Zeitungskrise: Google liefert Fakten

Google-Chefökonom Hal Varian bloggt harte Zahlen zur Diskussion um Zeitungskrise, Leistungsschutzrechte und Suchmaschinen: Der Rückgang der Zeitungsauflagen begann in den USA bereits 1985, also deutlich vor Beginn des WWW.

Heute lesen etwa 40% der Internetnutzer News online. Trotzdem erzielen US-Zeitungsverlage nur etwa 5% ihres Anzeigenumsatzes im Internet. 40 % des Traffics zu Online-Newsseiten kommt von Suchmaschinen. Problematischer ist aber die Verteilung des Anzeigenaufkommens auf Themen: Anzeigenkunden konzentrieren sich auf umsatzstarke Sektionen wie Autos, Reisen, Gesundheit, Haus&Garten, Essen&Trinken. Reine News dagegen erwirtschaften fast keine Anzeigenumsätze. Nachdem im Zeitungsgeschäft etwa 50 % durch Druck und Vertrieb der Papierausgabe entstehen (Redaktion und Inhalt etwa 15%), empfiehlt Varian den Verlagen, die gedruckten Nachrichtenseiten ganz einzustellen und auf die kostengünstigeren Internetseiten zu verlagern.

Nochmal zusammengefasst: Im Zeitungs-Publishing bringen Konsum-Themen am meisten Anzeigeneinnahmen, Nachrichten und harte Fakten am wenigsten. Und weil Zeitungen und Magazine überwiegend in der Freizeit konsumiert werden, online News dagegen während der Arbeitszeit, ist die Verweildauer der Leser bei Print etwa 20mal grösser. Und entsprechend die Bereitschaft von Anzeigenkunden, hier nennenswerte Summen zu investieren. Was können Zeitungsverlage aus diesem Überblick Varians lernen? Sich an der Realität des Leserverhaltens und der Anzeigenkundenerwartungen zu orientieren. Dann müsste alles klappen.

(googlepublicpolicy via techcrunch)

4 Kommentare

  1. Also die Grafik sagt aber, dass es erst ab 2006 bergab ging. Die Wellen sind nur Wellen und kein „bergab”.

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  2. Dieser Beitrag beinhaltet tatsächlich „harte Fakten“, wie sie sicherlich vielen noch nicht bekannt waren. Schlussendlich scheint nur noch die Verweildauer der Leser für den Klassiker unter den Printmedien, die Zeitung, zu sprechen. Ob das aber alleine ausreichen wird, um den Abwärtstrend wirksam „ausbremsen“ zu können? Man darf es bezweifeln und davon ausgehen, dass „Online“ alles daran setzten wird, Ex-Printanzeigenkunden auf Ihre Seite zu „ziehen“.

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  3. Verweildauer ist gut, also bei einem print magazin lese ich länger stimmt, aber warum? weil ich meistens nur das eine habe keinne 100 anderen, und weil das suchen länger dauert. Aber bestimmt nicht weil ich die werbung mehr angucke. Werbung im print gucke ich genauso wenig an wie online. Ausser es ist in einer zeitung da wo ich werbung suche bei kleinanzeigen, aber da suche ich im internet auch nach werbung.

    Denke eher das die passende werbung wichtiger wäre udn die gibts halt nur online wenn überhaupt. Aber die werbe kunden sind meistens von genauso alten leuten geleited wie die print magazine und diese alten leute werben halt lieber im print genau wie die zeitungen lieber ihre print ausgabe verkaufen.

    Auch klar ist wohl das man mehr leute auf seiten überautos bekommt als über nachrichten wie krieg. Weil autos fast jeden interessieren krieg aber nur wenige leute. aber dafür werden diese leute die artikel gründlicher lesen und wenn sie gut ist die seite eher weiter empfehlen als wenn man irgendwas x beliebigs über konsum güter gelesen hat.

    Fazit: Qualität setzt sich auf dauer immer durch wird aber nie gewaltige gewinne abwerfen oder riesiges wachstum erzeugen, dafür ist man aber auch viel sicherer vor dem absturtz

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  4. […] der Finanz- und Wirtschaftskrise und den wegbrechenden Anzeigenschaltungen in Tageszeitungen (lesenswert) wird vor allem auch die rasantere Entwicklung des Internets als Erklärung herangezogen. […]

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