iRightsGate: Urheberrecht kurz vor Implosion

Die deutschen Zeitungsverlage sind sauer. Auf das Info-Portal iRights. Weil diese Urheberrechts-Aufklärer einen Entwurf der Verlage (und Gewerkschaften) veröffentlicht und diskutiert haben. In diesem Entwurf geht es im wesentlichen darum, den Verlagen neue Rechte zu geben, damit diese Einnahmequellen erschliessen können, wo bisher keine waren.

Das heisst: Leser und Medienkonsumenten müssen mehr bezahlen, Journalisten bekommen weniger Geld und weniger Rechte. Und das alle per staatlicher Regelung und im Widerspruch zur Idee des freien Marktes. Eine reine Lobbygeschichte also.

Aber jetzt erst wird der Leak zum iRightsGate. Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) beschuldigt das Portal des Urheberrechtsbruchs. Mal langsam: Mr. Wolff hält den Gesetzesentwurf eines Industrielobbyverbands für urheberrechtlich schützenswert. Im Ernst? Soll auch in Deutschland jedes veröffentlichte Wort demnächst gesetzlich geschützt sein, ohne Prüfung der „Schöpfungshöhe“, so wie das bisher galt? Anscheinend schon. Im Moment jedenfalls genügt es nicht, irgendeinen Mist auf ein Stück Papier zu schreiben, um dafür Urheberrechtschutz zu erhalten. Das gilt auch nicht für die staatskapitalistischen Forderungen von Lobbyvertretern. Bisher.

Das Urheberrecht (zumindest im kontinentalen Europa und anders als seine angloamerikanische, käufliche Schwester Copyright) beschrieb ursprünglich das ausschliessliche Recht des Urhebers auf kommerzielle Verwertung seines Werks. Im Verlauf der letzten Jahre wurde das dazu gehörige Gesetz allerdings immer mehr nach den Wünschen der Verwerter umgeformt, auf Kosten von Urhebern und Verbrauchern. Wenn es nach dem Willen der Verlagslobby geht, wird das Recht des Kreativen demnächst zum Recht des Stärkeren. Und Stärke bemisst sich hier nach der Grösse der firmeneigenen Rechtsabteilung.

Dem müssen wir alle natürlich entgegenarbeiten. Wir können nicht dulden, dass alle Rechte, die geistige Leistung schützen, in den Ausverkauf gehen und von Investoren (lateinisch „locusta“) abgegriffen werden. Ein klassisches Piratenthema, nebenbei, das höchstens noch von den Grünen (wenn auch unwillig) und der Linken wahrgenommen wird. Ach ja, ab morgen ist ja Bundesparteitag der Piraten in Bingen am Rhein. Ich werde nicht dabei sein können; mein Platz ist solange eben direkt an der Schnittstelle zum Metaversum.

Hier ist die Richtigstellung auf iRights, hier ist der Original-Leak-Artikel, hier der Entwurf zum Leistungsschutzrecht als PDF. (via piraten)

2 Kommentare

  1. Damit zeigt sich, was der BDZV von dieser, wie hieß sie noch gleich? ach ja, Pressefreiheit hält. Nichts nämlich.

    Hallo Iran. Wir kommen.

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  2. Es geht ums geld fertig, da will keiner mehr freiheiten. Die einen nicht weil das heißt weniger verdienen die anderen weil sie angst haben das sie ihren job verlieren wenn die für mehr freiheiten sind.

    Ganz ehrlich glaube viele leute wissen garnicht wie wichtig sie sind, glaube das wenige journalisten das wollen was da gefordert wird und die paar die das für richtig halten können niemals guten journalismus machen. Wenn das mal den verlegern klar wird können sie sowas garnicht durch ziehen den ohne ihre schreiberlinge haben sie ja nicht was geld ein bringt.

    Auch bei der medien industrie, wenn wir deutschen sagen wir wollen kein acta meint ihr es werden alle kinos geschlossen keine dvds mehr in deutschland verkauft? Wir sind vielleicht nicht amerika dennoch werden auf dauer keine firma auf unser geld verzichten, und das mehr gekauft wird mit mehr schutz hat doch noch keiner erlebt oder?

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