Erstverkaufsrechte, Piraten und gebrauchte Games: The Big Picture

Manche von euch haben die Geschichte vielleicht schon mitbekommen (hier mein Post dazu auf Techfieber): In den USA versucht der Weltmarktführer bei Computer- und Videogames, Electronic Arts, eine Wiederverkaufsgebühr einzuführen, damit der Konzern auch an gebrachten Games mitverdient. Klingt bizarr, bringt aber Profit ohne Produkte, nur per Vertrag.

Ich sehe gerade, dass der nationale Vizepirat und Vordenker Andi Popp die Sache in seinem Blog aufgreift. Richtig, Andi, das muss diskutiert werden. Die Piratenpartei muss sich ihrer Verantwortung stellen, nicht mehr nur Urheberrechts- und Bürgerrechts-Partei sein zu wollen, sondern den Digitalen Wandel mit all seinen Folgeerscheinungen wahrzunehmen.

Was in diesem Beispiel EA versucht, nämlich ein unauflösbares Recht des Erst-Distributors an einer Ware durchzusetzen, erlebten wir bereits bei der sterbenden Tonträgerindustrie (die „Musik“ mit „Tonträger“ gleichsetzte und „Hören ohne Bezahlen“ mit „Diebstahl“), in der Debatte um das von Verlagen vorgeplante staatskapitalistische Leistungsschutzrecht (an Überschriften und Einleitungen, und gegen die Rechte der Urheber), oder im anhaltenden Stellungskrieg um Softwarepatente.

Nachdem die Industrieära zügig der Informationsära weicht, passen sich erfolgsorientierte Unternehmer an und häufen nicht mehr Produktionsmittel, sondern Informationsrechte an. Tatsächlich verändern sich weltweit die „Informationsgesetze“ zum Nachteil der Bürger. Diese „geistige Landnahme“ (und ihre Verhinderung) sollte das Zentralthema der Piraten sein. Auch wenn es derzeit noch schwer zu vermitteln ist. Aber ich denke, da arbeiten wir dran.

(siehe andipopp) (pic ist von mir cc3by-sa)

3 Kommentare

  1. Ich denke wenn es ordentlich und begreiflich erklärt wird sollte auch die Musikantenstadl-Generation die Problematik erkennen. (Auch wenn sie niemals eine Partei die „Piraten“ heisst wählen würde.)

    Als wenn man Kohle an VW zahlen müsste wenn man seinen gebrauchten Golf verscherbelt (oder kauft).

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  2. Grundsätzlich richtig.

    Nur ist beim Beispiel von EA bei der Zweitverwertung lediglich die Zweitnutzung des Multiplayerteils kostenpflichtig. Das wird durch laufende Kosten begründet. So scheinheilig diese Argumentation ist (schließlich sollten Multiplayerkosten durch die Mischkalkulation beim Erstverkäufer abgedeckt werden und Serverkosten sind generell zu vernachlässigen) entbehrt sie nicht einer gewissen logischen Grundlage.

    Im Gegensatz zu Ubisoft wird hier aber nicht die Zweitverwertung des Singleplayer-Teils verhindert was EA schon mal hoch anzurechnen ist.

    Das ändert natürlich nichts an deiner Aussage dass die Piratenpartei im Bereich „Informationsgesetze“ sich zur größten politischen Kapazität in Deutschland aufschwingen sollte

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  3. Ich stimme ja zu, aber Andi Popp ein Vordenker? Er ist soweit ich weiss Sohn eines Politikers (ich glaube SPD) und hat sich erstmals im Superwahljahr bei den Piraten sichtbar engagiert als ich noch im Vorstand war. Da hat er viel bürokratische Arbeit geleistet (wofür ich ihm dankbar war), und die daraus erwachsende Popularität auch sofort genutzt, um sich selber in den Vorstand wählen zu lassen. Ich will nichts Schlechtes über ihn sagen, aber ein Vordenker ist er nun gerade nicht, imho.

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