the US-based International Intellectual Property Alliance is keen to have open-source people expunged from the planet for thoughtcrime. “And now what — you’re supposed to give huge chunks of the INTERNET to LIBRARIES and they don’t even have to PAY for that? Or even ASK? Are you a RED CHINESE HACKER or something? I don’t get it!”

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  4. Das ist doch der Schlüsselbegriff: Geistige Eigentumsrechte / Intellectual Property.

    Sowas existiert nunmal per Definition nicht, und kann es auch garnicht. Nicht in diesem Universum.

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    • Nochmal zur Erklärung warum: Für Ideen/Information gibt es nur zwei Zustände:
      1. Ausschließlich dem Urheber bekannt: Die Existenz der Information ist nicht beweisbar. (Handel ist also auch unmöglich.)
      2. Anderen Personen bekannt: Kontrolle über die Information ist nicht mehr möglich.Und da jeder davon eine Kopie hat, besitzt es keiner und alle zugleich. Je nachdem ob man etwas überhaupt als „besitzen“ definieren kann, was einem nicht weggenommen werden kann. (Handel ist nur mir der Weitergabe möglich. Der wird wird davon bestimmt, wie leicht alle anderen die Information weitergeben.)

      Man sieht: Das einzig sinnvolle und mögliche Modell, ist, dass der Preis antiproportional zur Menge der Personen ist, die die Information „besitzen“. Und dass absolut jeder damit handeln kann, der die Information hat.

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  5. […] a reason for trade war? [3] Golem.de – IIPA prangert Einsatz von Open-Source-Software an [4] 11k2 – Es ging nie um die Urheber: IIPA [5] DDL-Board – IIPA vergleicht Open-Source mit Raubkopien [6] heise open – Die Woche: Open […]

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