Umweltverschmutzung nachgerechnet

Die Verwaltung des US-Bundestaats Oregon hat eine interessante, exemplarische Rechnung aufgestellt: Abgase (a.k.a. CO2) im Ballungsgebiet Portland stammen demnach zu einem Viertel aus dem örtlichen Individualverkehr (PKWs und Lieferwagen) und dem öffentlichen Nahverkehr.

Ein weiteres Viertel wird durch die Energieversorgung verursacht (Strom + Wärme). Und die Hälfte der Emissionen stammt aus der Herstellung, dem Transport und der Wiederverwertung von Waren, also der Konsumgüterindustrie (einschliesslich Nahrungsmitteln).

Das bedeutet, die Hälfte des CO2 (und mindestens der anderen Abgase) wird von der Industrie produziert und kann nicht durch direkte Veränderung der Lebensbewohnheiten beeinflusst werden. Ausser durch bewussteren Einkauf von Produkten, die weniger Verpackung, weniger aufwändige Herstellung und weniger Transportbedarf mitbringen. Und durch politische Einflussnahme auf die Regulierung von industrieller Umweltbelastung, etwa mit Hilfe von kommunalen Verordnungen.

Was die Schadstoff-Aufstellung aus Portland leistet, ist ein Zerschlagen des sorgfältig aufgebauten „Schuld-Mythos“, wonach der Einzelne wegen seiner individuell erzeugten Umweltbelastung ein schlechtes Gewissen haben müsse und daher nicht energisch auf Grosserzeuger von Schadstoffen Einfluss nehmen dürfe. Das Gutmenschen-Paradoxon wird also dadurch aufgelöst, dass harte Zahlen (wie hier zu sehen) die Verantwortung des Einzelnen aus seinem Privatbereich herauslösen und zurück in die Gesamtgesellschaft richten. Schön. Jetzt brauchen wir nur noch Konsequenzen.

(PDF des berichts, via good)

10 Kommentare

  1. Naja – der einzelne kann durchaus was richten – wenn alle Amis so langsam auf umweltfreundlichere Technologien setzten, dann würde sich da auch was ändern – 25% sind nun schon ein recht großes Stück von Kuchen und viele Amerikaner fahren schon noch ziemliche Strassenschiffe mit entspr. Verbrauch. Von schlecht isolierten Häusern, Klimaanlagen, etc. mal ganz abgesehen. Es fängt immer beim einzelnen an. Dass natürlich der Industrie in den A**** treten muss, versteht sich – die lernen auch nur durch Schmerz (bei der Bilanz).

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    • Die Amis haben einen schönen Ausdruch: „Vote with your Wallet!“. :)

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  2. Das ist ja eigentlich auch abzusehen, dass der dumme Michel nicht alleine die Schuld trägt und die Industrie die größte Dreckschleuder ist. Aber es bringt halt nichts wenn man selbst bloß Bio kocht und umweltschonend ist, wenn 99 andere dann doppelt so viel Dreck machen. Das Problem ist ja alleine schon bei der Überproduzierung zu sehen. Da wird frisches Obst weggeworfen, tagtäglich…

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    • Naja, dann lern doch Sozialingenieurwesen („social engineering“), Rhetorik, Führerschaft und dergleichen, und bring die Leute dazu.
      Wenn Vollspacken wie „unsere“ Politiker und andere Massenmeinungsmacher das können, dann können wir das noch viel besser!

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    • Naja nach der Logik müsste man’s ja bleiben lassen. Aber wenn’s wurscht ist ob man spart oder nicht (CO2), dann kann man ja auch sparen. Und wenn immer mehr Leute auf den Trichter kommen dann bringt’s auch was.

      Klar ist die Überlegung „Wenn ich das ordentlich machhe bringt das global gar nichts“ und selbst „Wenn ganz Deutschland das ordentlich macht bringt das global (fast) gar nichts“ schmerzhaft richtig.
      Aber wenn jeder daraus den Schluss zieht nichts zu tun wird sich mit Sicherheit auch nichts ändern.

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  3. Also da spar ich ja schonmal gleich fast 100% ein, indem ich so wenig Industriefraß wie möglich, und so viel unverarbeitete Nahrung wie möglich vom Biobauern in der Nähe kaufe (Als sehr guter Koch ein muss :), grundsätzlich lieber mit meinem Rad oder der Straßenbahn fahre, als mit was anderem, und finde alle unsere Energie aus Sonnenwärmekraftwerken mit Wasserstoff-Energiepuffern kommen sollte.
    Jetzt muss ich es nur noch hinkriegen, den Lebensstil finanzieren zu können.
    Komischerweise haben ärmere südliche Länder da größere Chancen, das hinzukriegen. Aber wär mal ganz gut, wenn die zur Abwechslung mal uns überholen. :)

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  4. Das ist aber mal arg kurz gedacht.
    Kleines Beispiel: Wenn ich bei McDoof einen Burger esse, fällt die CO2 Belastung für Herstellung, Transport etc. bei denen an. Aber natürlich bin ich als Konsument der Verursacher, weil ich entschieden habe, dass ich genau dieses Produkt konsumieren wollte.
    Gleiches gilt für meine Entscheidung für ein Auto, meine Kleidung und alles, was ich konsumiere.

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  5. Okay, am besten einfach stom abschalten keinen benzin mehr liefern udn zurück in die steinzeit :)

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    • irgendein TROTTEL muss ja (immer wieder) diesen vollkommenen schwachsinn in die runde werfen, nicht wahr? warum also nicht DU!!!

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  6. Schlimm, schlimm. Wir wurden alle belogen. Bin ich also doch nicht der böse, weil mein Kühlschrank nicht Energieklasse A ist und mein Auto 9l auf 100km säuft.
    Besonders schlimm, dass die Torte schon vor 20 Jahren ungefähr so aussah und wir mit der Supidupi-Okösteuer auf Sprit damit nix ändern konnten. Besser dieses spät erkennen als nie. ;)

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