Misshandelte Kinder, Schwule und die moralische Überlegenheit

Leute wie ich tun sich da leicht. Wir glauben an kein höheres Wesen oder irgendeine moralische Instanz ausser der von Menschen demokratisch gewählten Institutionen. Aber was ist mit Menschen, und davon gibt es Millionen in unserem Land, und weitere viele Millionen in anderen Ländern, die fest davon überzeugt sind, dass es Dinge gibt, die man nicht sehen oder sonstwie belegen kann, die aber trotzdem das reale Leben regulieren, vor denen man Angst haben muss, und die als Rechtfertigung für ansonsten kriminelle Handlungen dienen?

In den letzten 200 Jahren haben sich die Aufklärungsfans (so wie ich und die allermeisten von euch) ganz gut mit den Religionisten arrangiert, ja sogar dafür gestimmt, die Freiheit des Glaubens verfassungsrechtlich zu schützen. Was aber, wenn die erwähnten, strukturkonservativen Gottesanbeter ihr Weltsystem auf einmal ernst nehmen und sich ganz natürlich Rechte zuerkennen, die von der Verfassung so nicht vorgesehen sind? So etwas wie die Vertuschung von Vergewaltigung von Kindern? Kann man in solchen Fällen davon absehen, diese Form der organisierten Kriminalität zu bekämpfen, oder muss man den Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit dann ebenfalls ernst nehmen, und durchsetzen? Muss man aber nicht zuallermindest begangenes Unrecht und die scheinheilige Rechtfertigt dessen ans Licht zerren, und mit den bekannten literarischen und künstlerischen Mitteln anprangern? Ich denke, die beiden Pics aus der Produktion des Titanic Magazins machen das recht gut. Die Ungeheuerlichkeit darstellen.

Natürlich laufen jetzt die sogenannten „Katholiban“ Sturm, und beschweren sich beim deutschen Presserat wegen Kränkung religiöser Gefühle. Was die Beschwerdeführer nicht wissen: Selbst eine Rüge des Presserats ist ungefähr so viel wert, dass man sich damit eigentlich nur den Hintern wischen kann, was die strukturkonservative Springer-Presse auch mehrmals wöchentlich tut. So wird das nichts mit der Durchsetzung nicht-verfassungskonformer Standpunkte.

Insofern kann man Hassausbrüche wie den von Andreas in seinem Blog Aufklärung 2.0, der sich nicht mehr einkriegt vor Wut über die Heuchelei der Religionisten, die sich über Satire erregen und gleichzeitig organisierten Kindesmissbrauch decken wollen.

Und um so befremdlicher wirkt der selbstgerechte Rundumschlag katholischer Vorbeter wie Pater Engelbert Recktenwald, der seinen Schäflein erklärt „Journalisten sind Herdentiere“ und dass er stolz sei „auf diesen Papst, weil er sich nicht dem Diktat der Herde“ unterwerfe. He, Hochwürden, gibt es etwas Dümmeres, als die Medien pauschal als Herdentiere zu dissen?

Vielleicht vergleichbar dumm wie gleich nebenan, in der selben Publikation, das Pamphlet der „Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin sowie Leiterin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft“ Christl Ruth Vonholdt? Dass nämlich Homosexualität nicht mehr als Krankheit anerkannt würde, obwohl das siebzig Jahre lang Lehrmeinung von Therapeuten und Psychiatern gewesen sei, stelle einen Sieg der Ideologie über die Wissenschaft dar, durchgesetzt von „kleinen, gut organisierten Homosexuellengruppen“.

Nein, wirklich, so habe ich nicht mehr viel Hoffnung. Im Gegenteil: Die Spaltung unserer Gesellschaft ist da, der von den Aufklärern und Vernünftigen postulierte Konsens ist weg. Nicht nur mehr Länder mit der Endung „-istan“ haben das Problem rückwärtsgewandter Fanatiker, sondern auch das eigentlich doch ganz entspannte Mitteleuropa (von anderen angeblich aufgeklärten Ländern mal ganz zu schweigen). Wir müssen also, ob wir wollen oder nicht, die Arbeit auf uns nehmen, eine neue Welle der Aufklärung zu bilden: Religion ist Privatsache, Gesetze werden von Menschen gemacht und gelten für Alle. Wem das nicht passt: In Zentralasien sind Gottesstaaten gerade gross in Mode. Dort kann man dann prima am eigenen Leib erleben, wie sich eine Vernachlässigung der Aufklärung anfühlt. (pics: titanic)

9 Kommentare

  1. schade, dass du schon mit bloggen aufhörst. wir hätten dich sonst gut für unser aussteigerprogramm für gläubige gebrauchen können:

    http://bluthilde.wordpress.com/2010/03/26/gotteswahn_schtonk/

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  2. bevor nicht endlich ein paar dieser missbrauchsopfer (oder deren eltern) sich die eier in der hose zurechtrechtrücken und den oder die pfaffen explizit genau aus dem grund ihres/des missbrauchs (ihrer kinder) wegen (öffentlichkeitswirksam) TOTSCHLAGEN (man kann auch sagen HINRICHTEN) – solange wird es auch keine „echten“ GESPRÄCHE oder gar ein „echtes“ und ernsthaftes bemühen nach aufklärung und aufarbeitung geben. mit entsprechend echten harten strafen für die täter!

    zwar traurig, aber so ist es einfach!

    sowieso verstehe ich viele dieser eltern nicht! würde meinen kindern solch abgrundtief perverses widerfahren – so würde/n der oder die schänder mind. halbtot im eigenem blut baden wenn nicht gleich in flammen aufgehen.

    selbige methode würde ich aber ganz genau so bei jedem anderen – also nicht nur und ausschließlich bei irgendwelchen himmels-botschaftern des jenseitigen amtes – anwenden.

    mag sein das es von vielen als radikal empfunden wird, aber bei den kindern würde bei mir jegliche art des „rechtstaatlichen“ konsens und dialogs aufhören, sollten der oder die täter nach auffliegen ihrer taten (aus welchen gründen auch immer) weiterhin frei herumlaufen dürfen!

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    • War mir klar, dass du deine persönliche Rache über das Wohl des Kindes stellst, dass dann auch noch als Nachkomme eines Gewaltverbrechers und vielleicht im Heim aufwächst.

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  3. na ist das mal nicht ober-niedlich – „DAS KIRCHEN-IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK“:

    Telopolis News – Kultur & Medien:

    [ Atheismus ist ein „Anschlag auf Gott“

    In Australien nutzen Bischöfe Ostern, um vor Atheisten zu warnen, die einem Götzendienst frönen

    Es ist nicht so, dass die katholischen Geistlichen nun weltweit etwas leiser auftreten, nachdem wieder einmal deutlich geworden ist, dass ihre autoritär geführte Männerorganisation aus vergangenen Zeiten Schwierigkeiten mit ihrer Moral und Sexualität hat und lieber versucht, die eigene Haut zu retten, als den Opfern zu helfen.

    Während einige Bischöfe wie Kardinal Lehmann oder Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, nun endlich auch das Verhalten der Kirche kritisieren, machen die Hardliner weiter. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller nutzte[1] die Messe vom letzten Abendmahl, um die Kritiker der Kirche zu denunzieren: „Die Hingabe der vielen im Dienst an den Armen, Unterdrückten und den Notleidenden müsse von manchen verdächtigt werden, damit man nicht in der Gottvergessenheit und der Selbstverliebtheit gestört werde. Dabei sei in einem materialistischen und darum geist- und gottvergessenen Weltbild ohne Aussicht auf Erlösung in der Liebe des personalen Gottes, jede Form uneigennütziger Liebe ein Ärgernis erregender Vorwurf, auf den man nur mit Häme zu reagieren wisse“, wird vom Bistum seine Rede wiedergegeben.

    Noch unangenehmer zog[2] der päpstliche Hausprediger Raniero Cantalamessa in Anwesenheit des Papstes einen Vergleich der gegenwärtigen Kritik am Vatikan und Papst mit dem Antisemitismus. Zum Beleg dafür, dass die katholische Kirche „Opfer kollektiver Gewalt“ sei, zitiert er aus einen angeblichen Brief eines jüdischen Freundes, den Cantalamessa so wiedergibt, um den Vorwurf und die peinliche Selbststilisierung nicht explizit sagen zu müssen: „Ich verfolge angeekelt den brutalen und konzentrischen Angriff auf die Kirche, den Papst und alle Gläubigen seitens der ganzen Welt. Der Gebrauch von Stereotypen, der Übergang von der persönlichen Verantwortung und Schuld zu einer Kollektivschuld rufen mir die schändlichsten Aspekte des Antisemitismus in Erinnerung.“

    In Australien nutzten[3] Geistliche die Ansprachen zu den Osterfeiertagen, um die Atheisten zu geißeln.

    Weit entfernt von den Missbrauchsfällen hat nun in Australien hat nun Anthony Fisher, der neue Bischof von Parramatta (Sydney), in seiner Osterbotschaft[4] die Atheisten angegriffen, weil sie so viel Unheil über die Welt gebracht hätten. Von den Missbrauchsfällen in der Kirche sprach[5] er nicht, dafür aber davon, dass die Menschen im letzten Jahrhundert „Gottlosigkeit im großen Maßstab ausprobiert“ hätten: „Die Folgen waren verheerend. Faschismus, Stalinismus, Pol-Pot, Massenmord und zerbrochene Beziehungen: All dies gefördert durch staatlich auferzwungenen Atheismus oder von der Kultur beeinflussten Säkularismus.“ Es sei eine Illusion, dass wir ein besseres Leben ohne Gott führen könnten, auch wenn „Gewalt, Missbrauch und Unbarmherzigkeit“ mancher Gläubiger einige Menschen aus der Kirche getrieben hätten. Auch Scheinheiligkeit und Halbherzigkeit könnten Gott in anderen Menschen töten.

    Möglicherweise fühlte sich Fisher – schließlich spricht man auch im Vatikan von einer Medienkampagne gegen den Papst und die Kirche – zudem von den Atheisten provoziert, weil Anfang März die Global Atheist Convention[6] in Melbourne unter dem Titel „Der Aufstieg des Atheismus“ stattgefunden hatte. Der prominenteste Teilnehmer der „größten atheistischen Veranstaltung in der Geschichte Australiens“ war der seit geraumer Zeit im Namen von Rationalität und Wissenschaft gegen die Religion kämpfende Evolutionsbiologe Richard Dawkins. In vielen Medien wurde kolportiert[7], er habe in seiner Rede Benedikt als „Nazi-Papst“ bezeichnet, was allerdings nicht zutraf, da er von Pius XII sprach, „that Pope whose name I’ve forgotten, who’s also up for canonisation and was aiding and abetting the Nazis during the war“.

    Zu Fisher hatte sich auch schon Kardinal George Pell, der Erzbischof von Sydney gesellt[8], der auch nicht auf die aktuellen Skandale einging, aber meinte[9], dass es zwar zu viele Skandale und Opfer gegeben habe, aber die überwältigende Mehrheit der Gläubigen den Geboten der Liebe folge. Schön aber dann der Schlenker gegen die Atheisten. Die vielen staatlichen Organisationen seien religiös neutral, würden aber „weitgehend durch die Steuern der christlichen Mehrheit finanziert“. Hingegen würde es keine kommunalen Dienste geben, „die von den Atheisten gefördert werden“, als ob die nicht auch Steuern zahlen, die wiederum auch in kirchliche Projekte fließen.

    Auch der evangelische Erzbischof von Sydney[10], Peter Jensen, griff[11] die Atheisten an. Atheismus sei ein „Anschlag auf Gott“, meinte er. Die Atheisten scheinen Gott zu hassen. Atheismus ist für ihn ebenso eine Religion wie das Christentum, aber „eine Form des Götzendienstes, in dem wir uns selbst vergötzen“. Es gehe darum, selbst unbeeinflusst das eigene Leben zu leben – „unbehindert von der Herrschaft Gottes und dem Recht Gottes, über uns zu herrschen“. Für den Erzbischof geht es um den „Kampf zwischen den Menschen und Gott, wer die Welt beherrscht“, schließlich entstehe der Atheismus lediglich aus dem „Ressentiment, das wir in Wirklichkeit nicht die Welt beherrschen und dass uns auffordert, unser Leben ihm zu widmen“.

    Die Atheist Foundation of Australia schlug zurück. Ihr Präsident David Nicholis sagte[12], Jensen suche nur einen Sündebock für die Kindersexskandale in den Kirchen. Er greife den Atheismus an, ohne ihn zu verstehen: „Zu sagen, dass wir Gott hassen oder seinen Gott angreifen, ist Unsinn. Wie soll man etwas angreifen oder hassen, das nicht existiert?“

    Florian Rötzer, 03.04.2010

    News URL: http://www.heise.de/tp/blogs/6/147371 ]

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  4. offtopic:
    Warum schreiben viele außer, groß usw. mit ss?
    Das hat nichts mit neuer Rechtschreibung zu tun. Das galt schon immer!

    Mfg

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    • ahhhhh ein weiterer rechtschreib terorist! muhahahahaha xD

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    • Ich persönlich hab das „ß“ vor etwa 10 Jahren in Rente geschickt. Ich finds einfach veraltet. Schweizer Rechtschreibung ftw.

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      • Ja, ich geb dir Recht, dass das „ß“ unnötig ist. Trotzdem können wir es nicht weglassen, wenn wir es „richtig“ schreiben wollen.

        Dann kommt vielleicht Wooky19 auf die Idee, Doppel-R wegzulassen (wie oben geschehen), nur weils ihm nicht gefällt :D

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